Umtausch ohne Kassenzettel? Ihre Rechte beim Einkauf

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Beim Einkauf im Geschäft gilt das zweiwöchige Widerrufsrecht nicht. Hier kommt es auf die Kulanz des Händlers an

München - Was, wenn das neue T-Shirt zu Hause nicht mehr gefällt? Oder der Fernseher den Geist aufgibt? Kann ich ohne Kassenzettel etwas umtauschen? Ihre Rechte beim Einkauf.

Immer wieder erreichen das Team des tz-Bürgeranwalts Dietmar Gaiser Fragen rund um das Thema Rückgaberecht und Reklamation beim Einkaufen. Was, wenn das neue T-Shirt zu Hause nicht mehr gefällt? Oder der Fernseher den Geist aufgibt?

Für die tz beantwortet Tatjana Halm, Rechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern, die acht wichtigsten Fragen.

Die neuen Schuhe passen doch nicht zu meinem Kleid. Kann ich sie umtauschen?
Wenn einem Käufer die Ware doch nicht gefällt, ist er beim Umtausch auf die Kulanz des Händlers angewiesen. „Beim Kauf im Ladengeschäft gibt es kein Widerrufsrecht“, sagt Tatjana Halm. Nimmt der Verkäufer die Ware trotzdem zurück, kann er bestimmen, ob sie nur umgetauscht werden kann, ein Gutschein ausgestellt oder gar der Kaufpreis erstattet wird. Tipp: „Klären Sie das im Vorfeld!“

Mein Fernseher, den ich kürzlich gekauft habe, ist defekt. Was sind meine Rechte?

Bestand der Mangel bereits beim Kauf des Geräts, steht dem Käufer ein zweijähriges Gewährleistungsrecht zu. „Der Käufer kann dann wählen, ob die Ware ausgetauscht oder repariert wird“, erklärt die Expertin. Bleibt der Mangel trotz zweimaliger Nacherfüllung, kann der Käufer vom Vertrag zurücktreten.

