Stiftung Warentest warnt vor Fallen

Achtung, Sparer! Die Zinstricks der Banken

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Wer sein Geld im Sparschwein bunkert, bekommt keine Zinsen. Wer sein Erspartes anlegen will, sollte vorher gründlich auch das Kleingedruckte lesen.

München - Für sicherheitsorientierte Sparer sind die Zeiten hart. Die Stiftung Warentest warnt vor miesen Zinstricks der Banken. Die tz erklärt die wichtigsten Tricks und erklärt, auf welche Punkte Sparer achten sollten:

Selbst die „besten“ Tagesgeld-Angebote können die Inflation nicht mehr ausgleichen, die Niedrigzinspolitik der Notenbanken vernichtet das Sparvermögen von Millionen Deutschen. Was läge da näher, als sich Alternativen zu suchen, die Sicherheit versprechen und gleichzeitig eine bessere Rendite – etwa mit verzinsten Einmalanlagen oder Sparplänen. Doch hier ist Vorsicht geboten: Die Stiftung Warentest warnt vor miesen Zinstricks der Banken. Die sind meist tief im Kleingedruckten versteckt, das so verwirrend geschrieben ist, dass der Normalverbraucher es gar nicht verstehen kann! Die tz erklärt die wichtigsten Tricks.

Automatische Verdopplung der Laufzeit: Nicht alles was einfach scheint, ist es auch. Bei der Deutschen Bank können Anleger bei Festzinssparen ihr Geld für eine Laufzeit zwischen sechs Monaten und acht Jahren festlegen. Der perfide Trick: Die Kunden tappen in eine Art Abo-Falle. Denn am Ende der Laufzeit verdoppelt sich diese automatisch – es sei denn, der Kunde kündigt drei Monate vor Ende der Laufzeit. Und wer denkt nach fast acht Jahren noch an eine solche Kündigungsfrist. Besonders bitter ist dieser Passus im Vertrag: „Die Bank teilt rechtzeitig vor Ablauf der Festzinsdauer den neuen Zinssatz mit.“ Hört sich harmlos an, bedeutet aber nichts anderes als dass sich die Bank alle Freiheiten bei der Verzinsung des Anschlussvertrages offen hält. Das kann fatale Folgen haben: Wer etwa Mitte 2007 sein Geld für sechs Jahre festgelegt hat, konnte dafür pro Jahr 4 Prozent kassieren. Heute ist nur noch ein Prozent drin – wer nicht rechtzeitig gekündigt hat, sitzt in der Zins-Falle! Dagegen hilft nur eines: Tragen Sie sich den Kündigungstermin dick in einen Kalender ein! Und nutzen Sie ein Angebot mit Kündigungsfrist nur dann, wenn es wirklich ganz besonders attraktiv ist.

Undurchschaubare Angebote: Variable Grundzinsen, komplizierte Anpassung und undurchsichtige Zinsaufschläge – das sind die Zutaten für verwirrende Produkte. Als beipielhaft sieht die Stiftung Warentest hier die Hypovereinsbank mit ihrem Produkt „KomfortSparen“. Für Normalsterbliche sei es fast unmöglich, die wirkliche Rendite des Produkts zu berechnen. Zunächst einmal gäbe es eine varialbel Grundverzinsung. Angepasst werde die auf eine komplizierte Art und Weise: Sie orientiere sich an dem 6-Monats-Euribor – dem Zinssatz für Termingelder in Euro im Interbankengeschäft – als Refernzzins. Als wäre das nicht schon verwirrend genug kommen noch Zinsaufschläge dazu, die von mehreren Voraussetzungen abhängen. Dazu gehört die Höhe des Sparguthabends, der monatliche Eingang von Geld und der Abschluss eines teuren „Betreuungspakets“ bei der Bank. Dabei ist die Verzinsung nicht nur kompliziert, sondern auch noch unattraktiv. Wer in den ersten drei Jahren an sein Geld will, muss sogar noch einen Strafzins hinblättern. Bei solchen Angeboten hilft nur eins: Finger weg! Schließen Sie nur dann einen Sparplan ab, wenn die Bedingungen klar verständlich sind.

