Tante-Emma-Läden droht das Aus

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Dorfbewohner beim Einkauf am im "Tante Emma-Laden" bei Dorfladenbetreiberin Gerda Schweizer (hinter der Theke) in Duchroth (Rheinland-Pfalz). Vielen kleinen Lebensmittelgeschäften in Deutschland droht das Aus.

Hamburg - Vielen kleinen Lebensmittelgeschäften in Deutschland droht das Aus. “Mehr als 90 Prozent des Gesamtumsatzes im Lebensmittelhandel werden heutzutage von zehn Groß- und Filialunternehmen eingefahren.

Der sogenannte Tante-Emma-Laden hat da keine Chance mehr“, sagte der Geschäftsführer der Fachverbände des Hamburger Einzelhandels, Ulf Kalkmann, der Nachrichtenagentur dpa. In Hamburg gebe es nur noch rund 350 solche Läden. “Und jedes Jahr werden es weniger - bundesweit.“

Für die Verbraucher zähle heute vor allem die Bequemlichkeit. “Kunden fahren dorthin, wo sie gut parken und ihren Konsumbedarf billig und zu hundert Prozent decken können.“ Beim Krämerladen um die Ecke kauften sie allenfalls Dinge, die sie beim Großeinkauf vergessen haben. “Ich nenne das den “Vergesslichkeitsbedarf“. Davon kann sich aber kein Geschäftsmann über Wasser halten“, sagt Kalkmann.

Krämerläden würden zwar der Tradition halber geschätzt. “Die Menschen lieben Tante Emma. Trotzdem ist niemand bereit, der alten Dame auch mehr zu bezahlen“, sagt Kalkmann. Große Supermärkte hätten auf einer Verkaufsfläche von mehr als 1000 Quadratmeter meist mehrere tausend Produkte. “Die Kundenansprüche sind enorm gewachsen. Das kann ein Tante-Emma-Laden heute gar nicht mehr leisten.“

Hervortun könnten sich die Klein-Geschäfte mit Sonderleistungen wie Bestell- Liefer- und Partyservice oder einem nach Kundenwünschen ausgerichteten Sortiment, rät Kalkmann. Über das Internet könnten etwa Bestellungen abgegeben werden, die am Abend abholbereit stünden. Dafür sei aber eine große Stammkundschaft notwendig. “Wenn sie den Service nur für 20 Kunden pro Woche machen, kann davon keiner leben.“

Zu dem Job gehöre auch eine Portion Herzblut, da der Zeitaufwand enorm sei. “Das wollen heute immer weniger auf sich nehmen.“ Händler mit Migrationshintergrund seien im Vorteil, weil sie oft eine größere Familie hätten, die mithelfe. Etwa die Hälfte der kleinen Geschäfte würde heute von Menschen mit ausländischen Wurzeln betrieben. Kalkmann: “Meistens ist die Leistungsbereitschaft einfach höher.“

dpa

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