Erschreckende Ergebnisse

Stiftung Warentest: Diese Olivenöle sind mangelhaft

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Öliven-Öl im Test.

München - Stichig, modrig, ranzig: In einer Untersuchung von Stiftung Warentest fällt jedes zweite Olivenöl der Güteklasse „nativ extra“ durch. Einige enthalten sogar möglicherweise krebserregende Stoffe.

Gesund und aromatisch – viele Deutsche schätzen Olivenöl aus südlichen Ländern wie Italien, Spanien und Griechenland und zahlen dafür oft mehr Geld als für andere Speiseöle. Aber stimmt die Qualität des „grünen Golds“ überhaupt? Wie sieht es mit Schadstoffen aus? Ist auf die angegebene Herkunft Verlass? Die Stiftung Warentest hat 26 Olivenöle der höchsten Güteklasse „nativ extra“ geprüft. Die Ergebnisse veröffentlicht die Stiftung in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift „Test“.

Höchste Güteklasse „nativ extra“

Die meisten Olivenöle im deutschen Handel verheißen höchste Qualität – „nativ extra“ prangt auf ihren Etiketten. Die EU-Olivenölverordnung stellt eine Reihe von Anforderungen an diese erste Güteklasse: So müssen native Olivenöle extra Grenzwerte für viele chemische Parameter einhalten und exakt gekennzeichnet sein, außerdem dürfen die Öle nicht den kleinsten Fehler in Geruch und Geschmack haben sowie ein Mindestmaß an Fruchtigkeit aufweisen. So die Theorie: In der Untersuchung der Stiftung Warentest erfüllen viele Produkte die Anforderungen nicht. Sie schmeckten beispielsweise stichig, ranzig oder modrig und hätten deshalb nur als natives Olivenöl und nicht als nativ extra verkauft werden dürfen.

Nur ein Olivenöl schneidet „gut“ ab

Nur das spanische Olivenöl O-Med Picual ist gut. Es kostet 40 Euro je Liter und ist online und im Feinschmeckerhandel zu haben. Zu empfehlen sind vier weitere Öle, die insgesamt befriedigend abschneiden: Hacienda Iber Arbequina (16 Euro) und Monini Gran Fruttato (14,20 Euro), das Bio-Öl Rapunzel Kreat P.G.I. Chania Kritis (18 Euro) sowie Piccardo & Sayopré 100 % Italiano (20 Euro – alles Literpreise). Jedes zweite Olivenöl im Test erfüllte die Erwartungen dagegen nicht. 13 Öle schnitten mit „mangelhaft“ ab:

  • Aldi (Nord)/España Natives Olivenöl extra
  • Alnatura Italienisches Oliven Öl nativ extra D.O.P. Dauno Garagano g.U. Bio
  • Antico Frantoio della Fattoria Olio Extra Vergine di Oliva aus 100% Italiano
  • Carbonell Natives Olivenöl extra
  • Herdade Paço do Conde Portugal Natives Olivenöl extra
  • L‘Estornell Arbequina – Picual Natives Olivenöl extra
  • Livio Natives Olivenöl extra 100% griechische Koroneiki-Oliven
  • Mani Bläuel Kalamata g.U. Olivenöl nativ extra Bio
  • Mylos Griechisches Natives Olivenöl extra P.D.O. Sitia/Kreta
  • Piccardo & Sayoré Riviera Ligure Natives Olivenöl extra
  • PrimOli Toscano Olio Extra Vergine di Oliva I.G.P.
  • Redoro Olio extra vergine di Oliva Biologico 100% Italiano Bio.
  • Agrestis Nettar Ibleo Organic & DOP Olio Extravergine di Oliva Bio

Geschmack, Herkunft und Schadstoffe

Dabei schmecken allein sieben stichig, modrig, ranzig oder gar wurmstichig – so wie Früchte, die von der Olivenfliege befallen waren. Ihre sensorische Qualität ist „mangelhaft“. Sie hätten nicht als native Olivenöle extra verkauft werden dürfen, so die Tester.

Fünf schneiden wegen Schadstoffbelastungen „mangelhaft“ ab: Vier sind hoch mit Mineralöl-Kohlenwasserstoffen vom Typ MOAH belastet (Herdade Paço do Conde, L‘Estornell Arbequina, Livio, Mani Bläuel). Die gelten als möglicherweise krebserregend. Ein weiteres Öl enthält sehr viel Mineralöl-Kohlenwasserstoffe vom Typ MOSH (Agrestis Nettar Ibleo Organic & DOP Olio Extravergine di Oliva Bio). Sie können sich im Körper anreichern.

„Wir haben alle Olivenöle auf viele Schadstoffe geprüft, beispielsweise auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, auf Weichmacher auf Pflanzenschutzmittel, auf Lösemittel und Mineralöle. Fünf Öle waren so hoch mit Mineralöl-Kohlenwasserstoffen belastet, dass wir sie mit mangelhaft bewerteten. Dennoch: Eine akute gesundheitliche Gefahr dürfte von keinem der Öle ausgehen“, erklärt dazu Birgit Rehlender, Projektleiterin, Projektleiterin bei Stiftung Warentest.

Für fünf Olivenöle bestätigt die Laboranalyse die Herkunftsangabe nicht – vier versprechen Italien, eins Spanien. Medien berichten immer wieder über Verfälschungen mit Öl aus Tunesien. Die Analysen der Stiftung Warentest liefern dafür keinen Beweis. Woher die Öle genau kommen, können nur die Hersteller sagen.

Die Analysen offenbaren: Selbst EU-Herkunftssiegel sind keine Garantie für die tatsächliche Herkunft. Die werbewirksamen Siegel grenzen den Ursprung eines Olivenöls auf eine bestimmte Region ein. Anbieter, die sie nutzen, müssen die Produktion streng kontrollieren. Bei drei Ölen, die solche Siegel tragen, decken sich die Laborergebnisse nicht mit der Angabe: Dauno Gargano, Riviera Ligure und Toscano.

Kritik an der Olivenölverordnung

Auch wenn sie vieles regelt: Herkunftsanalysen erwähnt die Olivenölverordnung nicht. Kritiker bemängeln zudem, dass Prüfmethoden und Grenzwerte nicht ausreichten, um schlechte Qualität und Verfälschungen nachzuweisen – etwa mit Haselnuss–öl – oder behandeltem Öl. Die Prüfer testen daher mehr als die EU fordert: Sie analysieren die Herkunft und zahlreiche Schadstoffe wie Pestizide, Weichmacher, Mineralöl. Der Olivenölforscher und ehemalige Leiter einer Olivenöl-Verkostergruppe Hans-Jochen Fiebig vom Max Rubner-Institut sieht ein großes Defizit: „Die Behörden müssen in der Europäischen Union nur eine Probe pro 1000 Tonnen kontrollieren.“ Zudem sei die Verordnung ein europäischer Kompromiss für Standard-, nicht aber Gourmetqualitäten.

Nicht aus der Küche verbannen

Auch wenn beim Olivenöl viel im Argen liegt, darauf verzichten sollte niemand. Es veredelt Salate; Kenner braten, frittieren und backen damit. Wer viel Olivenöl verzehrt, kann gesundheitlich profitieren. Studien zeigen: Mittelmeerkost mit wenig Fleisch, viel Gemüse, Fisch, Nüssen und Olivenöl kann Herz und Kreislauf gut tun.

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