Legale Kniffe und Strategien

So sparen Sie beim Vererben Steuern

München - Das Steuerrecht ist extrem kompliziert und wandelbar – das gilt insbesondere für die Erbschaftssteuer. In dieser Folge der Serie zum Erbrecht erklärt die tz die wichtigsten Grundlagen und Tipps rund um das Erbschaftssteuerrecht.

Freibeträge nutzen

„Durch die geschickte Nutzung der Freibeträge lässt sich oft sehr viel erreichen“, sagt Dr. Anton Steiner, Fachanwalt für Erbrecht in München und Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht. „Sobald beim vorgesehenen Erben der Freibetrag überschritten ist, bietet es sich an, zu prüfen, ob nicht die Freibeträge anderer ihm nahestehender Personen ausgenutzt werden können“, rät Steiner. Eine Übersicht über die Freibeträge finden Sie in der Tabelle unten.

Hausratsfreibetrag

Was viele nicht wissen: „Neben den persönlichen Freibeträgen gibt es im Erbfall noch weitere Freibeträge für Hausrat und persönliche Gegenstände“, erläutert Steiner. Dabei gelten folgende Freibeträge: Hausrat, einschließlich Wäsche und Kleidungsstücke, bleibt für Personen der Steuerklasse I bis zum Wert von 41 000 Euro steuerfrei. Außerdem sind zusätzlich noch andere „bewegliche körperliche Gegenstände in der Steuerklasse I mit einem Wert bis zu 12 000 Euro steuerbefreit. „Dabei kann es sich beispielsweise um das Auto oder ein Segelboot des Erblassers handeln“, erklärt Steiner. In den Steuerklassen II und III sind die Freibeträge deutlich ungünstiger. Hier liegt der steuerbefreite Wert für Hausrat und andere persönliche Gegenstände insgesamt nur bei 12 000 Euro. Der Begriff Hausrat wird übrigens sehr eng gefasst: „Bargeld, Wertpapiere, Münzen, ungefasste Edelsteine und Perlen, Edelmetalle wie etwa Goldbarren und Gegenstände, die zu einem Betrieb gehören, zählen nicht zum Hausrat“, stellt Steiner klar.

Versorgungsfreibetrag

Zusätzlich zum persönlichen Freibetrag von 500.000 Euro hat der überlebende Ehegatte noch einen Versorgungsfreibetrag von 256 000 Euro. „Allerdings wird dieser Versorgungsfreibetrag gekürzt, wenn der Ehegatte nach dem Tod des Verstorbenen Versorgungsbezüge bezieht, die ihrerseits nicht der Erbschaftssteuer unterliegen“, sagt Steiner. Das ist etwa bei der Hinterbliebenenrente der Fall. Dann wird der Versorgungsfreibetrag um den Kapitalwert der Rente gekürzt. Steiner erklärt das anhand eines Beispiels: „Eine Witwe ist beim Tod ihres Mannes 76 Jahre alt. Sie erhält eine Witwenrente von jährlich 10 000 Euro. Für die Ermittlung des Kapitalwerts wird dieser Wert mit einem Vervielfältiger multipliziert. Dieser wird regelmäßig analog zu den Sterbetafeln aktualisiert. Im konkreten Fall liegt der Wert bei 8,813, der Kapitalwert der Rente läge also bei 88 130 Euro.“ Dieser Wert würde dann von dem Versorgungsfreibetrag abgezogen. Auch Kinder haben einen Versorgungsfreibetrag. Bis zum 27. Lebensjahr liegt er – je nach Alter zwischen 10 300 Euro und 52 000 Euro.

Kernfrage Vermögensbewertung

Eine zentrale Rolle spielt die Bewertung des Vermögens durch das Finanzamt. „Besteuert werden soll die Bereicherung des Erwerbers“, erklärt Steiner. „Hierfür ist in der Regel der Verkehrswert maßgeblich“, so Steiner weiter. Dabei handelt es sich um den Marktpreis, der unter normalen Verhältnissen für den jeweiligen Gegenstand erzielt werden kann. Recht einfach ist die Vermögensbewertung bei Kontoguthaben, Sparbüchern oder Festgeldern. „Hier gilt der Stand am Todestag – zuzüglich der bis dahin angefallenen Zinsen“, so Steiner. Bei Wertpapieren ist der Wert vorher schwieriger zu planen, denn es gilt der Börsenkurs am Todestag. Nutzungsrechte – wie etwa ein Nießbrauch oder ein Wohnrecht – werden mit ihrem Kapitalwert erfasst. „Dieser orientiert sich nach dem Wert der jährlichen Nutzung und der voraussichtlichen Nutzungsdauer“, sagt Steiner. Auch Immobilien werden nach dem Verkehrswert bemessen – auf Basis eines Sachverständigengutachtens. Besonders in München und im Umland erleben Immobilienbesitzer dabei häufig ihr blaues Wunder – schließlich ist der Verkehrswert von Immobilien und Grundstücken in den letzten Jahren förmlich explodiert.

