Chinesischer Gigant

Technik-Riese Huawei im Fadenkreuz: Die Bedrohung aus dem Reich der Mitte

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Wächst und wächst: das chinesische Technologie-Unternehmen Huawei. Wegen Sicherheitsfragen steht Huawei nun im Fokus.

Der chinesische Technikkonzern Huawei steht im Zentrum eines Konflikts mit den USA und der EU. Es geht darum, ob sicherheitsrelevante Daten über Huawei beim chinesischen Staat landen könnten. Aber auch darum, wie man der starken chinesischen Konkurrenz begegnet.

Siemens und Alstom wollten deshalb fusionieren, was die EU verbot – aus Wettbewerbsgründen.

US-Botschafter bei EU schwingt verbale Keule

Der EU-Botschafter der Vereinigten Staaten schwang erst jüngst die verbale Keule. Von den Entscheidungen der EU hänge ab, „ob heimtückische fremde Mächte die Kontrolle über Ihre Kommunikationswege übernehmen“, sagte Gordon Sondland in Brüssel. Konkret ging es um den chinesischen Technikriesen Huawei. Sondland warnte davor, Mobilfunk- und Datentechnik bei Huawei zu bestellen. An dem Konzern entzünden sich derzeit weltweit Konflikte. Es geht um die Angst vor Spionage und um Marktmacht.

Deutschland ist ganz aktuell betroffen über den anstehenden Aufbau des neuen Mobilfunknetzes 5G. Ein Drittel der weltweiten Internetverbindungen läuft heute schon über Huawei-Geräte. Huawei verkauft Smartphones, Mobilfunkantennen, Internetknoten, Glasfaser- und Unterseekabel und sonstige Technik, die Menschen datentechnisch verbindet. Der Konzern gehört zu den wichtigsten Technik-Partnern der drei deutschen Mobilfunkanbieter Telekom, Vodafone und Telefónica. Huawei- Technik würde also maßgeblich im 5G-Netz verbaut.

Bund berät zu 5G-Netz

Nun aber gibt es Warnungen. Das Mobilfunknetz der neuen Generation sei Teil der kritischen Infrastruktur, heißt es bei deutschen Sicherheitsbehörden. Es geht die Angst um, Huawei könnte in seiner Technik sogenannte „Backdoors“, also Hintertürchen, einbauen, die sich für Spionage- und Sabotagezwecke nutzen lassen. Als Szenario wird sogar ein „Kill Switch“ für möglich gehalten – die Abschaltung des gesamten Netzes im Falle politischer oder bewaffneter Konflikte. Gestern gab es dazu ein Ministertreffen in Berlin. Im Raum steht, dass Huawei beim 5G-Bau ausgeschlossen werden könnte. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte nach dem Treffen, die Bundesregierung habe noch keine gemeinsame Linie. Generell gehe es darum, Sicherheitsrisiken zu verringern und „wo erforderlich“ auch Maßnahmen zu ergreifen. Die Sicherheit des Netzes sei von „enormer Bedeutung“.

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Vor allem die USA hatten Huawei zuletzt im Visier – und die Tochter des Firmengründers, Meng Wanzhou, angeklagt. Meng soll falsche Angaben über eine Tochtergesellschaft gemacht haben, die wiederum Geschäfte mit dem Iran macht. Außerdem wirft die US-Justiz dem Unternehmen vor, geistiges Eigentum gestohlen zu haben.

Huawei wehrt sich

Huawei wehrt sich vehement. Gründer Ren Zhengfei erklärte, der Erfolg hänge auch vom Vertrauen der Kunden ab. Man wolle das Vertrauen der Regierungen in aller Welt gewinnen. Huawei mit seinen 180 000 Mitarbeitern, davon 2500 in Deutschland, sei kein chinesisches Staatsunternehmen, sondern gehöre über Anteile den Mitarbeitern. Sein Unternehmen spioniere nicht und weise Anordnungen von Regierungen ab, Daten herzugeben oder Hintertüren einzubauen. „Wir würden sicher jede solche Aufforderung ablehnen.“

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Um Vertrauen zu schaffen, hat Huawei in Bonn eigens ein Sicherheitslabor eingerichtet. Dort können der Bund und die Netzbetreiber mithilfe der geheimen Quellcodes von Huawei die Sicherheit der Produkte selbst testen. Ähnliche Einrichtungen gibt es in Großbritannien und Kanada. Tatsächlich gibt es keinen Beweis, dass Huawei seine Nutzer ausspäht.

