Teil II: So holen Sie sich Ihr Geld zurück

Steuererklärung 2014: Das lässt sich absetzen

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Die Steuererklärung ist für viele immer wieder eine komplizierte Angelegenheit.

München - Die jährliche Steuererklärung treibt vielen Arbeitnehmern den Schweiß auf die Stirn. Die tz zeigt Tipps und Tricks, wie Sie möglichst viel Geld sparen können. Lesen Sie hier Teil II der Serie:

Keine Frage: Es kann schon ganz schön lästig sein, wenn die Handwerker kommen müssen – schließlich ist der Anlass meist unerfreulich. Trotzdem kann der Besuch von Meister und Geselle auch ein Grund zur Freude sein: Denn am Ende des Jahres kann der Steuerzahler die Handwerkerkosten – noch – beim Finanzamt geltend machen. So will die Regierung die Schwarzarbeit eindämmen. Wie das genau funktioniert, erklärt die tz auf dieser Seite. Dazu haben wir weitere Steuer-Spartipps zu den Themen Haus, Finanzen und Ehrenamt parat.

Steuererklärung: So setzen Sie Arbeitszimmer und Handwerker richtig ab

Trautes Heim Arbeitszimmer: Gute Nachricht für Menschen mit einem "häuslichen Arbeitszimmer". Beschäftigte, die zu Hause ein Arbeitszimmer haben und vom Arbeitgeber keinen Arbeitsplatz gestellt bekommen, sollen ihre Kosten bis maximal 1250 Euro von der Steuer absetzen können. Von der Regelung profitieren vor allem Lehrer, aber auch Handelsvertreter. Noch besser ist ein "nicht-häusliches Arbeitszimmer": Dann gilt die Begrenzung von 1250 Euro nicht und es können die tatsächlich anfallenden Kosten in Abzug gebracht werden. Dafür muss das Arbeitszimmer aber deutlich vom privaten Raum getrennt sein – mindestens durch einen separaten Eingang!

Handwerkerrechnungen: Sobald ein Handwerker die Wohnung betritt, ergibt sich die Gelegenheit, dem Fiskus ein Schnippchen zu schlagen. Für Handwerkerarbeiten können Steuerzahler bis zu 1200 Euro angeben. Dabei erkennt das Finanzamt alles an, was mit Renovierung, Erhalt oder Modernisierung im Privathaushalt zusammenhängt. Materialkosten können allerdings nicht angegeben werden, sondern nur die Lohnkosten. Der Fiskus akzeptiert 20 Prozent der entstandenen Kosten, bei einer Rechnung von 6000 Euro also die maximal möglichen 1200 Euro. Wichtig: Die Handwerker müssen eine Rechnung stellen und diese darf nicht bar bezahlt werden. Um die Zahlung zu belegen, benötigen Steuerzahler einen Bankbeleg – schließlich soll die Steuererleichterung dazu beitragen, die Schwarzarbeit einzudämmen.

Steuererklärung: So setzen Sie Winterdienst und Haushaltshilfe ab

Winterdienst absetzen: Für Hauseigentümer, Vermieter und Mieter gilt die Räumpflicht. Oft wird für solche Arbeiten ein Dienstleister beauftragt. In diesem Fall gibt es sogar einen Steuerbonus. Das Finanzgericht Berlin-Brandenburg (Aktenzeichen 13 K 13287/10) hat entschieden, dass die Aufwendungen für einen Winterdienst in der Einkommensteuererklärung als haushaltsnahe Dienstleistung geltend gemacht werden können. „Nach dem Urteil gilt dies selbst dann, wenn die Schneebeseitigung auf einem öffentlichen Gehweg vor dem Haus erfolgt“, erläutert Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. Die Finanzverwaltung will allerdings nur die Kosten berücksichtigen, die für Arbeiten auf dem privaten Gelände anfallen und hat gegen das Urteil Revision eingelegt. Das Verfahren ist beim Bundesfinanzhof (Az.: VI R 55/12) anhängig. „Betroffene Steuerzahler sollten die Kosten für die Schneebeseitigung in der Einkommensteuererklärung als haushaltsnahe Dienstleistungen ansetzen und sich dabei auf die steuerzahlerfreundliche Entscheidung des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg beziehen“, rät Käding.

