Das sind die größten Euro-Schuldensünder

Brüssel - Das krisengeschüttelte Spanien ist im vergangenen Jahr auf den dritten Platz der größten Haushaltssünder im Euro-Raum aufgerückt.

Der Fehlbetrag im Staatshaushalt Spaniens belief sich 2011 auf 8,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, teilte die Statistikbehörde Eurostat am Montag in Luxemburg mit. Das Haushaltsloch war zwar kleiner als im Vorjahr mit 9,3 Prozent, doch deutlich größer als angestrebt. Spanien überholte damit Nachbarland Portugal, das Geld aus dem Euro-Krisenfonds erhält und strikt sparen muss.

Die wirtschaftlichen Aussichten für das Euro-Krisenland sehen düster aus, die Wirtschaft stürzte zu Jahresbeginn in die Rezession. Das Sparen wird für die Regierung deshalb noch schwerer.

Jetzt auch in Lettland: Hier können Sie mit dem Euro bezahlen

Der Euro ist die einheitliche Währung der Europäischen Union. Insgesamt gilt der Euro inzwischen in 18 EU-Ländern als Zahlungsmittel. Klicken Sie sich durch die Fotostrecke, um zu erfahren in welchen Ländern der Euro welche Währung ablöste. © dpa
In Deutschland gilt seit 2002 die neue Währung, die alte D-Mark hatte ausgedient. © dpa
Die Franzosen mussten 2002 ihren Franc für den Euro abgeben. © dpa
Auch die Italiener bekamen 2002 den Euro, dafür verlor die Lira ihre Gültigkeit. © dpa
In den Niederlanden ging 2002 die Zeit des Gulden zugunsten des Euro zu Ende. © dpa
Die griechische Drachme wich ebenfalls 2002 dem Euro. © dpa
2002 gab es in Belgien Euro statt Franc. © dpa
Das Aus für die finnische Finmark kam auch 2002. © dpa
In Irland wurde der Euro ebenfalls 2002 eingeführt und löste das irische Pfund ab. © dpa
Der österreichische Schilling hatte 2002 ebenso ausgedient. © dpa
In Portugal wurde der Escudo auch 2002 durch den Euro ersetzt. © dpa
2002 tauschten die Spanier ihre Peseten gegen Euro. © dpa
Der luxemburgische Franc wich 2002 dem Euro. © Wikipedia
Groß war der Jubel in Slowenien, als 2007 der Tolar durch den Euro abgelöst wurde. © dpa
Die Malteser tauschten 2008 ihre Lire gegen den Euro. © dpa
Wie in Malta wurde auch in Zypern 2008 der Euro eingeführt anstelle des zypriotischen Pfunds. © dpa
Die Slowakei stieß 2009 zu den Euro-Ländern, die Krone hatte ausgedient. © dpa
Als bislang letztes Land stieß Estland in den Kreis der Nationen, die den Euro eingeführt haben: 2011 war Schluss für die estnische krone. © dpa
Der Euro ist auch auch in einigen Ländern gesetzliches Zahlungsmittel, die nicht der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion angehören. © dpa
Montenegro und Kosovo führten im Zuge ihrer Unabhängigkeitsbestrebungen einseitig die deutsche Mark als Währung ein. Nach Ablösung durch den Euro stellten auch diese auf den Euro um. © dpa
San Marino, Vatikan, Monaco und Andorra hatten vor der Einführung des Euro Währungsunionen mit Italien, Frankreich bzw. Spanien. Daher gilt auch in diesen Ländern der Euro als Zahlungsmittel. © dpa
In Lettland ist der Euro seit dem 1. Januar 2014 offizielles Zahlungsmittel. © dpa

Im Euroland weisen nur Irland (13,1 Prozent) und Griechenland (9,1 Prozent) noch höhere Fehlbeträge im Staatshaushalt auf. Beide Länder wurden bereits mit milliardenschweren Hilfsprogrammen vor der Staatspleite bewahrt. Erlaubt sind höchstens drei Prozent. Deutschland gehört mit einem Minus von 1,0 Prozent zu den Musterschülern der Euro-Zone.

Die Statistiker bestätigten damit Angaben der Regierung in Madrid, die in der Europäischen Union Zweifel ausgelöst hatten. So gab es Vermutungen, die Regierung habe das Minus extra hoch angesetzt, damit die Zahlen aus dem laufenden Jahr besser aussehen. Ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte in Brüssel auf die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Zahlen: “Es gibt keinen Anlass für Zweifel daran.“ Eurostat habe die zuletzt gemeldeten Zahlen bestätigt. Brüssel vertraue auf die Zuverlässigkeit des spanischen Statistikamtes und gehe davon aus, dass die spanische Regierung für Klarheit sorge.