Steuerbefreiung des Familienheims

Eine Besonderheit im Gesetz: „Ein Ehegatte oder ein Kind des Verstorbenen kann dessen selbstgenutzte Immobilie unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei erben“, sagt Steiner. Dabei kann es sich um ein Einfamilienhaus, eine Eigentumswohnung oder einen Teil einer Immobilie – etwa die selbstgenutzte Immobilie im Mehrfamilienhaus – handeln. Der Erblasser musste hier seinen Erstwohnsitz gehabt haben – Ferienwohnungen oder Zweitwohnsitze sind nicht begünstigt. „Die Steuerbefreiung greift aber nur, wenn der Erbe Eigentümer der Immobilie wird und dort unverzüglich nach dem Erbfall einzieht“, erklärt Steiner.

Heirat

Eins ist klar – kaum jemand wird aus rein steuerlichen Gründen den Weg zum Standesamt antreten. Doch schon bei der Einkommenssteuer macht sich der Unterschied zwischen Verheirateten und in „wilder Ehe“ lebenden Partnern deutlich bemerkbar. „Bei der Erbschaftssteuer ist es ein himmelweiter Unterschied, ob man verheiratet ist oder nicht“, erklärt Steiner. Der Freibetrag für Ehegatten liegt bei 500 000 Euro, der für den Lebensgefährten bei 20 000 Euro. Außerdem ist der Ehegatte in der besten, der Lebensgefährte in der schlechtesten Steuerklasse. Steiner: „Wer also ohnehin mit dem Gang zum Standesamt liebäugelt, dem mag das Steuerrecht diesen Schritt erleichtern.“ Eingetragene Lebenspartner in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung sind Eheleuten weitgehend gleichgestellt.

Adoption

Pflegekinder oder sonstige nahestehende Personen landen – anders als Stiefkinder – in der ungünstigsten Steuerklasse III. „Wenn das persönliche Verhältnis zwischen den Beteiligten stimmt, kann eine Adoption in Frage kommen“, gibt Steiner zu bedenken. Dadurch erhält der Adoptierte die Stellung eines Kindes und fällt in die günstigste Steuerklasse I.

Generationen überspringen

Wer im Testament nicht nur die eigenen Kinder, sondern auch die Enkel bedenkt ,kann hierdurch mehrere Steuervorteile kombinieren. „Der Freibetrag der Enkel von bis zu 200 000  Euro kann so ausgenutzt werden. Außerdem ist das Vermögen schon bei den Enkelkindern angelangt und muss nicht noch einmal versteuert werden, wenn deren Eltern versterben“, erklärt Steiner. Zudem unterliegen Enkel aufgrund ihres jüngeren Alters häufig einer niedrigeren Einkommenssteuerprogression.

Änderung in der Pipeline

Wer sich über die steuerlichen Konsequenzen eines Erbes Gedanken macht, sollte in diesem Jahr besonders gut auf die Nachrichten achten. Denn im Sommer steht die große Erbschaftssteuerreform an. Was nach dem 30. Juni gilt, weiß noch niemand. Der Freibetrag, den Sie jetzt nutzen, ist Ihnen aber auf jeden Fall sicher. 

Steuersätze nach Steuerklasse

Wert des steuerpflichtigen Erwerbs Steuerklasse I Steuerklasse II Steuerklasse III
75.000 Euro 7 Prozent 15 Prozent 30 Prozent
300.000 Euro 11 Prozent 20 Prozent 30 Prozent
600.000 Euro 15 Prozent 25 Prozent 30 Prozent
6.000.000 Euro 19 Prozent 30 Prozent 30 Prozent
13.000.000 Euro 23 Prozent 50 Prozent 50 Prozent
26.000.000 Euro 27 Prozent 50 Prozent 50 Prozent
über 26.000.000 Euro 30 Prozent 50 Prozent 50 Prozent

Freibeträge

Persönlicher Freibetrag nach § 16 Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz bei unbeschränkter Steuerpflicht

Personenkreis Freibetrag
Ehegatte, eingetragener Lebenspartner 500.000 Euro
Kinder oder Stiefkinder
Kinder verstorbener (Stief-)Kinder 400.000 Euro
Kinder noch lebender (Stief-)Kinder 200.000 Euro
andere Abkömmlinge der (Stief-)Kinder, (Adoptiv-)Eltern oder Voreltern (nur beim Erwerb von Todes wegen) 100.000 Euro
(Adoptiv-)Eltern und Voreltern (nur bei Schenkungen), Geschwister, Nichten, Neffen, Stiefeltern, geschiedener Ehegatte, aufgehobene Lebenspartnerschaft, Schwiegerkinder, Schwiegereltern 20.000 Euro
Übrige Erwerber und Zweckzuwendungen 20.000 Euro

Marc Kniepkamp

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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