Haushaltshilfe: Auch für sozialversicherte oder selbstständige Haushaltshilfen sowie für Minijobber im Haushalt können steuerliche Vorteile geltend gemacht werden. Für Hilfskräfte, die auf 400-Euro-Basis den Haushalt auf Vordermann bringen, bekommen private Arbeitgeber seit 2009 ­exakt 20 Prozent der Ausgaben zurück, maximal jedoch nur 510 Euro pro Jahr. Bei anderen Arbeiten lockt ein höherer Steuerabzug. Die Haushaltshilfe, der Gärtner, der Fensterputzer – 20 Prozent der Aufwendungen von bis zu 20.000 Euro kann der Steuerzahler absetzen. Die maximale Entlastung liegt also bei 4000 Euro im Jahr. Wichtig: immer eine Rechnung ausstellen lassen.

Steuererklärung: So setzen Sie Telefonkosten und Umzugskosten ab

Telefonkosten: Wer sein privates Telefon auch beruflich nutzt, kann 20 Prozent der Telefonrechnung, maximal 20 Euro pro Monat, als Werbungskosten geltend machen. In der Regel erkennt das Finanzamt pauschal bis zu 15 Euro pro Monat an.

Umzugskosten: Nur wenn ein Umzug beruflich veranlasst ist, sind die Kosten als Werbungskosten abziehbar. Dafür muss sich die tägliche Fahrzeit zum Arbeitsort (hin und zurück) um mindestens eine Stunde verringern. Das lohnt sich, denn schon die Umzugskostenpauschale liegt bei 1256 Euro für Verheiratete – die tatsächlichen Kosten können sogar noch höher liegen.

Naturkatastrophen: Schlimm genug, wenn man von einer Naturkatastrophe heimgesucht wird. Aber immerhin: Die Kosten für Neuanschaffungen von verloren gegangener Kleidung und Hausrat gelten als außergewöhnliche Belastung. Dafür benötigen die Opfer von Naturgewalten natürlich Rechnungen für die Wiederbeschaffung. Außerdem darf die Katastrophe nicht länger als drei Jahre zurückliegen.

Finanzen - das sollten Sie bei der Steuererklärung beachten

Sparerfreibetrag: Der Sparer-Pauschbetrag für Zinsen vom Sparbuch oder anderen Anlageformen liegt bei 801 Euro. Ehegatten, die zusammen veranlagt werden, wird ein gemeinsamer Sparer-Pauschbetrag von 1602 Euro gewährt.

Freistellungsauftrag: Der Sparer kann seiner Bank einen Freistellungsauftrag erteilen, damit sie keine Steuern an das Finanzamt abführt. Den Freistellungsauftrag sollte man schon deshalb nutzen, damit die Zinsen auf die vom Finanzamt einbehaltene Kapitalertragssteuer nicht verloren gehen. Denn solange das Geld beim Finanzamt liegt, zahlt die Bank keine Zinsen! Sparer können mehreren Geldinstituten einen Freistellungsauftrag erteilen, wenn sie etwa bei Bank A ein Sparbuch und bei Bank B ein Tagesgeldkonto haben. Aber Vorsicht: Der Gesamtbetrag darf nicht über 801 Euro liegen – sonst bricht das Finanzamt einen regelrechten Papierkrieg vom Zaun.

Kontoführungsgebühren: Braucht der Arbeitnehmer ein Konto, um beruflich veranlasste Überweisungen empfangen zu können, gelten die Kontoführungsgebühren als Werbungskosten. Pauschal erkennt der Fiskus 16 Euro pro Jahr an – ohne Nachweis. Versicherungen: Grundsätzlich fallen Versicherungsbeiträge unter die Vorsorgeaufwendungen und sind dadurch Teil der Sonderausgaben. Das gilt jedoch nicht für Sachversicherungen wie die Kfz-Kasko-, Gebäude-, Feuer-, Wasser-, Einbruchs-, Hausrat- und Rechtsschutzversicherung. Auch Beiträge zu Bausparkassen und Lebensversicherungen, die ab 2005 abgeschlossen wurden, sind nicht abziehbar.

Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung: Arbeitnehmer können 2013 einen höheren Anteil ihrer Vorsorgeaufwendungen steuerlich geltend machen. Absetzbar sind nun 76 Prozent der Beiträge. Maximal können Alleinstehende einen Höchstbetrag von 15 600 Euro und Ehepaare 31 200 Euro steuerlich absetzen. Bei Arbeitnehmern, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, wird allerdings der steuerfreie Arbeitgeberanteil von den Vorsorgeaufwendungen abgezogen. 2012 lag der absetzbare Anteil bei 74 Prozent. 2014 wird er bei 78 Prozent liegen. Beamte zahlen in der Regel keinen Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung, sie haben aber im Rahmen einer Rürup-Rente die Möglichkeit, Altersvorsorgeaufwendungen geltend zu machen. Außerdem sind die Beiträge in berufsständische Versorgungseinrichtungen und in staatlich geförderte Basis- oder Rürup- Renten sowie anteilige Beiträge für Zusatzversicherungen wie Berufsunfähigkeit oder Hinterbliebenenversorgung abzugsfähig.

Riester-Rente: Die Riester-Beiträge – einschließlich der staatlichen Zulagen – können als Sonderausgabenabzug geltend gemacht werden. Dieser wird aber nur gewährt, wenn der Vorteil für den Steuerzahler größer ist als die gewährte Zulage. Diese Günstigerprüfung nimmt das Finanzamt vor. Um in den Genuss der vollen Prämie für das Jahr 2013 zu kommen, reicht es, wenn erst im Dezember der Altersvorsorgevertrag geschlossen und die erforderlichen Eigenbeiträge bezahlt werden.

Sonstige Vorsorgeaufwendungen: Sonstige Vorsorgeaufwendungen sind bis zu einem Betrag von 1900 Euro für Arbeitnehmer und Beamte abzugsfähig. Bei Selbstständigen gilt ein Höchstbetrag von 2900 Euro. Zu diesen Aufwendungen zählen auch die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Wenn der Höchstbetrag schon durch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung überschritten wurde, können keine weiteren Vorsorgeaufwendungen abgesetzt werden.

Sachversicherungen: Die Hausrat- oder die Rechtsschutzversicherung ist nicht absetzbar. Wenn eine Unfallversicherung aber sowohl berufliche als auch private Risiken abdeckt, dann können pauschal 50 Prozent der Summe geltend gemacht werden.

Kirchensteuer: Steuern sparen leicht gemacht! Die Kirchensteuer ist die einzige Steuer, von der man sich abmelden kann. Nach einem Austritt aus der Kirche wird sie nicht mehr fällig. Wer trotzdem in der örtlichen Gemeinde Mitglied sein möchte, sollte das Gespräch mit dem Pfarrer suchen und ihm oder ihr vorschlagen, den Betrag direkt zu spenden. So kommt er der Gemeinde zugute und ist auch noch steuerlich absetzbar. Wer weiter Kirchensteuer zahlen will, kann sie immerhin in voller Höhe als Sonderausgabe geltend machen.

Spenden: Wer freigiebig ist, dem dankt es Vater Staat: Spenden können als Sonderausgaben abgesetzt werden. Dafür verlangt der Fiskus eine Spendenbescheinigung nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck. Bei Zuwendungen, die 200 Euro nicht übersteigen, reicht ein Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung der Bank.

Übungsleiter-Freibetrag und Ehrenamt: Eine gute Nachricht: Wer als Trainer im Sportverein oder als Pfleger, Musiker oder Übungsleiter im Verein engagiert ist und dafür bezahlt wird, kann einen Betrag von 2400 Euro im Jahr verdienen, ohne dass er dafür Steuern zahlen muss. Bis 2012 lag dieser Betrag bei 2100 Euro. Wer als Fußballtrainer 2800 Euro im Jahr verdient, muss nur 400 Euro davon zu seinem regulären Verdienst hinzurechnen – der Rest bleibt steuerfrei. Aber auch andere Ehrenämtler können profitieren. Wer in Vereinen, Verbänden oder öffentlichen Einrichtungen nebenberuflich, allerdings nicht pädagogisch, tätig ist, kann bis zu 500 Euro pro Jahr steuerfrei dazu verdienen. Der Übungsleiterfreibetrag und der Freibetrag für ehrenamtliche Tätigkeiten dürfen nicht gleichzeitig für dieselbe Tätigkeit in Anspruch genommen werden. Einen Trick gibt es aber auch hier. Der Fußballtrainer, der nebenbei noch als Platzwart fungiert, kann für beide Tätigkeiten den Freibetrag in Anspruch nehmen und kommt so insgesamt auf 2600 Euro, die er steuerfrei nebenher verdienen kann.

Marc Kniepkamp

Teil I der Steuererklärung: So verschenken Sie keinen Cent

Teil III: Steuererklärung 2014: Steuern sparen für Familien

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