Telekom-Spitzelaffäre: "Auftrag von ganz oben"

Bonn - In der Telekom-Bespitzelungsaffäre bleibt Ex- Vorstandschef Kai-Uwe Ricke unter Druck. Kam der Spionage-Auftrag etwa aus der Chefetage? Aussagen vor Gericht legen den Verdacht nahe.

Zwei angeklagte Telekom- Mitarbeiter, die mit dem Ausspionieren beauftragt wurden, erklärten vor Gericht, sie seien davon ausgegangen, dass der Auftrag “von ganz oben“ gekommen sei. Das habe ihm der Hauptangeklagte und Ex- Abteilungsleiter für Konzernsicherheit Klaus T. auch so erklärt, sagte einer der Mitarbeiter am Dienstag im Prozess vor dem Bonner Landgericht. Beide Angeklagten hatten - anders als Klaus T. - in dem Fall aber keinen direkten Kontakt mit Ricke.

Klaus T. hatte zuvor ausgesagt, für das von ihm veranlasste Ausspionieren von Telefonaten keinen konkreten und expliziten Auftrag von Ricke erhalten zu haben. Der von Klaus T. eingebundene Mitarbeiter der Konzernsicherheit sagte, dieser habe ihm erklärt, dass es “einen Auftrag aus der 5. Etage“ - der Vorstandsetage - gebe. Es gehe um einen Geheimnisverrat an die Presse.

Dieser Mitarbeiter von Klaus T. wandte sich dann an einen weiteren Telekom-Mitarbeiter, der damals bei der Unternehmenssicherheit von T- Mobile tätig war. Er habe ihm dabei auch erklärt, dass der Auftrag von Ricke komme, sagte dieser dritte mit dem Ausspähen betraute Mitarbeiter. Von daher sei er auch davon ausgegangen, dass es sich um einen rechtmäßigen Auftrag gehandelt habe.

Alle drei Telekom-Mitarbeiter sind wegen Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz angeklagt. Die Ermittlungen gegen Ricke und Ex- Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel waren eingestellt worden. Sie haben stets bestritten, die illegalen Aktionen angezettelt oder von ihnen gewusst zu haben. In den Jahren 2005 und 2006 waren von der Telekom 50 bis 60 Personen, darunter Journalisten, Aufsichtsräte und namhafte Gewerkschafter, über ihre Telefondaten ausspioniert worden. Es sollte herausgefunden werden, wie Unternehmensinterna aus dem Aufsichtsrat an die Presse gelangten.

dpa 

Rubriklistenbild: © dpa

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