Das Anlegen von „Hintertüren“ in Netzwerkausrüstung ist gängige Praxis bei Geheimdiensten. Ein Chip mehr oder weniger fällt nicht auf. Für Spione ist es vergleichsweise leicht, ein zusätzliches Teil ins Gerät zu mogeln. Seit den Enthüllungen des Informanten Edward Snowden ist bekannt: Der amerikanische Gemeindienst NSA baut routinemäßig Abhörchips in Router der US-Marke Cisco ein. Dafür gibt es eigene Werkstätten, in denen Spezialisten den Eingriff praktisch spurlos erledigen. Die US-Behörden kennen sich also aus. „Chinesische Unternehmen sind verpflichtet, mit Geheimdiensten zusammenzuarbeiten“, sagte US-Botschafter Sondland. Doch auch er hat bisher keine Beweise für Spionage durch Huawei geliefert.

Apple in Not

Der Konflikt hat eine zweite Facette: Die Angst, von chinesischen Konzernen wirtschaftlich abgehängt zu werden. Huawei ist dafür Symbol, auch weil dem Unternehmen in vielen Bereichen ein Technologievorsprung zugeschrieben wird. Kein Smartphone-Produzent wächst schneller. Nur mit Mühe konnte die US-Firma Apple 2018 ihren zweiten Platz behaupten. Apple verkaufte 200,08 Millionen Smartphones, Huawei 200,06 Millionen. Die Nummer eins blieb der Südkoreaner Samsung mit 292 Millionen Geräten weltweit.

Huawei bietet technisch ausgereifte Smartphones – die deutlich billiger sind als die Kultgeräte von Apple. Es gilt auch nicht mehr als uncool, ein Huawei-Smartphone zu besitzen. Und hinter Huawei wartet mit Xiaomi schon der nächste Konkurrent aus China. Der erst 2010 gegründete Elektronik-Hersteller verkauft in Indien mehr Smartphones als Samsung und drängt ebenfalls auf den europäischen Markt.

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Die Fusion von Siemens und Alstom passt ebenfalls in Bild. Die Fusion sollte ein Gegengewicht setzen zum mächtigen chinesischen Konkurrenten CRRC. Die EU ließ die Fusion aber nicht zu (siehe unten). IG-Metall-Vorstand Jürgen Kerner warnte, Europa dürfe sich nicht selbst schwächen, wolle man im Wettbewerb mit China nicht Verlierer sein (siehe Kasten).

Die USA sind nervös

Die politische Anspannung zeigt sich auch im seit Monaten tobenden Handelsstreit zwischen den USA und China, in dem sich beide Länder, ausgelöst von US-Präsident Donald Trump, gegenseitig mit Strafzöllen überzogen. Die USA fordern mehr Marktzugang in China, eine Verringerung des US-Handelsdefizits, sowie einen besseren Schutz gegen Produktpiraterie und zwangsweisen Technologietransfer für in China tätige US-Unternehmen.

Seit Anfang Dezember herrscht ein 90-tägiger Waffenstillstand. Zuletzt gaben sich beide Seiten optimistisch, eine Lösung zu finden. Das muss bis 1. März gelingen. Trump droht, die Sonderzölle sonst von derzeit 10 auf 25 Prozent zu erhöhen.

WOLFGANG HAUSKRECHT / FINN MAYER-KUCKUK / JÖRG HEINRICH

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Der Druck auf Huawei steigt

Beben in der Smartphone-Branche: Google sperrt Produkte des China-Konzerns Huawei von Updates des Betriebssystems Android aus. Bei den Sanktionen spielt eine schwarze Liste eine Rolle.

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