Tipps und Tricks - Teil I

Steuererklärung 2014: So verschenken Sie keinen Cent

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Immer wieder eine komplizierte Angelegenheit: Die Steuererklärung.

München - Die jährliche Steuererklärung treibt vielen Arbeitnehmern den Schweiß auf die Stirn. Die tz zeigt Tipps und Tricks, wie Sie möglichst viel Geld sparen können.

Es ist angerichtet: Die Jahresabrechnung des Arbeitgebers ist da, die Banken und Versicherungen haben ihre Belege geschickt. Eigentlich ein guter Zeitpunkt, um eine lästige Notwendigkeit zu erledigen: die Steuererklärung. Sie verspricht zwar nicht unbedingt einen besonders lustigen Abend, aber dafür winkt eine satte Rückzahlung. Durchschnittlich 1000 Euro bekommen die Deutschen im Jahr vom Finanzamt zurückerstattet. 200 Millionen Euro behält der Fiskus jährlich zu viel an Steuern, weil viele Bürger ihre Steuererklärung zu spät oder gar nicht abgeben. Das muss nicht sein. Damit Ihnen die Steuererklärung in diesem Jahr etwas leichter fällt, trägt die tz in den kommenden Ausgaben die besten Tipps für die erfolgreiche Steuererklärung zusammen:

Formelles für die Steuererklärung

Fristen: Wer seine Steuererklärung abgeben will oder muss, sollte sich dringend an die geltenden Fristen halten. In diesem Jahr bleibt ein wenig mehr Zeit als in den Vorjahren. Üblicherweise muss die Steuererklärung bis zum 31. Mai beim Finanzamt abgegeben werden. Da der Termin in diesem Jahr aber auf einen Samstag fällt, haben Steuerzahler, die zur Abgabe verpflichtet sind, bis 2. Juni Zeit.

Grundfreibetrag: Der Grundfreibetrag stellt das Existenzminimum steuerlich frei. Für das Jahr 2013 liegt er bei 8130 Euro für Alleinstehende, für gemeinsam veranlagte Ehegatten bei 16 260 Euro. Im Jahr 2014 steigt der Grundfreibetrag übrigens auf 8354 Euro für Singles und 16 708 Euro für gemeinsam veranlagte Ehegatten.

Arbeitnehmerpauschbetrag: Seit 2011 beträgt der Arbeitnehmerpauschbetrag 1000 Euro. Soviel können Arbeitnehmer zusätzlich abziehen – ohne Belege vorlegen zu müssen. Das Problem: Sammeln müssen die meisten Steuerzahler ihre Belege trotzdem, denn wer weiß am Anfang des Jahres schon, ob er mit seinen Werbungskosten unter der magischen 1000 Euro-Grenze bleiben wird.

Sonderausgabenpauschbetrag: Ledige können 36 Euro, Verheiratete 72 Euro für Sonderausgaben geltend machen. Auch hier gilt: Wer einen höheren Betrag nachweisen kann, kann diesen auch geltend machen! Zu den Sonderausgaben gehört etwa die gezahlte Kirchensteuer. Achtung: Sonderausgaben müssen in dem Jahr abgezogen werden, in dem sie geleistet worden sind. Der Abzug von Sonderausgaben ist nur im Rahmen von Höchstbeträgen möglich. Deshalb: Im Zweifel Zahlungen erst ins nächste Jahr verschieben, um die steuerliche Abzugsfähigkeit zu optimieren. Besonders wichtig in Jahren mit Verlusten – denn die steuerliche Wirkung der Sonderausgaben verpufft, wenn aufgrund von Verlusten keine Steuern zu zahlen sind.

Steuerklassen: Durch die geschickte Wahl der Steuerklassen können Verheiratete ihr monatliches Nettogehalt erhöhen! Eine Steuerersparnis bietet die richtige Wahl der Steuerklasse zwar nicht, da das Finanzamt ohnehin prüft, welche Kombination die günstigste ist. Trotzdem bietet die richtige Steuerklassenwahl einen monatlichen Liquiditätsvorteil. Als Faustformel gilt: Ab einem Einkommensverhältnis von 60:40 ist die günstigste Kombination die von Steuerklasse III und V. Wenn beide Ehepartner gleich viel verdienen, sollten sie beide die Steuerklasse IV wählen.

Faktorverfahren: Nachrechnen lohnt sich! Dieses Verfahren bietet die Möglichkeit, den Lohnsteuerabzug genau auf die individuellen Verhältnisse abzustimmen. Es soll die ungeliebte Steuerklasse V entschärfen, die oft als Beschäftigungshindernis für den geringer verdienenden Ehegatten gilt. Im Kern bekommen beide Ehegatten mit deutlich unterschiedlich hohem Einkommen auf Antrag Steuerklasse IV plus einen Faktor, der sich aus dem Verhältnis der Einkommensteuer für beide und der Einkommensteuerbei Steuerklasse IV errechnet. So werden die persönlichen Freibeträge bereits beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt. Der Faktor wird auf Antrag durch das Finanzamt ermittelt und auf der Lohnsteuerkarte eingetragen.

Das sollten Rentner bei der Steuererklärung beachten

Homo-Ehe: Seit 2013 sind Homo-Ehen steuerlich gleichgestellt. Die gesetzlichen Lebenspartner können wie Eheleute den Splittingvorteil nutzen.

