Technisches Wettrüsten

So tricksen die Kartenbetrüger heute

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München - Immer weniger Deutsche zahlen bargeldlos, doch das zieht Betrüger an. Banken und Geschäfte setzten neue Sicherheitsmaßnahmen dagegen, aber die Verbrecher schlafen nicht.

Immer mehr Deutsche zahlen dem Handelsverband Deutschland zufolge einfach mit Debit- oder Kreditkarten, beim Online-Shopping ist es zudem oft die einzige Bezahlmethode. Ein technisches Wettrüsten gegen die Kartenbetrüger ist entbrannt.

Was hat sich geändert?

Ein Riesen-Erfolg im Kampf gegen Kartenbetrug war die Einführung des EMV-Chips, der mittlerweile in Mittel- und Westeuropa auf 81,6 Prozent aller Bezahlkarten angebracht ist. Der Chip ist kaum zu kopieren, anders als die alten Magnetstreifen.

Die Folge: Das Skimming, das Kopieren von Karten etwa durch Lesegeräte an Geldautomaten, ist in Deutschland stark zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 2014 ist der Deutschen Kreditwirtschaft zufolge der Skimming-Schaden im Vergleich zum Vorjahr um 83 Prozent auf 1,4 Millionen Euro gesunken.

Wo schlagen die Kartenbetrüger heute zu?

Aktuell gehe die größte Gefahr von der „CNP - Card not present“-Betrügerei im Internet aus, sagte Martin Warwick, Experte für Kartenbetrug, dem Handelsblatt. Warwick arbeitet bei dem US-Unternehmen Fico, welches auf Betrugsbekämpfung spezialisiert ist. Die Verbrecher brauchen keine Karten in die Hände zu bekommen – sie brauchen nur Informationen wie Kontodaten oder Kreditkartennummern.

Die bekommen sie meist entweder durch Spähprogramme auf den Rechnern der Opfer oder durch das „Phishing“: Sie geben sich, etwa in E-Mails, als die Bank der Opfer oder eine andere seriöse Institution aus und fragen Daten ab. Das ist nicht neu, wird aber derzeit verstärkt eingesetzt.

Wie schütze ich mich?

Sensible Daten nur vertrauenswürdigen Geschäften oder Personen geben. Fragwürdige E-Mails löschen, deren Anhänge nicht öffnen. Bei öffentlichen Rechnern und W-Lan-Zugängen keine wichtigen Daten eingeben. Wenn Sie Zweifel haben, ob eine Anfrage berechtigt ist: Rufen Sie Ihre Bank an.

Was kann ich tun, wenn ich Opfer wurde?

Sofort die Bank informieren. Lastschriftverfahren lassen sich binnen acht Wochen rückgängig machen. Meist bekommt man sein Geld zurück. Ausnahme: Ungewollte Überweisungen lassen sich schwer nachweisen.

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