tz-Lohnreport

Wohin geht die Tarif-Reise? Ein Überblick

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Die IG Metall fordert für die Beschäftigten bis zu fünf Prozent mehr Lohn.

München - Die IG Metall fordert bis zu fünf Prozent mehr Lohn, die Arbeitgeber stellen sich dagegen. Ein Überblick über den aufkommenden Tarifstreit.

Das kann ja heiter werden: Die IG Metall fordert für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie bis zu fünf Prozent mehr Lohn – die Arbeitgeber kontern diese Forderung dagegen mit dem Wunsch nach „Vernunft“. Darunter verstehen sie „Augenmaß beim Lohn, mehr Flexibilität und sichere Arbeitsplätze“ – bis auf den letzten Punkt werden sich wenig Anknüpfungspunkte für die Verhandlungen mit der IG Metall finden. Am 16. März treffen sich Gewerkschafter und Arbeitgeber zur ersten Verhandlungsrunde in Nürnberg – am 28. April endet dann die Friedenspflicht:

Was fordert die IG Metall? 
Bisher liegt lediglich eine Empfehlung des IG-Metall-Vorstands vor. Zwischen 4,5 und 5 Prozent fordert die Gewerkschaft für die Beschäftigten. Damit bleibt sie deutlich unter dem Niveau aus dem Vorjahr, als sie noch 5,5 Prozent mehr Geld und Arbeitszeitverkürzungen verlangt hatte.Wird heuer auch über Arbeitszeiten verhandelt? Nein, es handelt sich um eine reine Lohnrunde. Das sei weder ein besonderer Vorteil noch ein Nachteil, meint vbw-Chef Brossardt. „Man kann mit qualitativen Maßnahmen natürlich einen Kompromiss bei der Lohnsteigerung kompensieren“, erklärt Brossardt. Allerdings bedeute dies meist langfristige Kosten für die Unternehmen.

Was erwarten die Arbeitgeber? 
Ihr Motto für die diesjährige Tarifrunde: „Vernunft“. Allerdings dürften sie unter Vernunft etwas anderes verstehen als die Verhandlungspartner von der IG Metall. Auf eine konkrete Zahl wollte sich Brossardt dann auch nicht festlegen. Allerdings blickt die vbw mit Sorgen in die Zukunft: „Wir erleben eine schwächere Weltkonjunktur, eine seit Jahrzehnten nicht mehr gekannte Unsicherheit aufgrund geopolitischer Krisen“, so Brossardt. Das Hauptproblem seien aber die hohen Lohnstückkosten in der Branche.

Wie war der letzte Abschluss?
Vor einem Jahr hatten die Beschäftigten allen Grund zum Jubeln. 3,4 Prozent mehr gab es nach den letzten Verhandlungen. „Die letzten Tarifabschlüsse lagen deutlich über dem Verteilungsspielraum“, klagt Brossardt. Er meint, dass die Produktivität mit den Lohnsteigerungen nicht mithalten könne. Während die Tarifentgelte seit 2008 um gut 20 Prozent gestiegen seien, habe die Produktivität der Metall- und Elektroindustrie im selben Zeitraum lediglich um zwei Prozent zugelegt. Besonders der letzte Abschluss ist Brossardt ein Dorn im Auge. „Das ging für viele Unternehmen an die Grenze der Belastbarkeit und darf sich nicht wiederholen“, so der vbw-Chef. Seine Drohung: Sollte der Abschluss erneut kräftige Lohnsteigerungen vorsehen, dann könnten sich viele Betriebe dazu entschließen, die Tarifbindung zu verlassen.

Welche Strategie fährt die IG Metall? 
Die Gewerkschaft hat eine neue Taktik im Arsenal. Nach einer Satzungsänderung im vergangenen Oktober kann der Vorstand ohne vorherige Urabstimmung „Tagesstreiks“ über 24 Stunden in einzelnen Betrieben ausrufen und den Teilnehmern dafür sogar Streikgeld zahlen. Das ist bei den hergebrachten, regionalen Warnstreiks bislang nicht möglich. Die Gewerkschaft verfügt damit im Arbeitskampf über eine weitere Eskalationsstufe zwischen Warnstreiks und regulärem Streik. Gezielt will die Gewerkschaft zudem tarifungebundene Unternehmen angreifen, die ihre Beschäftigten zwar vielleicht sogar nach Tarif bezahlen, in ihren Arbeitgeberverbänden aber lediglich Mitglied ohne Tarifbindung sind. Bundesweit habe man sich dafür 300 bis 500 Betriebe ausgeguckt. Es handelt sich vor allem um mittlere Betriebe zwischen 500 und 1000 Beschäftigten, in denen überdurchschnittliche Renditen erzielt würden. „Für nicht tarifgebundene Betriebe gilt auch keine Friedenspflicht“, sagt IG-Metall-Chef Jörg Hofmann.

