Steuern in Höhe von 450 Millionen Euro ergaunert?

Frankfurt/Main - Wenn der Verdacht sich bestätigt, war das mehr als eine kleine Schummelei beim Finanzamt: Steuern in Höhe von 450 Millionen Euro soll eine Bande ergaunert haben.

Unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung im Umfang von 450 Millionen Euro sind zwei Männer in Frankfurt festgenommen worden. Rund 100 Beamte von Bundeskriminalamt und Steuerfahndung hatten zuvor Büros und Wohnungen in der Bankenstadt und der Umgebung durchsucht. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittle insgesamt gegen zwölf Verdächtige wegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche, teilte die hessische Anklagebehörde am Montag mit.

Die Hauptverdächtigen im Alter von 51 und 54 Jahren waren bei dem Einsatz am Dienstag vergangener Woche festgenommen worden. Die Gruppe der beiden soll in Deutschland mit Firmenanteilen gehandelt, ihren Geschäftssitz aber angeblich in Zypern gehabt haben. Damit hätten sie ihre Steuerpflicht in Deutschland verschleiert und fast eine halbe Milliarde Euro Körperschaftssteuer hinterzogen, wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor. Die Männer sitzen in Untersuchungshaft.

Die schlimmsten Fälle von Steuerverschwendung

Verschwendung Steuergelder
355 000 Euro für eine Kamillen-Erntemaschine: Nicht die Industrie oder die Hersteller investieren in neue Maschinen. Nein, das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert die Entwicklung einer neuen Erntemaschine für Kamillenblüten. Das soll die Steuerzahler bis 2013 rund 355 000 Euro kosten. © dpa
Verschwendung Steuergelder
288 000 Euro für die Bankmanagerschulung: Mit Steuergeldern aus dem Bildungsministerium schulen die Sparda-Banken ihre Vertriebsmanager und Kundenberater in interaktiven Web 2,0-Anwendungen. Der Bund der Steuerzahler moniert: „Banken sollten ihre Vertriebsprofis mit eigenen Mitteln aus- und weiterbilden.“ © dpa
Verschwendung Steuergelder
632 000 Euro für eine verständliche Gesetzessprache: Aus dem Etat des Bundesjustizministeriums fließen üppige 632 000 Euro in einen neuen Redaktionsstab, der Gesetzestexte künftig verständlich formulieren soll. © dpa
Verschwendung Steuergelder
Kritik der Steuerzahlervertreter: „Man sollte eigentlich meinen, dass unter den gut 18 000 Beschäftigten der Bundesministerien genügend erfahrene und gut bezahlte Juristen zu finden sind. Sie sind bestimmt in der Lage, verständliche Gesetze auszuformulieren.“ © dpa
Verschwendung Steuergelder
3000 Euro für den Deutschen Pflügerrat: Das Pflügen ist zum Wettkampfsport geworden. Der Weltpflügerrat veranstaltet jetzt sogar Weltmeisterschaften im Pflügen. © dpa
Verschwendung Steuergelder
Kritik der Steuerzahlervertreter: „Muss das Bundeslandwirtschaftsministerium dem Deutschen Pflügerrat jährlich 3000 Euro überweisen, damit dieser Mitglied im Weltpflügerrat sein kann?“ © dpa
Verschwendung Steuergelder
260 000 Euro für Torf-Lippenpflegestifte: Das Bundesforschungsministerium fördert mit knapp 260 000 Euro die Entwicklung eines neuartigen Lippenpflegestifts. (Symbolbild) © dpa
Verschwendung Steuergelder
Basis des neuen Pflegestifts soll Torf sein, der angeblich vor UV-Strahlen schützen soll. Der Bund der Steuerzahler kritisiert die Ausgabe: „Lippenpflegestifte sind ein Thema für die Kosmetikindustrie, aber kein Fall für die Bundespolitik.“ (Symbolbild) © dpa
Verschwendung Steuergelder
2,1 Millionen Euro für einen Bioökonomierat: Seit 2009 gibt es den „BioÖkonomieRat“. Die ersten drei Ratsjahre sollen die Steuerzahler jetzt knapp 2,1 Millionen Euro kosten. Als Gegenleistung gibt’s Empfehlungen an die Bundesregierung. © dpa
Verschwendung Steuergelder
1,1 Millionen Euro für eine Handy-Mitfahrzentrale: Vier IT-Unternehmen dürfen insgesamt 1,1 Millionen Euro aus dem Etat des Bundeswirtschaftsministeriums für eine Handy-Mitfahrzentrale „verforschen“. © dpa
Verschwendung Steuergelder
Das gut klingende Ziel lautet Green Mobility. Ermöglicht werden soll, per Handy kurzfristig Auto-Mitfahrgelegenheiten zu suchen oder anzubieten. Kritik des Bundes der Steuerzahler: „Es existieren bereits zahlreiche private online-Mitfahrbörsen und I-Phone-Apps.“ © dpa
Verschwendung Steuergelder
1,4 Millionen Euro für PC-Spiele: Das Bundesbildungsministerium untzerstützt mit 1,4 Millionen Euro ein Computerspiel für Maurerlehrlinge, bei dem Städte und Imperien aufgebaut und gemanagt werden sollen. © dpa
Verschwendung Steuergelder
Das Projekt SpITKom soll spielerisch IT-Kompetenzen vermitteln. Kritik des Steuerzahlerbundes: „Beim Thema Bildungsbenachteiligung jetzt auch noch auf dem PC-Spielemarkt nachhelfen zu wollen, ist maßlos übertrieben.“ (Symbolbild) © dpa
Verschwendung Steuergelder
55 000 Euro für Öko-Topfschnittlauch: Wir alle möchten uns gesund ernähren, daher liegen Ökoprodukte im Trend. Doch die hohe Nachfrage nach qualitativ gutem Topfschnittlauch aus Ökoanbau macht Probleme. Die Hersteller kommen mit der Produktion nicht mehr nach. © dpa
Verschwendung Steuergelder
Damit der Anbau künftig schneller geht, zahlt das Bundeslandwirtschaftsministerium einer bayerischen Öko-Beratungsfirma 55 000 Euro, um die Erfolgsfaktoren in der Schnittlauchballenproduktion zu ergründen. Kritik des Bundes der Steuerzahler: „Wenn bei Öko-Topfschnittlauch eine so hohe Nachfrage und Marktlücke besteht, ist es im Interesse der Hersteller und Vermarkter, eine intensive Züchtungsforschung voranzutreiben.“ (Symbolbild) © dpa
Verschwendung Steuergelder
250 000 Euro fürs Gartenbaumuseum: Damit die Vielfalt der unzähligen Heil-,Duft-, Gewürz- und Färbepflanzen hierzulande nicht in Vergessenheit gerät, erhält das Deutsche Gartenbaumuseum in Erfurt 247 399 Euro vom Bundeslandwirtschaftsministerium. © dpa