EFSM, EFSF oder ESM: Das bedeuten die Kürzel der Finanzkrise

EFSM: Wenn vom EFSF-Rettungsschirm die Rede ist, fällt manchmal auch diese Abkürzung. Der Krisenfonds setzt sich nämlich aus dem Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus (EFSM) und dem EFSF zusammen. © dpa
ESM: Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) wird der Nachfolger des EFSF-Fonds. Spätestens Mitte 2013 soll er den befristeten Rettungsschirm dauerhaft ablösen und 500 Milliarden Euro an Kredithilfen bereitstellen. © dpa
EZB: Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die Hüterin der europäischen Währung. Daher ist die Notenbank an allen wichtigen Beschlüssen in der Schuldenkrise beteiligt. Oberstes Entscheidungsgremium ist der EZB-Rat. Ihm gehören die Chefs der 17 nationalen Notenbanken und ein sechsköpfiges Direktorium an, an dessen Spitze der EZB-Präsident. © dpa
IWF: Der Internationale Währungsfonds (IWF) spielt zur Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise eine wichtige Rolle. Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen greift ein, wenn Staaten Geldprobleme haben. Finanzhilfen sind meist an strenge Auflagen geknüpft - etwa an die Sanierung des Staatshaushalts. Bei allen Hilfsaktionen im Euroland, ob in Griechenland, Irland oder Portugal, war der IWF mit im Boot. © dpa
SPIV: Als Option zur Euro-Rettung gilt auch ein Special Purpose Investment Vehicle (SPIV). Bei der “Investment-Zweckgesellschaft“ würden öffentliches und privates Kapital zusammengeführt. Eine oder mehrere Zweckgesellschaften könnten zentral oder gesondert in einem Land errichtet werden, das Hilfen bekommt. Die Zweckgesellschaft soll die Finanzierung von Euro-Ländern erleichtern. Sie würde in Staatsanleihen eines Landes investieren. © dpa
Troika: Das Wort Troika ist eigentlich keine klassische Abkürzung. Es kommt aus dem Russischen und bedeutet “Dreiergespann“. In der Schuldenkrise werden damit aber verkürzt drei Expertengruppen bezeichnet - nämlich EZB, IWF und EU-Kommission. © dpa
G20: Die Gruppe der 20 (G20) bezeichnet die Top-Wirtschaftsmächte. Zwei Drittel der Weltbevölkerung werden durch sie repräsentiert, ihre Beschlüsse haben globalen Einfluss. Anfang November beraten ihre Mitglieder erneut über die Euro-Rettung. Der Zusammenschluss wurde 1999 als Reaktion auf die Finanzkrisen in Asien, Brasilien und Russland gebildet. © dpa
PSI: Die Politik will private Gläubiger wie Banken und Versicherungen stärker an der Griechenland-Rettung beteiligen. In Fachkreisen wird dabei stets von PSI (“Private Sector Involvement“, also Beteiligung des Privatsektors) gesprochen. Der Streit dreht sich darum, in welchem Ausmaß die Privaten auf Ansprüche gegen Griechenland verzichten. © dpa
CDS: Ein Schuldenschnitt ist auch deswegen so sehr umstritten, weil er Kreditausfallversicherungen (CDS oder “Credit Default Swaps“) auslösen könnte, sobald die Ratingagenturen für ein Land das Urteil “Zahlungsausfall“ (“Default“) ausrufen. Es gibt Experten, die befürchten, dass dann eine unkontrollierbare Kettenreaktion in Gang kommt, die etliche Kreditinstitute in den Abgrund reißen könnte. © dpa

Zudem erinnerte der Sprecher daran, dass Madrid mit der EU-Kommission vereinbart habe, in diesem Jahr ein Ziel von 5,3 Prozent zu erreichen. Dafür soll ein drastisches Sparprogramm sorgen. Für 2013 will Spanien dann den zulässigen Höchstwert von drei Prozent einhalten.

Spanien gilt als Sorgenkind der Euro-Zone und leidet unter Spekulationen, doch noch internationale Hilfen zu benötigen. Für Irritationen hatte Premierminister Mariano Rajoy im März gesorgt, als er auf eigene Faust das Ziel für das Haushaltsdefizit im Jahr 2012 von 4,4 Prozent auf 5,8 Prozent angehoben hatte.

Beim Spitzenreiter Irland haben die Statistiker Zweifel an den gemeldeten Zahlen. Eurostat äußerte einen Vorbehalt, da die Umstrukturierung der Banken Allied Irish Banks und Irish Life & Permanent bisher nicht abgeschlossen seien. Die Verbuchung und die Auswirkungen dieser Aktionen auf das Defizit seien noch unklar.

