Strauss-Kahns Zimmermädchen bricht Schweigen

+
Das Cover der Zeitung "Newsweek" zeigt das Zimmermädchen Nafissatou D. und Dominique Strauss-Kahn

New York - Nach mehr als zwei Monaten völliger Anonymität hat das angeblich von Dominique Strauss-Kahn angegriffene Zimmermädchen sein Schweigen gebrochen. In einem Interview berichtet sie über Details der Tat.

In langen Interviews für “Newsweek“ und ABC ging Nafissatou Diallo am Sonntag in die Offensive und berichtete ihre Version der Geschichte. Dabei bleibt die 32-Jährige dabei, dass der damalige Währungsfondschef sie angegriffen und zum Oralsex gezwungen habe. Er habe “wie ein verrückter Mann auf mich gewirkt“.

Lesen Sie dazu auch:

Strauss-Kahn: Ermittler verhören Tochter

Mutter des mutmaßlichen Opfers gesteht Affäre mit Strauss-Kahn

Vorwurf der Vergewaltigung: Strauss-Kahns Ex-Frau befragt

Strauss-Kahn: Einstellung des Verfahrens?

Strauss-Kahn: Zimmermädchen gibt nicht auf

“Ich hatte solche Angst“, sagte die im westafrikanischen Guinea geborene Frau, die laut “Newsweek“ weder lesen noch schreiben kann, dem Blatt. Sie habe sich zweimal mit dem Ruf “Housekeeping“ angekündigt und war davon ausgegangen, dass das Hotelzimmer leer sei. Plötzlich habe ein grauhaariger Mann nackt vor ihr gestanden. Er habe ihr gleich an die Brust gegriffen und die Tür zugeschlagen. “Er warf mich hart auf das Bett“ und habe versucht, seinen Penis in ihren Mund zu stecken.

Das ermädchen Nafissatou D. auf einem undatierten Foto

Strauss-Kahn, zu dem Zeitpunkt einer der mächtigsten Männer der Welt, war wenige Stunden später aus der Erste-Klasse-Kabine seines Paris-Fluges verhaftet worden. Er saß in Einzelhaft und in strengstem Hausarrest, seit drei Wochen ist er jedoch auf freiem Fuß, weil es erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit Diallos gibt. Sie soll mehrfach gelogen und versuchte haben, aus der Sache Geld zu schlagen. So telefonierte sie darüber mit einem Häftling, von dem sie, die sich stets als mittellosen, gottesfürchtigen Flüchtling darstellte, etwa 100 000 Dollar auf ihrem Konto geparkt habe.

