Märkte gehen an Edeka

Die wichtigsten Fragen zum Tengelmann-Verkauf

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Der Handelskonzern Tengelmann verkauft seine Supermärkte an den bisherigen Konkurrenten Edeka.

München - Der Handelskonzern Tengelmann will seine Supermärkte an den bisherigen Konkurrenten Edeka verkaufen. Die wichtigesten Fragen zum Deal:

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub: „Wir sehen leider keine Perspektive mehr, unsere Supermärkte aus eigener Kraft zu einem profitablen Unternehmen zu machen.“ Das Supermarktgeschäft schreibe seit Jahren rote Zahlen. Das Mülheimer Unternehmen will die verbliebenen rund 451 Kaiser’s-Tengelmann-Supermärkte bis Mitte 2015 an den Marktführer Edeka übergeben. Über die Frage, wie viel Geld dabei über die Ladentheke geht, wurde Stillschweigen verabredet. Das Kartellamt muss dem Deal noch zustimmen.

Warum sieht sich Tengelmann auf verlorenem Posten?

Mit einem Marktanteil von nur 0,6 Prozent sei die Supermarktkette zu klein, um sich am Markt gegen die großen Konkurrenten wie Edeka oder Rewe behaupten zu können, sagte Haub. Lange Zeit waren die Supermärkte das Herzstück des Familienunternehmens gewesen. Doch in den vergangenen zwei Jahrzehnten entwickelten sie sich immer mehr zum größten Sorgenkind. Seit 15 Jahren sei damit kein Geld mehr verdient worden, hieß es in Mülheim.

Gibt es Tengelmann-Märkte derzeit noch bundesweit?

Nein, Kaiser’s-Tengelmann-Supermärkte sind nur noch in Berlin und Umgebung, in München und Oberbayern und in Teilen Nordrhein-Westfalens zu finden. Der Zusatz „Kaiser’s“ rührt von der Übernahme des Kaffeerösters Kaiser’s Kaffee Geschäft AG im Jahre 1971.

Was würde der Verkauf für die Mitarbeiter bedeuten?

„Eine Zukunftsperspektive“, wie Haub beteuert. Insgesamt sind in den 451 Filialen knapp 16 000 Mitarbeiter beschäftigt. Sie erwirtschafteten zuletzt einen Nettoumsatz von rund 1,8 Milliarden Euro. Edeka teilte mit, die Supermärkte sollten „nach und nach“ an selbstständige Kaufleute übergeben werden. Dadurch erhielten auch die Filialleiter von Kaiser’s Tengelmann GmbH „eine Chance auf Selbstständigkeit unter dem genossenschaftlichen Dach von Edeka“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Markus Mosa. Die Konzentration von Edeka-Märkten in Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen werde dadurch nicht „signifikant zunehmen“.

Welche weiteren Sparten besitzt das Familienunternehmen Tengelmann?

Zum Portfolio von Tengelmann gehören die Textil-Discount-Kette KiK und die Obi-Heimwerkermärkte. Außerdem war Tengelmann unter Haubs Führung einer der Vorreiter beim Ausbau des Online-Handels. So gehört zur Unternehmensgruppe der Online-Händler baby-markt.de. Aber auch am Börsenneuling Zalando ist Tengelmann seit geraumer Zeit beteiligt.

Was gehört außer den Supermärkten zum Verkaufspaket?

Die Online-Tochter Tengelmann E-Stores mit den Verkaufsportalen Plus.de und GartenXXL.de, die in das Online-Geschäft der Edeka-Tochtergesellschaft Netto Marken-Discount integriert werden soll. Unter dem Dach von Netto habe der Online-Shop von Tengelmann „deutlich größere Marktchancen als heute“, so Haub.

Wie alt ist Tengelmann?

Das Familienunernehmen wurde 1867 in Mülheim/Ruhr gegründet und wird derzeit in fünfter Generation von der Familie geführt. Der ehemalige Lehrling Wilhelm Schmitz-Scholl baute den Kolonialwarenhandel aus, in dem er ausgebildet worden war. Seine Söhne benannten das wachsende Verkaufsunternehmen nach ihrem Prokuristen Emil Tengelmann.

Welche Geschichte hat Edeka?

Die Gruppe entstand 1898 als Zusammenschluss von 21 Einkaufsvereinen. Der Name E. d. K. ist die Abkürzung für „Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwahrenhändler“. Seit der Übernahme der Spar Handelsgesellschaft 2005 und des Netto Marken-Discounters 2006 ist die Gruppe der größte Lebensmitteleinzelhändler. Ob über den ehemaligen Supermärkten der Kaiser’s-Tengelmann GmbH künftig der Edeka-Schriftzug prangen wird, wollte ein Edeka-Sprecher nicht sagen. Man wolle der Entscheidung des Bundeskartellamts nicht vorgreifen.

Wird das Kartellamt dem Besitzerwechsel zustimmen?

Eine Selbstverständlichkeit ist das jedenfalls nicht. Das Kartellamt hatte angesichts der Marktkonzentration im Lebensmittelhandel erst vor wenigen Wochen angekündigt, künftig jeden Erwerb eines Lebensmitteleinzelhändlers durch die Marktführer wie Edeka oder Rewe einer vertieften Prüfung zu unterziehen. Schon jetzt kommen Edeka, Rewe, Aldi sowie die Schwarz-Gruppe mit den Lidl-Märkten und Kaufland zusammen auf einen Marktanteil von rund 85 Prozent.Die Edeka-Tochter Netto hatte 2008 bereits den Lebensmitteldiscounter Plus von der Unternehmensgruppe Tengelmann übernommen. 2300 Filialen kaufte Netto selbst und wandelte sie um. Als Auflage des Kartellamts mussten jedoch rund 300 Filialen abgetreten werden, wofür Rewe mit seiner Discount-Tochter Penny den Zuschlag bekam.

BW

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