EZB-Chef Trichet tritt ab: Seine Karriere in Bildern

"Die Sprache des Geldes" beherrscht der Franzose Jean-Claude Trichet, hier 2010 bei einer gleichnamigen Ausstellung in Frankfurt, perfekt. Das zeigte er acht Jahre lang an der Spitze der EZB. Doch sein Start war holprig. © dpa
Unruhige Zeite kannte Trichet bereits in den 90er-Jahren als Chef der französischen Zentralbank: Gegen ihn lief ein Ermittlungsverfahren wegen der Milliarden-Verluste bei der Großbank Crédit Lyonnais. © ap
Im Jahr 2002 machte man Trichet und anderen Angeklagten in Paris den Prozess. © dpa
Der Diplom-Bergbauingenieur musste Rechenschaft ablegen und wurde letztendlich am 18. Juni 2003 freigesprochen. © ap
Damit stand seiner Kandidatur als neuer EZB-Chef nichts mehr im Wege. Trichet sollte bereits früher an die Spitze. Doch der Holländer Wim Duisenberg (li.) erhielt 1998 den Vorzug. © dpa
Geschafft! Prozess gewonnen, Kandidatur gewonnen. Am 1. November 2003 klettert Trichet mit 60 Jahren an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB). © ap
Trichets Führungsstil war nüchtern, doch die Kameras liebten die ausladenden Gesten Trichets. © dpa
Trichtes Führungsstil war nüchtern, doch die Kameras liebten die ausladenden Gesten Trichets. © dpa
Mit beiden Armen erklärt Trichet auf diesem Bild die Erhöhung des Leitzinses um 0,25 Prozent auf 2,5 Prozent im Jahr 2006. © dpa
Nachdenklich in Davos - die Immobilienblase in den USA ist zum Bersten gespannt. © dpa
Die Lehman-Bank ist Pleite, Trichet im Jahr 2008. © ap
Nun ist die Finanzkrise im vollen Gang - Trichet ist gefordert... © dpa
...muss Weitsicht beweisen... © dpa
...auch mit Blick nach oben. Hier mit Italiens Notenbankchef Mario Draghi, der Trichet nun als EZB-Chef folgt. © dpa
Küss' die Hand Madame! Trichet als Gentleman im Jahr 2009 mit Kanzlerin Merkel. © dpa
Die Zukunft des Euro steht im Jahr 2011 auf der Kippe. Die Finanzmärkte wackeln. © dpa
Banges Hoffen: Ben Bernanke (l), Präsident der US-Notenbank, und Trichet. Die wichtigsten Notenbanken der Welt stehen bereit, um falls notwendig weitere Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte zu ergreifen. © dpa
Klare Ansagen, klare Richtung: Im Juni  schlug Trichet  die Bildung eines europäischen Finanzministeriums vor. © dpa
Trichte im Gespräch mit dem damaligen Chef der Deutschen Bundesbank, Axel Weber. © dpa
Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos und Trichet unterhalten sich über die Sparpläne des hochverschuldeten Landes.  © dpa
Auszeichnung für den Euro-Retter: Trichet wurde im Juni 2011 für seine Verdienste um die Währungsunion, den stabilen Euro und die europäische Wettbewerbsfähigkeit in schwierigen Zeiten mit dem Karlspreis ausgezeichnet. © dpa
Klare Abfolge: Am 24. Juni 2011 beschloss der EU-Gipfel, dass Mario Draghi Trichet an die Spitze der EZB folgen soll. © ap
Immer ein Lächeln für die Damenwelt übrig: Hier mit der Europa-Parlamentarierin  Sharon Bowles. © dpa
Darf's ein  Tässchen Kaffee sein, Herr Präsident? Trichet in Norditalien. © dpa
Schwere Zeiten: “Insgesamt gesehen, insbesondere nach Lehman Brothers, ist das die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Trichet. © dpa
Es wird eng, schließlich muss die EZB weiter dafür sorgen, dass die Preise stabil bleiben. © dpa
Trichet im Gespräch mit Finanzminister Wolfgang Schäuble. © dpa
Ein Gespräch mit dem neuen Mann an der Spitze der Deuteschen Bundesbank, Jens Weidmann. © dpa
Sternstunde: Jean-Claude Trichet, gibt am Donnerstag, 6. Oktober 2011 in Berlin seine letzte Pressekonferenz in dieser Funktion. © dpa
Jetzt räumt Trichet seinen Stuhl... © dpa
...und tritt nach acht turbulenten Jahren ab. © dpa
Trichets Platz bleibt nicht lange leer. Italiens oberster Banker Mario Draghi übernimmt den Job als EZB-Präsident.  © dpa

Griechenlands Finanzlage hat sich im vergangenen Jahr etwas gebessert, zeigt aber weiter tiefrote Zahlen. Der Fehlbetrag im Staatshaushalt belief sich 2011 auf 9,1 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) - das war etwas weniger als die 10,3 Prozent im Vorjahr. Griechenland wird seit zwei Jahren mit milliardenschweren Hilfspakten gerettet.

Insgesamt hat der krisengeplagte Euroraum sein öffentliches Haushaltsdefizit im vergangenen Jahr verringert. Im Jahresvergleich sank das Defizit von 6,2 auf 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der gesamte Schuldenstand stieg jedoch weiter an und legte von 85,3 Prozent auf 87,2 Prozent zu.

Die niedrigsten Defizitquoten meldeten Finnland (0,5 Prozent), Luxemburg (0,6) und Deutschland (1,0). Beim Schuldenstand stehen Estland (6,0 Prozent) und Luxemburg (18,2) am besten da. Am ungünstigsten ist die Schuldenlage in Griechenland (165,3 Prozent), Italien (120,1) und Irland (108,2). Nach dem europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt darf der Schuldenstand höchstens 60 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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