Neue Stromnetzstudie sorgt für Zündstoff

+
Ein Strommast steht im niedersächsischen Schöningen neben einem Windrad. Rund 3600 Kilometer an neuen Hochspannungsleitungen sind bis 2020 in Deutschland nötig, um die zunehmende Einspeisung der erneuerbaren Energien ins Stromnetz zu bewältigen.

Berlin - Die 2. deutsche Netzstudie zeichnet ein schwieriges Bild: Der Ausbau lahmt, und Erdkabel als Alternative zum Schutz von Natur und Bürgern sind oft zu teuer. Umweltschützer zweifeln den riesigen Netzbedarf an.

Hubert Weiger ist es leid. Ständig würden die vielen lokalen Bürgerinitiativen zum Sündenbock dafür gemacht, dass es mit dem Netzausbau in Deutschland nicht vorangehe, sagt der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). So warnt die Bundesregierung mit Blick auf den Widerstand gegen Stromautobahnen quer durchs Land vor vielen kleinen Protesten á la Stuttgart 21, die den Traum von der Energiewende gefährdeten.

Der BUND hält dagegen: Die Regierung setze zu wenig auf eine Optimierung des bestehenden Stromnetzes. Und die Alternative Erdkabel würde mit Horrorrechnungen diskreditiert. Die Bürger müssten mehr einbezogen werden, der schleppende Netzausbau hänge auch mit der fehlenden Investitionsbereitschaft der Betreiber, teuren Umplanungen und langen Genehmigungsverfahren zusammen. Und damit, dass der Ausbau oft an der Grenze der Bundesländer stoppe.

Nun liegt der Entwurf für die mit Spannung erwartete Netzstudie 2 der Deutschen Energieagentur (dena) vor - und sie wird für Diskussionen sorgen. Denn sie ist ein Masterplan für den bundesweiten Netzausbau. Bis 2020 werden die Kosten für neue Leitungen zur Einspeisung von Sonnen- und Windstrom auf sechs bis 55 Milliarden Euro beziffert.

Wenn die billigste Variante mit 380-Kilovolt-Freileitungen gewählt wird, müssten 3600 Kilometer gebaut werden. Wenn aber zum Schutz von Anwohnern und der Natur die benötigten Leitungen in der Erde vergraben würden, könnten nur bis 2020 Kosten von bis zu 55 Milliarden Euro entstehen, heißt es in der 606 Seiten starken Netzstudie.

Eine immer wieder diskutierte Variante - die Ertüchtigung des bestehenden Netzes mit Hochtemperaturseilen - würde immer noch den Neubau von 1500 Kilometern Freileitungen bedeuten, zudem käme diese Variante laut der dena-Studie mit 13 Milliarden Euro mehr als doppelt so teuer wie der reine Neubau von 3600 Kilometern.

Der BUND zweifelt insgesamt einen derart hohen Netzbedarf an. Zwar gebe es überall in Deutschland durch neue dezentrale Wind- und Sonnenenergie-Produktionszentren eine veränderte Situation. Aber letztlich würden die Konflikte im Netz vor allem durch die längeren Atomlaufzeiten und weitere Kohlekraftwerke größer. Wie auf einer Autobahn Lkws, würden Atom- und Kohlestrom die Netze blockieren.

BUND-Energieexperte Werner Neumann betont: “Die Lastflüsse müssen transparent gemacht werden.“ Es müsse ehrlich gesagt werden, welcher Netzbedarf wirklich den erneuerbaren Energien zuzurechnen sei. Denn nicht viele glauben, dass bei einem zurückgehenden Atom- oder Kohlestrom wirklich so viele neue Netzkilometer notwendig wären.

Die Bürgerinitiativen betonen, sie repräsentierten nicht die “Dagegen-Republik“, sondern hätten Alternativen anzubieten. Besonders Freilandleitungen sind umstritten, wie Bernd Hornkohl, Sprecher der “BI Freileitungsgegner im niedersächsischen Kalefeld“, ausführt: “Bei einer Drehstrom-Freileitung muss eine 200 Meter breite Waldschneise gerodet werden, und diese Fläche muss immer frei bleiben“, sagt er. Bei einer Erdkabelleitung müsse nur eine 30 Meter breite Schneise gerodet werden, wobei 15 Meter für die Erdleitung benötigt und 15 Meter für eine Fahrstrecke freigehalten würden.

