Verdi kämpft

G&D streicht 630 Stellen: Was soll nur aus uns werden?

Begehrtes Objekt: Das G&D-Firmengelände

München - Der Banknotendrucker Giesecke & Devrient (G&D) will in München 630 Stellen streichen. Jetzt formiert sich Widerstand.

„Wir wollen einen Sozialtarifvertrag!“, fordert Sabine Pustet, Gewerkschaftssekretärin bei G & D. Verdi versucht, die Banknotenproduktion in München zu erhalten. „Ein Super-GAU für die Druckbranche“, schimpft Karl-Heinz Kaschel-Arnold von Verdi-Bayern über den Stellenabbau. Die Gewerkschaft hat G&D eine Frist von zehn Tagen gesetzt. Sollte es zu keinen Verhandlungen kommen, werde man vom Streikrecht Gebrauch machen.

Auch Alternativen wurden erarbeitet. Eine Verlagerung der Produktion nach Louisenthal, wo die Firma kürzlich ein Grundstück von ihrer Tochtergesellschaft zurückgekauft hatte, ist eine Option. Und was passiert in München? „Es geht ums Grundstück“, vermutet der Gewerkschafter. Tatsächlich diskutiert die Stadtpolitik darüber, das Produktionsareal von G&D in einen Wohnkomplex umzuwandeln. Der Grundstückspreis soll sich im hohen zweistelligen Millionenbereich bewegen. Von den Plänen der Gewerkschaft weiß der Banknotendrucker noch nichts. „Verdi wird uns ihre Forderungen mitteilen“, erklärte G&D-Pressesprecherin Martina Rauch.

Wie geht es jetzt für die Mitarbeiter weiter? In der tz sprechen drei Drucker über ihr bewegendes Schicksal:

Muss mich völlig neu orientieren

Michael Ölkofner (22) aus Waldtrudering

Ich mache eine Ausbildung zum Industriemeister. Jetzt stellt sich für mich die Frage, ob das noch sinnvoll ist. Ich werde mich völlig neu orientieren müssen. Vielleicht wechsle ich in den Kfz-Bereich, ein großer Autobauer wäre interessant. Für uns alle sind die Vorgänge bei G&D eine große Enttäuschung. Aber wir fühlen uns von Verdi gut vertreten.

War mir meiner Sache zu sicher

Johannes Schraufnagl (19) aus Ismaning

Im Juni werde ich meine Ausbildung zum Medientechnologen beenden. Ich habe mich für G&D entschieden, weil die Firma einen guten Ruf hatte. Nette Kollegen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld – alles hat gepasst. Ich dachte, ich habe einen sicheren Arbeitsplatz. Dann der Schock. Aber ich will Banknotendrucker bleiben. Notfalls gehe ich auch ins Ausland.

Schock für die Familie

Bernhard Maurus (47) aus Bogenhausen

Meine Familie trifft es besonders hart. Ich bin verheiratet und habe vier Kinder. Meine älteste Tochter ist schwerbehindert und braucht viel Fürsorge. Ich kann hier nicht weg. Mit meiner Frau führe ich eine Schlüsselehe. Wenn ich von der Schicht heimkomme, fährt sie in die Arbeit. Wir halten zusammen, aber wenn ich meinen Job verliere, haben wir ein Problem. Nach 25 Jahren als Banknotendrucker wird es schwer für mich, an anderer Stelle unterzukommen. Mir hat es den Boden unter den Füßen weggezogen.

Johannes Heininger

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