Familien zahlen 79 Euro mehr

So teuer wird der Strom 2014

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Die Sonne geht bei Tiefenthal (Pfalz) hinter Winträdern unter

München - Die Ökostrom-Umlage steigt - und damit auch die Mehrwertsteuer. Die Folge: Der Strom wird teurer. Die tz schlüsselt auf, welche Haushalte die Erhöhung am meisten kosten wird.

Am Dienstag wird die künftige Höhe der Ökostrom-Umlage offiziell bekanntgegeben. Die neuer­liche Preisexplosion sickerte aber schon vorab durch: Die Zulage steigt von derzeit 5,277 Cent auf 6,3 Cent pro Kilowattstunde an. Infolgedessen steigt auch die Mehrwertsteuer, dazu kommen noch höhere Netzentgelte, also die im liberalisierten Energiemarkt fälligen Gebühren für die Durchleitung des Stroms. Das Vergleichsportal Verivox rechnete aus, was das insgesamt für die Verbraucher bedeutet.

  • Single: Ein allein lebender Stromkunde mit einem Jahresverbrauch von 1500 kWh (Kilowattstunden) musste bislang im Schnitt 462 Euro zahlen – 2014 steigen seine Stromkosten auf 494 Euro (plus 32 Euro, davon Ökostrom-Umlage: plus 15 Euro, Mehrwertsteuer: plus fünf Euro, Netzentgelte: plus 12 Euro).
  • Paar: Ein Zweipersonen­haushalt mit 2800 kWh Jahresverbrauch musste bisher 796 Euro zahlen – im kommenden Jahr werden 853 Euro fällig: (plus 57 Euro, davon Ökostrom-Umlage: plus 29 Euro, Mehrwertsteuer: plus neun Euro, Netzentgelte: plus 19 Euro).
  • Vierköpfige Familie: Bei 4000 kWh Jahresverbrauch kam die Stromrechnung bislang auf 1110 Euro, künftig muss die Familie 1189 Euro berappen (plus 79 Euro, davon Ökostrom-Umlage: plus 41 Euro, Mehrwertsteuer: plus 13 Euro, Netzentgelte: plus 25 Euro).
  • Großfamilie: Bei 6000 kWh Jahresverbrauch steigt der Strompreis von 1633 auf 1750 Euro (plus 117 Euro, davon Ökostrom-Umlage: plus 62 Euro, Mehrwertsteuer: plus 19 Euro, Netzentgelte: plus 36 Euro).

Was tun gegen die Strompreisexplosion?

Der Strompreis hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt (siehe Grafik)! Wie lassen sich die steigenden Preise in den Griff bekommen, ohne die Energiewende zu gefährden? Die tz stellt einige Ideen vor:

Deckelung der Ökostrom-Förderung: Eine Studie der Denkfabrik Agora Energiewende schlägt vor, die Ökostrom-Förderung bei maximal 8,9 Cent je Kilowattstunde zu deckeln. Bisher gibt es für Solaranlagen bis zu 50 Cent je kWh Förderung. Trotz solch einer Förderungsobergrenze könnten neue Solar- und Windparks rentabel sein, so die Studie.

Wie sicher ist unsere Stromversorgung? Fragen & Antworten

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Ökostrom-Bad-Bank: Der Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband, Holger Krawinkel, fordert, die „Förder­kosten für Solaranlagen nicht mehr auf die Strompreise abzuwälzen, sondern in eine Art Bad Bank auszugliedern“. Solar- oder Windkraftbetreiber, deren Anlagen nach rund 15 Jahren meist abgeschrieben seien, sollen für die restliche zu erwartende Betriebsdauer von etwa 25 Jahren zu Abgaben von fünf Cent je Kilowattstunde verpflichtet werden. Mit diesen Einnahmen sollen die Schulden in der Öko-Bad-Bank nach und nach getilgt werden.

Freibetrag für Verbraucher und Betriebe: Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) fordert die neue Bundesregierung auf, kurzfristig einen Freibetrag für Verbraucher und Betriebe bei der Stromsteuer einzuführen: „Für Privathaushalte sollten 2000 Kilowattstunden, für kleine und mittlere Betriebe 4000 Kilowattstunden von der Stromsteuer befreit werden.“

Heizöl noch billig: Jetzt schnell den Tank füllen

Der US-Haushaltsstreit hat für uns Europäer derzeit auch eine gute Seite: Die US-Krise macht den Euro relativ stark, sodass deutsche Händler sich günstig mit Rohöl eindecken können. Die Folge: Benzin und Heizölpreise sinken!

Wer jetzt seinen Öl-tank füllt, muss elf bis 15 Prozent weniger bezahlen als vor einem Jahr. Gegenüber dem Vormonat ist der Ölpreis gut drei Prozent niedriger, so das Internet-Portal www.Heizoel-Preisanfrage.de. Allerdings sollte man wohl schnell zuschlagen: Denn wenn sich Demokraten und Republikaner bis zum 17. Oktober doch noch auf einen Kompromiss im Etat-Streit einigen, dürfte sich der Dollar schnell wieder erholen – und das in Dollar gehandelte Öl wieder teurer werden.

Derzeit liegt der Durchschnittspreis in Bayern für Standardqualitäts-Heizöl bei 85 bis 86 Cent pro Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, mit denen man ein Einfamilienhaus etwa zwei Jahre lang beheizen kann). Damit ist Heizöl fast 15 Prozent günstiger als im Oktober des Vorjahres.

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Doch die Preise schwanken stark: Im August und September, als die Welt noch in Sorge wegen einer US-Intervention im Syrien-Krieg war, lag der Heizölpreis noch rund zwei Cent über dem aktuellen Preis.

Rabatt bis zu drei Prozent gibt es bei Sammelbestellungen mit den Nachbarn – man kann aber auch übers Internet Einkaufspools bilden, um Rabatt zu bekommen: Auf Seiten wie www.heizoelpool.de oder www.heizoel-sammelbestellung.de können Interessenten abfragen, ob es weitere Käufer in der eigenen Wohnregion gibt.

tz

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