Tarifverhandlungen 2016 – hier wird heuer verhandelt

Branche

Forderung

Mitarbeiter

Kündigungstermin

Holz-und Kunststoff verarbeitende Industrie

IG Metall fordert 5,0 % mehr Lohn und Gehalt bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Zusätzlich flächendeckend Tarifverträge zur Altersteilzeit sowie – soweit noch nicht geregelt – Übernahmeregelungen für Ausgebildete.

174.300

31. Dezember 2015

Redakteure an Tageszeitungen

Die Gewerkschaften fordern ein Plus von 5,0 Prozent. Die erste Verhandlungsrunde ist in der vergangenen Woche ergebnislos zu Ende gegangen.

13.000

31. Dezember 2015

Deutsche Telekom AG

ver.di fordert 5,0 %. Außerdem eine Komponente zur überproportionalen Anhebung der unteren Gruppen, Laufzeit: 12 Mon., die Verlängerung des Ausschlusses betriebsbedingter Beendigungskündigungen und die Erhöhung der Ausbildungsvergütungen, der Vergütungen für dual Studierende sowie der Einmalprämie für Beschäftigte in der Einstiegsqualifizierung um jeweils 60 €. Verhandlungsauftakt: 24. Februar.

50.800

31. Januar 2016

Hotel- und Gaststättengewerbe (Bayern)

Tarfipolitische Empfehlung des Hauptvorstands der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG): Gehaltsplus von 4,5 bis 5,5 % im Jahr 2016. Laufzeit: 12 Monate.

131.600

31. Januar 2016

Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau

Zweite Tarifrunde ohne Ergebnis am 28. Januar beendet. Die nächste Verhandlung ist für den 1. März verabredet worden.

68.000

31. Januar 2016

Glaserhandwerk (Bayern)

Verhandlungen sind gestern erfolgreich zu Ende gegangen. In Bayern soll ab 1. März 2016 eine Ecklohnerhöhung von 2,1 Prozent auf 14,60 Euro und ab 1. März 2017 eine weitere Erhöhung um 2 Prozent auf 14,89 Euro gelten und wirksam werden. Die Laufzeit beträgt 24 Monate

3.000

29. Februar 2016

Öffentlicher Dienst (Bund und Gemeinden)

Am 18. Februar 2016 will die Gewerkschaft ihre Tarifforderungen bekannt geben. Die Tarifverhandlungen selbst beginnen im März.

2.443.000

29. Februar 2016

Metall- und Elektroindustrie

Noch keine endgültige Forderung. Der IG Metall-Vorstand hat aber für die weitere Diskussion einen Forderungsrahmen von 4,5 bis 5,0 % bei einer Laufzeit von 12 Monaten beschlossen. Der Beschluss der endgültigen Forderungen ist für den 29.02.16 vorgesehen.

3.532.600

31. März 2016

Druckindustrie

Im Laufe des Monats soll die Tarifkommission zusammenkommen und eine Forderung aufstellen.

144.700

31. März 2016

Brot- und Backwarenindustrie

Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert ein Gehaltsplus von 4,5 bis 5,5 % im Jahr 2016. Laufzeit: 12 Monate.

12.800

31. März 2016

Bauhauptgewerbe

noch kein Forderungen bekannt.

699.000

30. April 2016

Volkswagen AG

noch keine Forderungen bekannt.

110.000

31. Mai 2016

Öffentlicher Dienst (Sparten-Tarifvertrag „Nahverkehr“ Bayern)

noch keine Forderungen bekannt.

6.500

31. Mai 2016

Chemische Industrie

noch keine Forderungen bekannt.

268.300

31. August 2016

Deutsche Bahn AG

noch keine Forderungen bekannt.

134.000

30. September 2016

Privates Verkehrsgewerbe (Bayern)

noch keine Forderungen bekannt.

111.100

30. September 2016

Papier und Pappe verarbeitende Industrie

noch keine Forderungen bekannt.

71.500

31. Oktober 2016

Öffentlicher Dienst (Länder)

noch keine Forderungen bekannt.

899.600

31. Dezember 2016

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