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70 Euro mehr pro Haushalt

Grüne wollen Strompreisexplosion stoppen

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Trittin fordert mehr Ökostrom für weniger Geld.

Berlin - Der Strompreis soll 2014 wieder deutlich in die Höhe klettern. Schuld daran, ist vor allem der Ökostrom. Die Grünen wollen nun die EEG-Umlage und damit die Kosten für die Verbraucher senken.

Seit längerem wird ein Anstieg der EEG-Umlage und somit des Strompreises befürchtet. Nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ könnte die Umlage 2014 um ein Drittel auf mindestens 7 Cent je Kilowattstunde steigen. Bei einem Haushalt mit durchschnittlichem Jahresverbrauch würde dies dem Blatt zufolge mit 70 Euro zu Buche schlagen.

Laut „Bild“-Zeitung könnte die Umlage nach einer Kosten-Simulation der Bundesregierung von derzeit 5,3 Cent auf 6,2 Cent pro Kilowattstunde steigen. Hintergrund sei auch der sehr sonnige Juli und somit ein Einspeiserekord bei Photovoltaik.

Ökostrom statt Kohle

Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin forderte am Donnerstag, die Produktion des derzeit massiv ins Netz geleiteten, schmutzigen Kohlestroms zu verteuern, um die Umlage zu senken. Nötig sei eine angemessene CO2-Abgabe. Denn neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien sei das derzeitige Überangebot an Kohlestrom für den Druck auf die EEG-Umlage verantwortlich, sagte er bei der Vorstellung eines Fahrplans zur Energiewende in Berlin.

Hintergrund: Durch ein großes Angebot an Strom sinkt der Börsenstrompreis - und im Gegenzug steigt die Umlage. Denn die Anbieter bekommen feste Sätze. Verhandlungen über eine Strompreisbremse zwischen Regierung und Opposition sowie Bund und Ländern waren gescheitert. Alle Parteien wollen die EEG-Umlage nach der Bundestagswahl reformieren.

Grüne kritisieren: Bundesregierung blockiert Energiewende

Die Bundesregierung verweigere sich bewusst den nötigen Schritten in Deutschland sowie auf EU-Ebene, so die Grünen. Ohne Deutschlands Blockadehaltung könnte der Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten wiederbelebt werden, sagte Oliver Krischer, Fraktionssprecher für Energiewirtschaft. Union und vor allem FDP wollten die Energiewende aber hintertreiben und Kohlekraftwerke und Kohleabbau in Deutschland schützen. Trittin unterstellte der Regierung folgendes Motiv: „Die Investments sollen sich rentieren.“

Wenn der Börsenstrompreis niedrig sei, müsse dies zudem an die Verbraucher weitergegeben werden, forderten Trittin und Krischer. Dazu müsse der Wettbewerb zwischen den Stromanbietern gesteigert werden.

Der Bundesregierung werfen die Grünen zudem vor, für riesige Subventionen an die Industrie beim Strompreis zulasten der kleinen Verbraucher verantwortlich zu sein. So sei die Umlagebefreiung längst zu einer Subventionsmaschine für die Agrarindustrie geworden, kritisierte Trittin.

dpa

Wie sicher ist unsere Stromversorgung? Fragen & Antworten

Der Bericht der Bundesnetzagentur zur Lage der Stromnetze löst Sorgen aus. Die Zahl der Eingriffe in die Netze habe sich mehr als verdreifacht. Die Lage sei „kritisch“, heißt es darin. Doch was bedeutet das? © dpa
Ein europaweiter Stromausfall wie zuletzt 2006 nach der Abschaltung einer Starkstromleitung für ein Kreuzfahrtschiff an der Ems ist der Alptraum jedes Netzplaners. Damals saßen rund zehn Millionen Menschen im Dunkeln, es gab Chaos, Überfälle, steckengebliebene Aufzüge und hohen Schaden. Wenn nun die Bundesnetzagentur vor einer „kritischen Lage“ für die deutschen Netze warnt, löst das Sorgen aus. © dpa
Wie kommt es eigentlich zu einem Netzausfall? © dpa
Kleinere Netzausfälle zum Beispiel durch Vögel in Hochspannungsleitungen oder technische Störungen gehören zum Alltag der Stromversorgung. Der Bericht der Bundesnetzagentur spricht von fast 207 000 Unterbrechungen über drei Minuten Länge im vergangenen Jahr. Sie stellen aber meist keine größere Gefahr dar. © dapd
Wie reagieren die Netzbetreiber? © dapd
Die Netzbetreiber leiten Strom um, wenn er an bestimmten Stellen fehlt, rufen Reserveleistung ab und schalten bei größeren Störungen Kraftwerke ganz oder teilweise an und ab. Dabei helfen Computerprogramme. Der größte deutsche Hochspannungsnetzbetreiber Amprion hat seine rund 11 000 Kilometer Netz zum Beispiel in 1031 Teile zerlegt. Alle 15 Minuten erfasst der Rechner für diese Netzabschnitte Störungen und Reaktionsmöglichkeiten. © dpa
Sind Eingriffe in die Netze also gefährlich? © dpa
Prinzipiell nicht. Das ist Alltag in den Netzzentralen. Allerdings ist dieser Alltag deutlich stressiger geworden, berichten Fachleute. Die Eingriffe seien wesentlich häufiger, umfangreicher und es habe auch mehr kritische Situationen gegeben. © dpa
Was verstehen Netzbetreiber denn unter kritisch? © dpa
Wenn die schnell bereitstehende Primär- und Sekundärleistung nicht ausreicht und auch die sogenannte Minutenenergie, die innerhalb von 15 Minuten aktivierbar ist, das Problem nicht löst, müssen ganze Reservekraftwerke hochgefahren werden. Das Überschreiten der Minutenreserve sei bereits kritisch, sagte ein Amprion-Sprecher. Richtig schwierig wird es, wenn das Netz durch weitere negative Faktoren an die Kapazitätsgrenze gerät, wie zuletzt bei eisigen Temperaturen im Februar dieses Jahres. © dpa
Wie groß ist eigentlich der Sicherheitsspielraum der Netze? © dpa
Dazu äußern die Betreiber sich ungern, da Störungen ja jederzeit lokal von einer überlasteten Leitung entstehen und sich blitzschnell ausbreiten können, wie das Beispiel des Ems-Blackouts zeigt. Als Richtwert gilt aber 130 Prozent Belastbarkeit - also 30 Prozent Sicherheitspuffer. © dpa
Und wo und wann ist es besonders gefährlich? © dpa
Zwischen 18.00 und 22.00 Uhr, wenn der Stromverbrauch am höchsten ist, die Sonne nicht mehr scheint und der Wind meist abflaut. Regional ist nach der Abschaltung der Atomkraftwerke Süddeutschland die kritische Region. Wenn dort abends hohe Verbräuche entstehen, kann es zu Einbrüchen kommen. © dpa
Aber das müsste man doch vorhersagen können? © dpa
In den meisten Fällen ja. Die Stromtransporte des Folgetages müssen bis 14.00 Uhr angemeldet werden. Da zeichnen Engpässe sich in der Regel ab. Aber plötzliche Leitungsstörungen können trotzdem immer passieren. © dpa
Was ist jetzt mit unserer Versorgungssicherheit? © dpa
Die Netzbetreiber haben sich bereits mehr „Kaltreserve“ an zusätzlicher Kraftwerkskapazität in Süddeutschland und in Österreich gesichert, als nach den Berechnungen nötig sein wird. Doch absolute Sicherheit gibt es nicht und das Black-Out-Risiko ist durch die Energiewende eindeutig gewachsen. © dpa

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