Diesen Marken vertrauen die Deutschen

Zum neunten mal hat "Readers Digest" in 16 europäischen Ländern ermittelt, welche Marken in den Augen des Verbauchers besonders vertrauenswürdig sind. In der Kategorie "Einzelhandel" hatte in Deutschland der Discounter "Aldi" die Nase vorn. © dpa
Insgesamt haben 23 287 Verbraucher an der Studie "Reader's Digest European Trusted Brands 2009" teilgenommen. Die Deutschen Teilnehmer wählten die "Allianz" auf Platz eins unter den Versicherungen. © dpa
Alleine in Deutschland haben sich an dieser Studie über 7000 Menschen beteiligt. Sie schenken mehrheitlich der Marke "Aral" ihr Vertrauen im Bereich "Kraftstoffe". © dpa
Bei den Spirituosen hat die Marke "Asbach" in Deutschland die Nase vorn. © ap
Aspirin ist sozusagen der Gesamtsieger im Bereich der Schmerzmittel. In Österreich, Spanien, Schweiz und Deutschland wurde das Produkt aus dem Hause Bayer auf Platz eins gewählt. © dpa
Noch besser schnitt sogar die Firma "Canon" ab. Im Bereich Fotogeräte belegte diese Marke in 13 der 16 Länder Platz eins. Auch in Deutschland. © dpa
Ein beliebtes Frühstück: Müsli oder eben Cornflakes. Die absolute Vormachtstellung in Sachen Verbrauchervertrauen besitzt im Bereich der Frühstückscerealien die Marke "Kellog's". Platz eins in Deutschland und neun weiteren Ländern. © dpa
In Sachen Computer genießt "Fujitsu Siemens in Deutschland das meiste Vertrauen. In neun Ländern wurde allerdings die Marke "Hewlett Packard", bzw. "HP Compaq" gewählt. © dpa
Die deutsche Nummer eins im Bereich Bekleidung: C&A. © dpa
Bei Erkältungen verlassen sich die Deutschen längst nicht nur auf Hausmittel. Arzneimittel der Marke "Wick" liegen in Deutschland, Belgien und Frankreich im Bereich "Erkältungsmittel" auf Platz eins. © dpa
Die deutsche Nummer eins unter den Reinigungsmitteln: Produkte der Marke "Frosch". © Frosch
Die neue Nummer eins der "Internet Service Provider": Google beendet die jahrelange Vorherrschaft von AOL. © dpa
Im Bereich Haarpflege vertrauen die Deutschen der Marke "Schwarzkopf". Gesamtsieger ist aber "Pantene" (drei mal Platz eins). © dpa
Ob Lakritzschnecken oder Gummibärchen: Die deutsche Nummer eins bei den Süßigkeiten ist Haribo in der Verbrauchergunst. © dpa
Ob die Gurkenmaske alleine reicht? Viele verlassen sich lieber auf Kosmetika: In Deutschland vertraut man "Yves Rocher", gleich fünf Nationen wählen allerdings "Nivea" auf Platz eins. © dpa
Kreditkarten gibt es viele, doch die Vormachtstellung scheint in Europa klar definiert: Gleich in 14 Nationen, darunter auch Deutschland, sprachen die Verbraucher "VISA" ihr Vertrauen aus. © dpa
Ob es an dem Kochstudio aus der Werbung liegt? Im Bereich Lebensmittel hat "Maggi" in Deutschland die Nase vorn. © ap
Nicht nur Waschmaschinen fallen unter die Kategorie Küchengeräte. Die Firma "Miele" lag gleich in fünf Ländern vorne. Auch in Deutschland. © dpa
"Müllermilch" holte in Deutschland bei den Milchprodukten die Topplatzierung. © dpa
Der absolute Primus. "Nivea" aus dem Hause Beiersdorf liegt in der Kategorie Hautpflege in allen 16 Ländern vorne. Und das zum fünften mal in Folge. © dpa
Durch die Werksschließung in Bochum zwar in die Kritik geraten, doch noch immer die Nummer eins im Ansehen des Verbrauchers: Nokia gewinnt in der Kategorie Mobilfunkhersteller. Und das ebenfalls in allen 16 Ländern. © dpa
Die Kette "Obi" führt in Deutschland in der Kategorie Gartenbedarf. © dpa
Platz eins im Bereich der Mundpflege: "Odol". © dpa
Bei den Waschmitteln überzeugt die Marke "Persil" die Verbraucher in Deutschland, Österreich und England. Der Konkurrent "Ariel" gewann gleich in sechs europäischen Ländern. © dpa
Nach wie vor die Nummer eins der Deutschen in Sachen Sekt: Die Marke "Rotkäppchen". © dpa
Manche können gar nicht genug davon bekommen: Schuhe. Das größte Vertrauen unter den hiesigen verbrauchern genießen Treter der Marke "Rieker". © ap
In Sachen Finanzen müssen Banken derzeit um das Vertrauen ihrer Kunden besonders hart kämpfen. Die "Sparkassen" genießen derzeit die größte Gunst. © ap
"TUI" genießt in Deutschland und Österreich das meiste Vertrauen im Bereich der Reiseanbieter. © dpa
Der Mobilfunkanbieter "Vodafone" wurde in Deutschland und Rumänien auf Platz eins gewählt... © dpa
... Kurios: Der Anbieter "T-Mobile" liegt dafür in Tschechien vorne. © dpa
Vitamine kann man duch frisches Obst zu sich nehmen, oder durch Tabletten. Im Breich der Vitamintabletten vertrauen die Konsumenten in Deutschland der Marke "Centrum". © ap
Bei den Automarken liegt häufig eine starke Marke aus dem eigenen Land vorne. "Volkswagen" belegte aber nicht nur in Deutschland die Spitzenposition, sondern auch in Österreich, Schweiz und Polen. © dpa

