"Stiftung Warentest": Erstmals rote Zahlen

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Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest

Berlin - Die Stiftung Warentest - vor allem wegen ihrer Zeitschriften „test“ und „Finanztest“ bekannt - muss in diesem Jahr erstmals seit ihrer Gründung 1964 Verluste hinnehmen.

Die gemeinnützige Stiftung Warentest wird nach Angaben ihres Vorstandes erstmals ein Geschäftsjahr mit Verlust abschließen. Wegen geringer Zinseinkünfte aus dem Stiftungskapital sei schon der Wirtschaftsplan für 2012 von einem Minus von 1,35 Millionen Euro ausgegangen, sagte am Sonntag Stiftungsvorstand Hubertus Primus der Nachrichtenagentur dapd und bestätigte einen Bericht der „Welt am Sonntag“. Der Geschäftsverlauf habe im Großen und Ganzen dem Plan entsprochen. „Der Verlust wird daher wohl so eintreten“, sagte er.

Das erstmalige Defizit der Stiftung, die dem Verbraucherschutz verpflichtet ist und die werbefreien Zeitschriften „Test“ und „Finanztest“ herausgibt, geht nach Angaben von Primus letztlich auf die sehr niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt zurück. Auf Wunsch der bereits 1964 gegründeten Stiftung habe der Bund im Jahr 2009 das Stiftungskapital um 50 Millionen Euro aufgestockt und Zuschüsse entsprechend gekürzt.

Geschäftsführer erklärt, wie das Defizit zustande kam

Seinerzeit sei die Bundesregierung von fünf Prozent Verzinsung des zusätzlichen Kapitals ausgegangen und habe aus den 50 Millionen Euro einen jährlichen Erlös von 2,5 Millionen Euro erwartet, berichtete Primus weiter. Dementsprechend seien die Zuschüsse an die Stiftung von 6 auf 3,5 Millionen Euro gesunken. Wegen der niedrigen Zinssätze habe die Stiftung nur eine Verzinsung von gut 2,5 Prozent erreicht. „Darauf geht das Defizit zurück“, sagte der Geschäftsführer.

Das erstmalige Defizit sehe die Stiftung „zunächst als eigenes Problem, das wir versuchen selbst zu bewältigen“, sagte Primus weiter. Die Stiftung hoffe auf mittelfristig wieder höhere Zinsen für ihr Kapital und habe Sparmaßnahmen ergriffen, die aber keine Testvorhaben beträfen. Die Mitarbeiter seien mittlerweile thematisch tätig und seien für ihren Schwerpunkt in allen Medien der Stiftung zuständig. „Dadurch wird Doppelarbeit vermieden“, sagte er.

"Verbraucherschutz hat keine Lobby bei Schwarzgelb“

Die Stiftung habe das höhere Stiftungskapital sehr begrüßt, weil es ihre Unabhängigkeit erhöhe. „Mit Forderungen an die Politik halten wir uns zurück“, sagte Primus. Mittelfristig sei eventuell darüber nachzudenken, „ob die Kürzung der jährlichen Zuschüsse vielleicht zu heftig ausgefallen ist“. Er sei aber optimistisch, dass die Stiftung das Finanzproblem selbst in den Griff bekomme.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagesfraktion Ulrich Kelber warf dagegen der Regierungskoalition vor, die Stiftung ins Minus gedrückt zu haben. „Verbraucherschutz hat keine Lobby bei Schwarzgelb“, sagte er. Die SPD habe von Anfang an vor Kürzungen der Zuschüsse an die Stiftung gewarnt.

dapd

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