Rentner: Auch Rentner sind grundsätzlich steuerpflichtig. Ob sie eine Steuererklärung abgeben müssen, hängt aber von der Höhe ihrer Einkünfte ab. Dazu zählen nicht nur die eigentliche Rente, sondern auch steuerpflichtige Einkünfte aus Vermietung, Verpachtung oder auch Leistungen aus einer privaten Altersabsicherung. Übersteigt der Gesamtbetrag 8130 Euro im Jahr, muss der Rentner eine Steuererklärung abgeben. Auf den Internetseiten der bayerischen Finanzämter finden Rentner einen Alterseinkünfterechner, der die voraussichtliche Höhe der Steuerbelastung errechnet. Link: http://bit.ly/Kgakhu. Auch für Rentner gelten Werbungskosten, und zwar von 102 Euro. Weitere Abzüge sind der Grundfreibetrag von 8004 Euro für Alleinstehende, der Sonderausgabenpauschbetrag von 36 Euro und der Versorgungsfreibetrag auf Betriebsrenten. Außerdem sind die Beiträge zur Krankenkasse und Pflegeversicherung abzugsfähig, ebenso wie die Kosten für Ärzte und Medikamente, die über der Belastungsgrenze liegen. Wer nach dem 64. Lebensjahr noch Arbeitslohn bezieht, kann den Altersentlastungsbetrag geltend machen. Bei der Rentenbesteuerung erhöht sich 2014 der steuerpflichtige Rentenanteil von 66 auf 68 Prozent. Somit bleiben nur noch 32 Prozent der ersten vollen Bruttojahresrente steuerfrei. Dieser Anteil gilt 2014 für neu hinzukommende Rentnerjahrgänge. Bei Bestandsrenten bleibt der festgesetzte steuerfreie Rentenanteil bestehen. Seit 2005 steigt der steuerpflichtige Anteil der Rente jedes Jahr um 2 Prozent. Für Renter des Jahrgangs 2005 sind 50 Prozent ihrer Rente steuerfrei.

Mobilität - das können Sie in der Steuererklärung absetzen

Pendlerpauschale: Die korrekte Bezeichnung lautet Entfernungspauschale. 30 Cent können Arbeitnehmer pro Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Arbeit als Werbungskosten geltend machen. Ein dicker Wermutstropfen: Es gilt immer nur die einfache Strecke. Außerdem sind auch mögliche Maut- und Parkgebühren schon mit der Pauschale abgegolten. Grundsätzlich unterstellt der Fiskus eine Fünf-Tage-Woche, dann gelten 230 Arbeitstage im Jahr als üblich. Bei einer Entfernung von 15 Kilometern zwischen Wohnung und Arbeitsstätte kann der Pendler 1035 Euro von der Steuer absetzen. Dieser Wert liegt bereits über dem Pauschbetrag!

Reisekosten: Kosten, die bei einer vorübergehenden beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit entstehen, kann der Arbeitgeber steuerfrei erstatten. Dazu gehören die Fahrtkosten, die Verpflegungsmehraufwendungen, die Kosten für Übernachtung und Reisenebenkosten. Für Reisen mit dem eigenen Pkw kann der Arbeitgeber 30 Cent pro Kilometer erstatten, für die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelten die nachgewiesenen Fahrtkosten.

Reisekosten statt Pendlerpauschale: Bei der Pendlerpauschale bleibt der steuerfreie Ersatz von Verpflegungsmehraufwendungen und der Fahrtkosten durch den Arbeitgebers außen vor. Grund für die Einschränkung: Bei einer regelmäßigen Arbeitsstätte könne sich der Arbeitnehmer auf die immer gleichen Wege einstellen und seine Kosten vermindern, beispielsweise mittels Fahrgemeinschaften, Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder durch Umzug. Streitig ist in der Praxis aber immer wieder, wann eine „regelmäßige Arbeitsstätte“ vorliegt. Dies ist nach der Rechtsprechung jede dauerhafte betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers, der der Arbeitnehmer zugeordnet ist und die er nicht nur gelegentlich aufsucht. Das ist regelmäßig der Betrieb oder Zweigbetrieb des Arbeitgebers. Mit einem am 29.1.2014 (Az. VI R 27/12) veröffentlichten Urteil hat der BFH einem Soldaten die Abrechnung nach den günstigeren Reisekostengrundsätzen zugebilligt. Vorliegend wurde der Steuerpflichtige für voraussichtlich zwei Jahre einem anderen Standort zugewiesen. Dabei erkannte das Finanzamt den Ansatz von Reisekosten nicht an. Nach Ansicht des Gerichts wurde der Betroffene mit der Befristung allerdings nur – vorübergehend – an einem anderen Standort tätig. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass der Soldat längerfristig den neuen Dienstort anfuhr. Auf diese neue Rechtsprechung sollten sich alle Steuerzahler beziehen, die nur zeitweise an eine andere Dienststelle abgeordnet oder versetzt sind. Erst bei einem Einsatz von vier Jahren hat der BFH eine regelmäßige Arbeitsstätte angesehen (Az. VI R 59/12).

Teil II der Steuererklärung: Runter mit der Abgabenlast!

Teil III: Steuererklärung 2014: Steuern sparen für Familien

Mk.

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