Viele Bürger fürchten zudem ein erhöhtes Krebsrisiko bei Freileitungen. Zwar seien Erdkabel teurer als Freilandleitungen - aber Angaben von zehn Mal höheren Kosten seien falsch, heißt es.

Hornkohl betont, die höheren Baukosten würden nach 18 bis 20 Jahren durch geringere Übertragungsverluste infolge der Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) ausgeglichen. Der auf diesem Gebiet führende Technologiekonzern ABB betont: “HGÜ-Leitungen können nicht überlastet werden. Die auf Gleichstrom basierende Technologie ermöglicht eine vollständige Kontrolle des Stromflusses.“ Wer Recht hat, ist schwer zu sagen, bisher gibt es in Deutschland kaum längere Erdkabel-Strecken.

Besonders in ostdeutschen Ländern wie Sachsen-Anhalt, wo die Netze wegen einer dünnen Besiedelung eher schwach sind, aber immer mehr Windparks entstehen, werden die Netze bereits jetzt an stürmischen Tagen an ihre Grenze gebracht. Aber trotz Netzkollaps-Warnungen, trotz des schleppenden Netzausbaus und des Einspeisevorrangs für Öko- Energie - bisher ist das deutsche Netz eines der stabilsten.

Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft liegen die jährlichen Stromausfälle in Deutschland mit 18 Minuten pro Einwohner deutlich unter denen in Frankreich (51 Minuten) und Großbritannien (61 Minuten). Damit das so bleibt, muss das Tempo beim Netzausbau rasant zunehmen. Darin sind sich ausnahmsweise alle einig. Genauso wie darin, dass der Netzausbau den Strompreis treiben dürfte.

Von Georg Ismar

Auch interessant

Meistgelesen

Audi-Chef Stadler in U-Haft genommen - Nachfolge soll feststehen
Audi-Chef Stadler in U-Haft genommen - Nachfolge soll feststehen
Salmonellen-Alarm bei Aldi, Penny, Kaufland & Co. 
Salmonellen-Alarm bei Aldi, Penny, Kaufland & Co. 
Aldi Süd hat Swimming-Pool im Angebot - doch er hat einen großen Nachteil
Aldi Süd hat Swimming-Pool im Angebot - doch er hat einen großen Nachteil
Rückruf wegen Gesundheits-Gefahr: Tiefkühl-Riese Iglo warnt vor mehreren Produkten
Rückruf wegen Gesundheits-Gefahr: Tiefkühl-Riese Iglo warnt vor mehreren Produkten

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.