Die Affäre Strauss-Kahn: Ein Sex-Krimi in Bildern 

Ein Bild, das um die Welt ging: Der IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in Handschellen. Am Samstag, 14. Mai, wird er in New York verhaftet. Er soll ein Zimmermädchen vergewaltigt haben. © AP
Noch kurz zuvor kannte man den Franzosen so: Meist braun gebrannt, mit markanten Augenbrauen - DSK gab dem IWF ein Gesicht. Seit 1. November 2007 war er Chef des Internationalen Währungsfonds. © AP
Am Samstag, 14. Mai, läuft das Leben von Dominique Strauss-Kahn aus dem Ruder: Es wird der Vorwurf laut, er habe in einer Hotelsuite versucht, ein 32-jähriges Zimmermädchen zu vergewaltigen.  © AP
Dominique Strauss-Kahn wird in New York verhaftet. © AP
Richterin Melissa Jackson entschied, dass Strauss-Kahn vorerst in Haft bleiben musste. Sie begründete dies mit Fluchtgefahr. Eine Kaution  lehnte sie ab. © AP
Die New Yorker Staatsanwaltschaft legt Strauss-Kahn sechs Straftaten zur Last: “Sexuelle Belästigung ersten Grades“, dafür drohen 25 Jahre Haft. Hinzu kommt “versuchte Vergewaltigung ersten Grades“, dafür könnten 15 Jahre verhängt werden. Ferner geht es zweimal um “sexuellen Missbrauch“, “Freiheitsberaubung“ und “unsittliches Berühren“. © AP
DSK saß zunächst auf der Gefängnisinsel von Rikers Island im New Yorker East River in Untersuchungshaft. Dann durfte er gegen Kaution umsiedeln: In eine Privatwohnung. Dort stand er unter Hausarrest. © AP
Strauss-Kahn streitet die Tat ab. Erste Berichte über ein Alibi des 62-Jährigen tauchen auf. Nach unbestätigten Meldungen französischer Medien war der IWF-Chef zur mutmaßlichen Tatzeit gar nicht im Hotel, sondern traf seine Tochter. Er habe seine Hotel-Rechnung um 12.28 Uhr bezahlt und sei dann Essen gegangen. © dpa
Das Meideninteresse am Fall ist groß. Am Dienstag, 17. Mai,  berichtet ein New Yorker Boulevardblatt, Strauss-Kahn habe die Möglichkeit von “einvernehmlichem Sex“ eingeräumt. Er genießt nach Angaben des IWF keine diplomatische Immunität. © AP
Die New Yorker Justiz prüft, ob der IWF-Chef schon einmal eine Frau angegriffen hat. Ein früherer Fall außerhalb der USA gleiche in groben Zügen dem aktuellen Vorwurf. © AP
Eine regierungsnahe französische Website veröffentlicht angebliche Polizeiprotokolle und diplomatische Berichte. Danach hat die Polizei DNA-Spuren, vermutlich Sperma, sichergestellt. Auf Strauss-Kahns Oberkörper seien Kratzspuren zu sehen gewesen. © AP
Seine Frau Anne Sinclair hält zu ihm. 1991 wurden Strauss-Kahn und seine Frau von einem Rabbiner getraut. Anne Sinclair war damals eine bekannte Fernsehmoderatorin, doch sie gab ihre TV-Karriere auf, als ihr Mann Wirtschafts- und Finanzminister wurde. © AP
Sein mutmaßliches Opfer will in einem Prozess aussagen. Wenn die aus Guinea stammende 32-jährige Frau aufgefordert werde, sei sie bereit, gegen den Franzosen in den Zeugenstand zu treten, sagte ihr Anwalt Jeffrey Shapiro am Dienstag dem US-Sender CNN. Die Hotelangestellte arbeite mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen. © AP
Im Gefängnis vermisst Dominique Strauss-Kahn vor allem seine Armbanduhr. Ansonsten gehe es ihm aber recht gut, sagte sein Anwalt William Taylor der französischen Zeitung “Le Parisien“ am Donnerstag. Er habe seinen Mandanten für etwa zwei Stunden am Mittwochnachmittag gesehen. “Er macht einen guten Eindruck, das ist das wichtigste. Aber er ist natürlich sehr traurig, das ist seinen Augen abzulesen“, erklärte er. © AP
Am Mittwoch, 18. Mai, wird die Lage für Strauss-Kahn wird immer prekärer. US-Finanzminister Geithner fordert offen eine Übergangslösung für die Führung des Währungsfonds. Das mutmaßliche Opfer sagt überraschend vor der Grand Jury aus. Der Fernsehsender CNN berichtet, dass die 32-Jährige abgeschirmt in New York vernommen wird. Die Grand Jury hat letztlich zu entscheiden, ob es zu einem Prozess gegen den Franzosen kommt. Die “New York Post“ meldet, Strauss-Kahns mutmaßliches Opfer habe möglicherweise Aids. © dpa
Das Ende einer Karriere: Am Donnerstag, 19. Mai zieht Strauss-Kahn die Konsequenzen aus der Sex-Affäre und tritt als IWF-Chef zurück. Auch seine politische Karriere wird damit beendet sein. Er weist weiterhin alle Vorwürfe zurück. Strauss-Kahn bietet eine Million Dollar Kaution an. © AP

“Ich will ihn im Gefängnis sehen“, sagte Diallo. “Ich will, dass er weiß, dass es Orte gibt, an denen ihm seine Macht, sein Geld nichts nützt.“ Gott möge ihn strafen, sagte die Muslimin. “Wir sind arm, aber wir sind rein. Ich denke nicht an Geld.“

Genau das werfen ihr Strauss-Kahns Verteidiger vor. Es habe Sex gegeben, der sei aber einvernehmlich gewesen und nun versuche die 32-Jährige, da Geld rauszuschlagen. Den Vorwurf wiederholten William Taylor und Benjamin Brafman am Sonntag laut CNN. Diallo sei “die erste Klägerin in der Geschichte, die eine Medienkampagne dirigiert, um die Strafverfolger dazu zu bringen, den Mann anzuklagen, von dem sie Geld will“.

Frei ohne Kaution: Strauss-Kahn doch kein Vergewaltiger?

Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? Skeptisch sah die Entscheidung des Gerichts einer der Anwälte des angeblichen Opfers, Kenneth Thompson (li.). © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa

Auf dem Titel der Zeitschrift schauen sich beide an - Diallo in Farbe mit ausdruckslosen Gesicht, Strauss-Kahn in schwarz-weiß, bärtig nach der Haft und von unten diabolisch durch dichte Augenbrauen guckend.

dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Audi-Chef Stadler in U-Haft genommen - Nachfolge soll feststehen
Audi-Chef Stadler in U-Haft genommen - Nachfolge soll feststehen
Aldi Süd hat den Traum-Swimming-Pool im Angebot - doch er hat einen großen Nachteil
Aldi Süd hat den Traum-Swimming-Pool im Angebot - doch er hat einen großen Nachteil
Rückruf wegen Gesundheits-Gefahr: Tiefkühl-Riese Iglo warnt vor mehreren Produkten
Rückruf wegen Gesundheits-Gefahr: Tiefkühl-Riese Iglo warnt vor mehreren Produkten
Rewes WM-Tweet geht voll nach hinten los - Supermarkt-Kette löscht ihn zerknirscht wieder
Rewes WM-Tweet geht voll nach hinten los - Supermarkt-Kette löscht ihn zerknirscht wieder

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.