Luxuswagen, Fahrer, Miete inklusive

Die üppigen Extras der Staatsbanker

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Von links:  Ulrich Schröder, Günther Bräunig, Bernd Loewen und Axel Nawrath

München - Ein vertrauliches Papier listet auf, welche Annehmlichkeiten sich die Staatsbanker der KfW leisten – auf Kosten der Steuerzahler. Bis zu 107.000 Euro zusätzlich können da zusammenkommen!

Sie leiten die drittgrößte Bank Deutschlands, die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), und werden dafür vom Steuerzahler reichlich entlohnt. Ein vertrauliches Papier aus dem Bundeswirtschaftsministerium, über das die BamS zuerst berichtet hatte, listet auf, welche Annehmlichkeiten sich die Staatsbanker noch leisten – auf Kosten der Steuerzahler. Bis zu 107.000 Euro zusätzlich können da zusammenkommen!

So zahlt die KfW die Hälfte der Kosten für eine „angemessene privatrechtliche Krankenversicherung“ nicht nur für das Vorstandsmitglied selbst, sondern auch für Ehegatten und Kinder des Vorstands. Dabei hatte Vorstand Bernd Loewen offenbar gut verhandelt: „Es war notwendig, für Herrn Loewen eine angemessene Lösung zu finden, nachdem er einen Großteil seines Berufslebens im Ausland verbracht hatte und bei Neuabschluss einer privaten Kranken- und Pflegeversicherung aufgrund seines hohen Eintrittsalters entsprechende Versicherungsbeiträge entrichten muss“, heißt es im fürsorglichen Ton in der Aufstellung des Wirtschaftsministeriums.

Praktisch: „Die Vorstände sind von der gesetzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung befreit.“ Diese Beiträge sorgen für einen Großteil des Unterschieds zwischen Brutto und Netto bei normalen Arbeitnehmern. Trotzdem ist für die Staatsbanker gesorgt: Sie profitieren von der üppigen Altersversorgung durch die KfW.

Natürlich ist ein Dienstwagen für die Vorstandsriege Standard. Ein wenig was hermachen sollte das Fahrzeug schon, für Vorstand Loewen ist ein Fahrzeug „max. Audi A8, Mercedes S-Klasse, BMW 7er bzw. vergleichbare Fahrzeugklasse“ vorgesehen. Bankchef Schröder hat sich für einen Audi A8 entschieden. Doch das Beste kommt noch. Zusätzlich zum schicken Auto können sich die Bank-Bosse über einen Fahrer freuen, der ihnen rund um die Uhr, „auch außerhalb der dienstlichen Tätigkeit, zur freien Verfügung“ steht. Ein kleiner Wermutstropfen: „Die Steuern für den nach steuerlichen Vorschriften zu berechnenden geldwerten Vorteil für die Benutzung des Dienstwagens für Privatfahrten trägt der Vorstand.“ Aber: Für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte erstattet die KfW die anfallenden Steuern.

Weitere Zuckerl: Die Bank trägt die Kosten einer Mietwohnung am Dienstort, wenn eine doppelte Haushaltsführung notwendig wird. Die Steuern auf den geldwerten Vorteil gibt’s noch obendrauf! Gut versichert sind die Staatsbanker auch – um den Vorstand mit den übrigen KfW-Mitarbeitern gleichzustellen, sind auch sie in der Gruppenunfallversicherung für alle Mitarbeiter mitversichert. Zusätzlich hat die KfW eine D&O-Versicherung für seinen Vorstand abgeschlossen. Dabei handelt es sich um eine Manager-Haftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von 25 Millionen Euro pro Jahr. „Eine Selbstbeteiligung existiert derzeit nicht“, heißt es.

Das Paket lohnt sich: Für Axel Nawrath springen so Nebenleistungen im Wert von 107.000 Euro zusätzlich raus. Und rechnet man die 680.000 Euro Grundgehalt vom KfW-Boss mit seinen 250.000 Euro Bonus und den knapp 100 000 Euro Nebenleistungen zusammen, kommt man auf stolze 1,028 Millionen Euro Jahresgehalt.

 

1 028.000 Euro: Ulrich Schröder ist Chef der KfW und damit für die Konzernsteuerung zuständig

560.600 Euro: Edeltraud Leibrock ist im KfW-Vorstand für Organisation und IT verantwortlich

663.900 Euro: Günther Bräunig verantwortet die Felder Kapitalmarkt, Personal und Recht

721.100 Euro: Norbert Kloppenburg kümmert sich um internationale Finanzierungen

560.800 Euro: Bernd Loewen leitet die Abteilungen Risiko und Rechnungswesen

605.300 Euro: Axel Nawrath ist Umweltvorstand und betreut die inländischen Finanzierungen

 

Die KfW-Bank und die Lehman-Überweisung

Am 15. September 2008 hat sich die KfW-Bank einen Titel erworben, den sie so schnell nicht wieder los wird: „Deutschlands dümmste Bank“ , hatte die Bild damals getitelt. Die Auszeichnung hatte sich die Staatsbank redlich verdient: Am Morgen des 15. Septembers hatte sie der Investmentbank Lehman Brothers knapp 320 Millionen Euro überwiesen. Das Problem: Lehman hatte in der Nacht zuvor Insolvenz angemeldet, das Geld war also futsch!

Eigentlich sollte es sich um ein sogenanntes Devisenswapgeschäft handeln. Vereinbart war eine Gegenzahlung von 500 Millionen Dollar – doch die Lehman-Konten waren für Auszahlungen längst gesperrt.

Solche Währungstauschaktionen gelten ohnehin als besonders sensibel. Denn: Zuerst überweist die eine Seite, dann die andere. Für die Probleme bei Lehman hatte sich bei der KfW über das Wochenende offenbar niemand interessiert. Schon ab 21.30 Uhr am Vorabend hatten Derivatehändler eine Insolvenz von Lehman nicht mehr ausgeschlossen. Um 7.47 Uhr unserer Zeit hatte Lehman dann in New York die Insolvenz beantragt. Um 8.02 Uhr wird bei der KfW die Zahlung von 319.362.297,36 Euro freigegeben. Die Bundesbank, kontoführendes Institut der KfW, gibt den Auftrag dann sogar noch mal zurück, weil das KfW-Konto die erforderliche Deckung nicht aufweist. Die KfW überweist sogar noch Geld, damit die Überweisung funktioniert, um 8.55 Uhr sind die 320 Millionen Euro dann endgültig bei Lehman angekommen. Zuvor war die KfW wegen ihrer fast zehn Milliarden Euro großen Beteiligung an der ruinierten Mittelstandsbank IKB in die Schlagzeilen geraten.

 

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