Details zu dem möglichen Millionenbetrug gab die Generalstaatsanwaltschaft zunächst nicht bekannt. „Jetzt fangen die Ermittlungen erst richtig an zu laufen“, sagte ein Sprecher der Behörde. Seinen Angaben zufolge handelten die mutmaßlichen Täter nicht mit Aktien, sondern veräußerten Firmenanteile außerbörslich. Abgewickelt wurden die Geschäfte über Frankfurt. Mit welcher Art von Unternehmen die Gruppe Geld gemacht haben soll, blieb unbekannt.

Sollte sich der Verdacht gegen die Männer bestätigen, könnten die Frankfurter Ermittler ihren größten Steuerskandal aufgedeckt haben. „Bei uns hier wäre es mit Abstand die größte Schadenssumme“, schätzte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Mehr Informationen nannte er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. So blieb auch offen, ob der angebliche Firmensitz in Zypern wirklich existiert. Angeklagt sind die beiden Beschuldigten noch nicht. Die anderen Verdächtigen sollen zwischen 38 und 77 Jahren alt sein.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Radikale Neuerung bei WhatsApp bestätigt - was bedeutet das für den Datenschutz?
Radikale Neuerung bei WhatsApp bestätigt - was bedeutet das für den Datenschutz?
Rewe bucht bei Kundin acht Milliarden Euro ab - Experte hat düsteren Verdacht
Rewe bucht bei Kundin acht Milliarden Euro ab - Experte hat düsteren Verdacht
C&A schockiert mit Kinder-Pullover - es hagelt schwere Vorwürfe
C&A schockiert mit Kinder-Pullover - es hagelt schwere Vorwürfe
Aldi-Kundin wäscht Plastik-Tragetasche und wundert sich danach auf Facebook über Ergebnis
Aldi-Kundin wäscht Plastik-Tragetasche und wundert sich danach auf Facebook über Ergebnis

Kommentare