Bonussparverträge: Ganz schwieriges Thema. Am besten meiden Sie solche Verträge. Der Grund: Es ist kaum erkennbar, welche Rendite am Ende rausspringt. Ein Beispiel der Warentester ist das PrämiensparenFlexibel der Münchner Stadtsparkasse: Die wirbt mit laufzeitabhängigen Prämien von bis zu 40 Prozent. Das Problem dabei ist, dass es diesen maximalen Aufschlag lediglich auf die Einzahlungen des 22. Laufzeitjahres gibt. In den Jahren davor ist es durchgehend weniger. Der Trick ist altbekannt. Für einen Teil der Sparleistungen wird ein hoher Bonus ausgelobt. Nicht jeder Anleger erkennt, dass dieser Bonus nicht für die angesparte Gesamtsumme gilt!

Sparpläne: An sich keine schlechte Sache – der Sparer bindet sich an ein Produkt und freut sich im Gegenzug über jährlich wachsende Zinsen. Doch dabei tauchen derzeit zwei Probleme auf. In der heutigen Niedrigzinsphase sollten sich Sparer fragen, ob sie sich längerfristig an ein Sparprodukt binden wollen. Die Laufzeiten sind oft lang, etwa 18 Jahre. Was, wenn in dieser Zeit die Zinsen wieder steigen. Der Sparer sitzt dann in der Zinsfalle. Apropos Falle: Was passiert, wenn der Kunde die Raten nicht mehr zahlen kann oder will? Dann schaut er oft in die Röhre. Die Deutsche Bank etwa erklärt das in dem Produktinformationsblatt für ihr Produkt „TopZinsSparen“ erfreulich deutlich: Wenn Kunden die Einzahlungen stoppen, dann werden die Einlagen nur noch zum Basiszins für Deutsche-Bank-Sparprodukte verzinst. Der liegt derzeit bei nur 0,15 Prozent. Am Markt gibt es durch aus Sparpläne, aus denen man mit dreimonatiger Kündigungsfrist heraus kommt – sie sind Festzinssparplänen mit einer Laufzeit von über zehn Jahren derzeit vorzuziehen.

Auf diese Punkte sollten Sparer achten

Rendite: Sie ist entscheidend: Und gerade hier tricksen die Banken in der Werbung. Fallen Sie nicht darauf hinein! Wichtig ist die Gesamtrendite, es zählt der Jahres­ertrag in Prozent. Aufgepasst, wenn ein Zins­satz nur für einige Monate gilt oder sich auf einen Teil­betrag bezieht. Gerade bei Sparplänen mit kombinierter Grund­verzinsung und Bonuszinsen ist es kompliziert, die effektive Rendite herauszufinden.

Lauf­zeit: Vergleichen Sie genau: Längere Anlage­zeiträume bringen zwar oft etwas höhere Renditen, das Geld ist aber in der Zeit nicht verfügbar. Die Unterschiede zu Tages­geld sind nicht so riesig. Und: Wenn die Zinsen mal wieder steigen sollten, stecken die Kunden bei in einem schlecht verzinsten Produkt.

Kündigung: Kündigungsfristen geraten leicht in Vergessenheit. Denken Sie dran, denn viele Produkte gehen sonst automatisch in die Verlängerung!

Verfügbarkeit: Vorsicht bei langfristigen Anlagen mit Festzins. Meist kommen Sparer hier nicht einmal an einen Teil seines Geldes heran. Wenn also mal das Auto oder die Waschmaschine kaputtgeht, sollte das Geld für die Reparatur nicht in einem Festzinssparprodukt feststecken.

Sicherung: Viele Banken, die noch ordentliche Konditionen bieten, bieten nur die gesetzliche Einlagensicherung von 100 000 Euro. Wer mehr anlegen will, sollte das Geld also lieber auf Anlagen bei mehreren Instituten streuen.

Steuern: Gar nicht so einfach: Sie sollten vorher darauf achten, dass sie am Ende einer mehrjährigen Anlage nicht durch Steuern draufzahlen. Ein Beispiel: Werden die kompletten Zinsen erst am Ende der Laufzeit steuerlich gutgeschrieben, könnte das dazu führen, dass der Sparer seinen Freibetrag überstrapaziert und Abgeltungssteuer zahlen muss.

Mk

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