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Tengelmann: So steht es um die Filialen in Bayern

Insgesamt 192 Tengelmann-Filialen gibt es derzeit in Oberbayern. Wie es mit der Supermarktkette weitergehen wird, ist nicht klar.

München - Der Streit um die Tengelmann-Filialen geht weiter. Weiterhin sind tausende Jobs in Gefahr - auch in Bayern. Hier sehen sie welche Filialen in Oberbayern betroffen sein könnten.

Bundesweit arbeiten rund 15.000 Menschen für Kaiser‘s Tengelmann in über 400 Filialen.

In Oberbayern beschäftigt die Supermarkt-Kette rund 4900 Menschen 

  • im Zentrallager in Eching (Landkreis Freising)
  • in der Logistik und Verwaltung
  • in 192 Filialen

Nun droht die Zerschlagung von Tengelmann: Welcher Konzern die Filialen übernehmen wird, ist nicht klar.

Warum darf Edeka die Tengelmann-Filialen nicht übernehmen?

Karl Erivan-Haub ist Miteigentümer der Supermarkt-Kette Tengelmann. Laut Haub ist Tengelmann monatlich mit fast zehn Millionen Euro in den roten Zahlen. „Kaiser‘s Tengelmann“ und Edeka haben bereits vor zwei Jahren beschlossen, dass Edeka die angeschlagene Supermarktkette übernehmen soll.

Doch zunächst verbot das Bundeskartellamt die Komplettübernahme. Dann ein Lichtblick im März 2016: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) erteilte eine Sondergenehmigung. Gabriel begründete seine Entscheidung, dass der Erhalt von Arbeitsplätzen bei Kaiser‘s Tengelmann wichtiger sei als die Bedenken des Kartellamts.

Daraufhin klagten allerdings die Supermarktketten Rewe, Norma und Markant. Auch zwei Krisengipfel zwischen den Chefs von Tengelmann, Edeka und Rewe und Vertretern der Gewerkschaft Verdi brachten keine Lösung.

Die Konsequenz daraus ist, dass nun Tausenden Tengelmann-Mitarbeitern die Kündigung droht. Tengelmann-Chef Haub rechnet derzeit mit 8000 gefährdeten Stellen, weil sich vermutlich nicht für alle Tengelmann-Märkte ein Käufer findet.

Norma zieht die Klage gegen Edeka-Übernahme zurück

Die Discounterkette Norma erklärte die Klage gegen die Ministererlaubnis zurückzuziehen. Sie habe zwar „weiterhin kartellrechtliche Bedenken“. Doch wolle Norma einer Einigung im Interesse der Beschäftigen von Kaiser‘s Tengelmann nicht entgegenstehen, hieß es in einer Erklärung des Unternehmens.

Daraufhin sprach die Gewerkschaft Verdi von einem wichtigen Signal für die Tengelmann-Mitarbeiter: Es bleibe zu hoffen, dass weitere Verabredungen folgen. Denn die Klagen gegen die Edeka-Übernahme von Rewe und Markant bestünden weiterhin. 

Schließlich entschloss sich auch Markant, die Klage gegen die umstrittene Ministererlaubnis zurückzuziehen.

Rewe hält jedoch weiterhin an seiner Klage fest.

Das Hauptproblem:

- Tengelmann-Chef Haub bevorzugt ganz klar eine Gesamtübernahme aller Filialen durch Edeka. Das sei laut Haub die einzige Chance alle Arbeitsplätze zu erhalten

- Rewe fordert die faire Aufteilung der Tengelmann-Filialen

Tengelmann wiederum verschickte bereits die ersten Listen mit zum Verkauf stehenden Filialen.

Bekommt nun Rewe einige Kaiser‘s Tengemann-Filialen? Einige Tengelmann-Märkte könnten auch an den Kölner Einzelhandelsriesen gehen, wie die „Bild am Sonntag“ berichtete. Rewe-Chef Alain Caparros betonte, dass Tengelmann-Beschäftigte bei einer Übernahme durch Rewe weiter fünfjährigen Kündigungsschutz hätten.

Welche Filialen werden in Deutschland schließen?

Kaiser‘s Tengelmann schreibt bereits seit dem Jahr 2000 rote Zahlen.

Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub hat bereits Listen verschickt, welche Filialen in Nordrhein-Westfalen geschlossen werden. Nordrhein-Westfalen gilt als Haubs großes Sorgenkind: „Ich wäre froh, wenn wir für 30 bis 40 Filialen Supermarktbetreiber finden könnten“, sagte der Tengelmann-Eigentümer kürzlich der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. 

Insgesamt gibt es in NRW 107 Geschäfte mit rund 3500 Mitarbeitern. Laut Focus sollen 18 Supermärkte in NRW bereits zum Jahresende oder im nächsten Jahr schließen. 16 weitere wurden schon im Laufe dieses Jahres geschlossen. Außerdem soll Edeka weitere 46 Filialen in NRW übernehmen und will diese unter der Discounter-Marke Netto weiterführen. Dieser Deal steht wegen der Klagen gegen die Ministererlaubnis nun allerdings auf der Kippe.

Die Situation der Tengelmann-Geschäfte in Bayern

Der Verkauf der Filialen in Berlin und München beginnt laut Haub erst Anfang nächsten Jahres.

Für die Filialen in der Münchner Region sieht Dominik Datz von der Gewerkschaft Verdi in eine positivere Zukunft: Denn in den vergangenen Jahren hat der Lebensmitteleinzelhandel in München expandiert und Tengelmann ebenso investiert. 

München sei eine boomende Region 

- mit hoher Kaufkraft und 

- wachsender Nachfrage durch Zuzug

Die Chancen auf den Erhalt der Arbeitsplätze in den Tengelmann-Filialen seien deshalb in München besser als im Rheinland.

Zudem betont Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern, dass es in München weniger Supermärkte gebe als in anderen Regionen: „Auf einen Einwohner kommen in München nur 0,3 Quadratmeter Verkaufsfläche. Das liegt unter dem Bundesdurchschnitt.“

In Stadtgebiet München kommt Tengelmann sogar auf 14 Prozent Marktanteil.

Gibt es doch eine Lösung im Streit um Tengelmann?

Die Positionen der Parteien im Konflikt um die Tengelmann-Filialen schienen festgefahren. Nun kehren die Beteiligten an den Verhandlungstisch zurück - für ein Schlichtungsverfahren. 

Dafür haben sich Edeka, Tengelmann und Rewe auf Gerhard Schröder als Schlichter geeinigt. Unterstützt wird er vom langjährigen Vorsitzenden des Sachverständigenrates, Bert Rürup. Auch werden die Vorstandsvorsitzenden von Edeka, Tengelmann und Rewe an den Verhandlungen teilnehmen. Außerdem bemüht sich Sigmar Gabriel weiter um die Rettung von Kaiser‘s Tengelmann.

Was ist das Ziel der Verhandlungen?

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat Anfang März bereits eine Sondergenehmigung für die Übernahme von Kaiser‘s Tengelmann durch Edeka erteilt. 

Damit waren Norma, Rewe und Markant nicht einverstanden. Nun wollen Edeka, Tengelmann und Rewe auf Grundlage der Ministererlaubnis einen Interessensausgleich aushandeln

"Für die Dauer des Verfahrens wird keine Übergabe von Tengelmann-Filialen an Dritte erfolgen und ist zwischen den Parteien Stillschweigen vereinbart", hieß es in der Ankündigung des Schlichtungsverfahrens. Damit ist die Zerschlag ung der Tengelmann-Kette vorerst gestoppt.

Allerdings kann Edeka alle Tengelmann-Filialen solange nicht übernehmen, bis der Einzelhandel-Riese Rewe seine Beschwerde gegen die Ministererlaubnis zurücknimmt. 

Doch die Hürden für eine Einigung mit dem Rewe-Chef Alain Caparros scheinen weiterhin hoch. Falls sich die Beteiligten nicht einigen können, beginnt Abverkauf der einzelnen Tengelmann-Filialen.

Inzwischen erwägt auch die Discounter-Kette Lidl die Übernahme von einzelnen Kaiser‘s Tengelmann-Märkten. Lidl entschloss sich dazu erst nachdem die mögliche Zerschlagung der Supermarktkette bekannt wurde. An einer kompletten Übernahme der Kaiser‘s Tengelmann-Märkte wäre Lidl aber nicht interessiert.

Auch die bayerischen Tengelmann-Filialen könnten in Zukunft wohl von einem anderem Konzern betrieben werden.

Mit Informationen der dpa

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