Stromerzeugung 2012: Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch

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Eine Vollversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien könnte bis 2050 Realität werden.

Ein Leben ohne Strom? Unvorstellbar! In Deutschland wird noch immer der größte Teil der elektrischen Energie aus Kohle gewonnen. Doch die Stromerzeugung der Zukunft soll hauptsächlich durch erneuerbare Energien garantiert werden.

Mehr als 40 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms kam im vergangenen Jahr aus Kohlekraftwerken. Der Anteil der erneuerbaren Energien stieg auf etwa 21 Prozent und lag damit deutlich höher als der Anteil aus Atomkraftwerken mit 17,6 Prozent. Zu den wichtigsten alternativen Stromquellen gehören Windkraft, Sonnenenergie, Wasserkraft und Biomasse.

Die Zahlen signalisieren ein Umdenken in Politik und Bevölkerung. Im Jahr 2022 soll das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet werden. Das langfristige Ziel ist die Vollversorgung mit Ökostrom. Viele Verbraucher entscheiden sich aber schon jetzt bewusst für Strom aus alternativen Energien. Bei der Wahl eines Stromanbieters achten sie nicht nur auf die Preise, sondern auch darauf, wie der Strom erzeugt wird. Im Internet lassen sich die Angebote der Stromversorger vergleichen. Auch die Politik gibt mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine klare Richtung vor. Es regelt die bevorzugte Einspeisung von Strom aus regenerativen Quellen ins Stromnetz und garantiert den Betreibern einen gesetzlich festgelegten Abnahmepreis.

Das EEG hat den Strommarkt umgekrempelt

Das EEG hat die Stromerzeugung in Deutschland auf den Kopf gestellt und maßgeblich dazu beigetragen, dass der Einfluss der großen Energieversorger schwindet und die alternativen Energien an Bedeutung gewinnen.

Das Problem: Ökostrom wirft die Strompreise an der Börse durcheinander. Dort trifft der Strom aus alternativen Energiequellen auf Strom aus Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken. Konventionelle Stromerzeuger haben dabei einen entscheidenden Nachteil: Während Wind und Wasser umsonst erhältlich sind, fallen für die Rohstoffe Gas und Kohle Kosten an. Manchmal gibt es sogar so viel Strom aus erneuerbaren Energien, dass enorme Mengen an Ökostrom ins Netz eingespeist werden müssen. Dann kann der Strompreis sogar negativ werden. Das bringt das System an seine Grenzen.

Marktorientierte Stromerzeugung

Das Prinzip „produce and forget“ – Strom wird erzeugt, wann immer es möglich ist, und nicht wenn er gebraucht wird – ist problematisch. Erneuerbare Energien müssen deshalb marktfähiger ins Stromnetz eingespeist werden, zum Beispiel abhängig vom Bedarf der Verbraucher. Die Lösung könnte ein Modell wie der „Kapazitätsmarkt“ sein, der die Verteilung der Stromkapazitäten neu regelt.

Hinter dem Modell "Kapazitätsmarkt" verbirgt sich ein Auktionsverfahren. Dabei versteigert eine unabhängige Institution eine bestimmte Menge von Erzeugungskapazitäten. Die Energieversorger konkurrieren, zum Beispiel um das Recht, im Jahr 2020 eine bestimmte Menge Megawatt bereithalten zu dürfen. Den Zuschlag erhält der Anbieter, der den günstigsten Preis verlangt. Dieser erhält zusätzlich eine Prämie, die beispielsweise für jedes Kilowatt bereitgehaltene Leistung gezahlt wird.

Stromerzeugung 2020 – ein Blick in die Zukunft

Laut einer Studie des Bundesverbandes erneuerbare Energie (BEE) könnte Ökostrom in Deutschland bis 2020 über die Hälfte der Stromversorgung abdecken. Damit kann die Stromgewinnung aus Kernenergie vollständig ersetzt werden. Weil der Wind aber nicht immer weht und die Sonne nicht immer scheint, sind nach wie vor konventionelle Kohle- und Gaskraftwerke nötig.

Eine Vollversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen ist nach Angaben des Umweltbundesamtes bis 2050 realistisch.

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