Test: Wie gesund Bio wirklich ist

Bio-Lebensmittel sind nicht immer besser als herkömmliche. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest in ihrer neuesten Studie. Die Stärken und Schwächen von Bio-Waren.

In einer Langzeitanalyse hat Stiftung Warentest herkömmliche und Bio-Lebensmittel miteinander verglichen. In die Statistik flossen die Qualitätsurteile aus 85 Tests in den vergangenen acht Jahren ein. Die Ergebnisse hätten keine Hinweise darauf geliefert, dass Bio-Ware gesünder oder schmackhafter ist als konventionelle. Auf beiden Seiten habe es „sehr gute“, aber auch „mangelhafte“ Produkte gegeben – und das in recht ausgewogenem Maße, heißt es in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift „test“.

Bei Obst ist Öko im Vorteil

Verbraucher können frischem Bio-Obst, Bio-Gemüse und Bio-Tee vertrauen, sagt Stiftung Warentest. In 75 Prozent dieser Produkte seien seit 2002 keine Pestizide nachweisbar gewesen. „So sauber waren nur 16 Prozent der konventionellen Ware“, so das Ergebnis der Tester.

Vollmilch und Würzöle überzeugen

Zwei Bio-Produktklassen haben die konventionelle Konkurrenz seit 2007 in zwei Tests übertrumpft: Frische Vollmilch und Würzöle. Bei der Milch schnitten sechs der sieben Bio-Marken mit „gut“ ab. Im Vergleich: Bei den konventionellen Milchmarken waren es fünf von zwölf, berichtet Stiftung Warentest. Auch die Bio-Würzöle, die zum Beispiel zum Verfeinern von Salaten verwendet werden schnitten im Vergleich zur Konkurrenz mit „gut“ ab.

Wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin

Bei ihren Untersuchungen haben sich für die Tester kaum Zweifel ergeben, dass wo Bio draufsteht, auch wirklich Bio drin ist. So sind in keinem Bio-Produkt aus pflanzlichen Zutaten Rückstände von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen worden. Auch bei der Bio-Vollmilch hatten die Tester nichts zu kritisieren. Die Kühe wurden nach Öko-Vorschrift mit viel Gras gefüttert.

Bio-Produzenten tun was für die Umwelt

Wer in einen Bio-Apfel beißt, tut etwas für die Umwelt. Die Tests haben gezeigt, dass Bio-Anbieter ihre soziale und ökologische Verantwortung ernst nehmen. So kannten die drei getesteten Anbieter von Bio-Schinken beispielsweise die ganze Herstellungskette und nehmen laut Stiftung Warentest auch Einfluss darauf. Das war nur bei einem von 22 konventionellen Schinkenanbietern der Fall

Schlechte Noten für Babymenüs

Bio überzeugte die Tester nicht immer mit Qualität. 13 untersuchte Babymenüs waren zwar keimfrei, sie enthielten haben zu wenig Vitamin C und Fett. Die beste Note, die die Tester vergaben, war „befriedigend“.

Rapsöle schmecken oft ranzig

In der Studie wurden die Lebensmittel auch auf ihren Geschmack und Geruch hin getestet. Die Bio-Rapsöle fielen durch. Sie rochen und schmeckten „holzig-strohig, stichig-modrig oder ranzig“, schreibt Stiftung Warentest. Manche Bio-Produkte haben eine andere Rezeptur als konventionelle. Das wirkt sich laut Stiftung Warentest auf den Geschmack aus. So schmeckt der Wels im Bio-Fischstäbchen anders als der sonst übliche Seelachs.

Öko ist bis zu 50 Prozent teurer

Der Verzicht von Pestiziden und Massentierhaltung bedeutet für den Öko-Landwirt mehr Handarbeit, teures Futter und weniger Erträge. Das hat seinen Preis: Bio-Ware kostete seit 2007 im Durchschnitt meist 30 bis 50 Prozent mehr als herkömmliche Lebensmittel. Nur bei Olivenöl, Bitterschokolade und Eisbergsalat ähnelten sich die Preise.

Reaktionen auf den Bio-Check

Dr. Hans-Jürgen Reents vom Lehrstuhl für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausystem an der TU München steht den Testergebnissen kritisch gegenüber. Die Inhaltsstoffe, die in den Tests untersucht wurden, werden aus wissenschaftlicher Sicht als gesundheitsfördernd bzw. gesundheitsschädlich angesehen. Eine umfassende Aussage, wie sie hier getätigt wird, könne eigentlich nur durch Untersuchung am Menschen gemacht werden. Dafür gibt es aber bisher nur erste einfache Ansätze.

Stephan Paulke, Vorstandsvorsitzender der Bio-Supermarktkette basic, kann das Test-Ergebnis nicht nachvollziehen. „Die Fakten rechtfertigen das Urteil nicht.“ Keine Pestizidbelastung, umweltverträgliche Produktion und artgerechte Tierhaltung, das alles würde eindeutig für Bio sprechen. Kritik übt der Vorstandsvorsitzende an den Bewertungskritierien. Beispiel Sensorik: „Der natürliche Geschmack darf nicht zu einer Abwertung führen“, ärgert sich Paulke.

Kritik gab es auch vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. „Nährstoffgehalte und Rückstandsfreiheit sind nicht alles, was den Gesundheitswert eines Lebensmittels ausmacht.“ Zur Gesundheit des Menschen gehöre, dass die Lebensmittel umwelt-, tier- und ressourcenschonend erzeugt werden. „Individuelle Gesundheit ist nur in einer gesunden Umwelt möglich.“

Mieke Meimbresse

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