Wecker, Festnetz, CD: 10 Dinge, die vom Aussterben bedroht sind

Computer und Smartphones den Alltag rasant. Im digitalen Zeitalter wird vieles schnell unmodern. Zehn (angeblich) unmoderne Dinge und Phänomene ... © dpa
HANDSCHRIFTLICHE BRIEFE: Na, leiden Sie auch unter Nostalgie beziehungsweise “Netzlos-talgie“? In Zeiten des Internets liegt kaum noch persönliche Post im Briefkasten - fast nur noch Rechnungen und Werbebroschüren. Selbst die Liebe wird oft nur noch in SMS und E- Mails bekundet. Menschen des 19. Jahrhunderts würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüssten, dass ihr geliebter seitenlanger Brief im 21. Jahrhundert vom Aussterben bedroht ist. © dpa
2. POSTKARTEN: Früher war es Pflicht, aus dem Urlaub eine kitschige Ansichtskarte zu schicken. “Viele Grüße aus...“, “Das Wetter ist schön und wir unternehmen viel...“ - belanglose Zeilen dieser Art vermisst wohl niemand. Allerdings gibt es kaum jemanden, der sich nicht freut, wenn ein lieber Mensch ihm eine Karte schreibt, statt nur mit einer Handy-Nachricht oder via Facebook über eine Reise zu berichten. © dpa
3. PAPIERFOTOS: Die vergilbten Kinderfotos aus den 60er und 70er Jahren, die Urlaubsfotos aus den 80ern (oder gar die Dias!) - früher konnte man Erinnerung in den Händen halten und betrachten. Etwa seit Mitte der Nullerjahre sind viele Reisen und private Ereignisse nur noch auf Chipkarten und in Computern gespeichert. Wehe den Babys, die 2010 geboren wurden - ist ihre Kindheit nach einem PC-Absturz komplett ausgelöscht? © dpa / Jens Schierenbeck
4. LEXIKA UND WÖRTERBÜCHER: Wissen hatte früher ein paar hundert Seiten und passte zwischen zwei Buchdeckel. Die Vokabeln und das Allgemeinwissen gingen von A bis Z. Nur manchmal wünscht man sich diese niedliche Welt zurück. Sonst ist es wunderbar, stets aktualisiertes Wissen im Web zu finden und zum Beispiel das französische Wort für “Pulverschnee“ nicht minutenlang erblättern zu müssen, sondern schnell getippt abzufragen. © dpa
5. DIE CD: Am schlimmsten waren in den 90ern diese unförmigen CD- Ständer, die Platz wegnahmen und suggerierten, ein cooler Staubfänger zu sein, jedoch einfach nur ein Staubfänger waren. In Zeiten von iTunes und MP3 kaufen immer weniger Menschen materielle Tonträger. Die Musik ist flüchtiger geworden und nimmt auch keinen Platz mehr weg in den Wohnungen. Ausgenommen vom Trend zur leeren Wohnung: Schallplatten-Fans... © dpa
6. 2D-FILME: Wenn die Kinowirtschaft nicht mehr weiterweiß, dann greift sie zu 3D. In den 50ern und 60ern gab es eine 3D-Welle, um die Leute weg vom Farbfernseher zu Hause in die Lichtspielhäuser zu locken, in den 80ern waren dann Videorekorder der Grund. Zurzeit geht es darum, die Menschen weg von den Raubkopien und Computerspielen ins Kino zu bewegen. Diesmal scheint sich der Trend zu verstetigen. Doch schlechte Storys sind auch in 3D nicht gut. © dpa
7. FESTNETZTELEFONATE: Immer mehr Menschen schaffen ihr Festnetztelefon ab, weil sie es neben dem Mobiltelefon zu teuer finden oder sowieso kaum daheim sind. Mancher fühlt sich von einem Anruf zu Hause mehr gestört als vom Handy, das zwar in der Tasche ein weit größerer Eingriff in die Privatsphäre ist, aber notfalls auch lautlos gestellt oder ausgeschaltet sein kann. Ein lautes Festnetztelefon in der Wohnung schreckt oft mehr auf. © dpa
8. DISKUSSIONEN: Früher gab es ausgiebige Debatten unter Freunden. Wie hieß nochmal der Laden in Paris mit den tollen Cocktails? Heute wird jedes aufkommende Gespräch weggegoogelt. Irgendjemand ist immer da, der sein Handy zückt und im Internet nachschaut. Keine Fachsimpeleien mehr, sondern mehr oder weniger gesicherte Fakten von Wikipedia. Alles wird geklärt, bevor die Unterhaltung anregend wird. Manchmal sitzen Menschen zusammen und starren lieber aufs Smartphone als Smalltalk zu betreiben. Die virtuelle Realität besiegt das echte Gegenüber. © dpa
9. WECKER: Wo früher der Wecker stand, liegt heutzutage das Handy mit Weckfunktion. Ein eigenes Gerät braucht man für den Start in den Tag nicht mehr. Aus dem Tiefschlaf lässt man sich moderner reißen. Besser wird der unangenehme Vorgang dadurch aber nicht. © dpa
10. ECHTE FREUNDE: Das Wort “Freund“ hat im Zeitalter sozialer Netzwerke eine schwächere Bedeutung bekommen. Freundschaft ist..., wenn man Kontakt miteinander aufnimmt. Ich klicke dich an, du klickst mich an. Kann man mehr als 150 Bekannte haben? Kritiker werfen Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (neben datenschutzrechtlichen Problemen) vor, seine “süchtigen“ etwa 500 Millionen Nutzer in der Welt eines unbekümmerten Harvard-Studenten gefangen zu halten. © picture alliance / dpa-tmn
Ist das wirklich so? Jedenfalls sprechen die Angewohnheiten vieler Nutzer dafür: Sie laden möglichst nur “coole“ Interessen und Bilder hoch, machen eindeutige Beziehungsangaben und wenig komplexe Statusangaben und pflegen vor allem die Unsitte, jeden einmal Gesehenen zum “Freund“ zu verklären. © picture alliance / dpa-tmn

Was ist der Unterschied zwischen einer Gewährleistung und einer Garantie?

Gewährleistung ist ein gesetzlich vorgeschriebenes Recht, das nicht ausgeschlossen werden kann. „Es gilt gegenüber dem Verkäufer, wenn die Ware mangelhaft ist“, erklärt Halm. Die Garantie hingegen ist eine freiwillige Leistung des Herstellers – er kann auch die Bedingungen bestimmen. Käufer sollten sich daher nicht vom Verkäufer auf eine Herstellergarantie verweisen lassen!

Ich habe Hosen bei einem Versandhaus per Katalog bestellt, die leider nicht passen. Kann ich sie zurückgeben?

Ja, hier kann der Verbraucher von einem zweiwöchigen Widerrufsrecht Gebrauch machen. Allerdings kann es sein, dass der Käufer bei einem Warenwert unter 40 Euro die Kosten für die Rücksendung übernehmen muss. Auch bei Internetkäufen und Käufen über einen TV-Shoppingsender kann der Kunde die Ware innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt ohne Angabe von Gründen zurückschicken.

Ich habe den Kassenzettel verloren. Kann ich die Ware trotzdem zurückgeben?

Ist die Ware mangelhaft, kann der Kunde auch ohne Kassenzettel reklamieren. „Er muss nur nachweisen, dass er die Ware in dem Geschäft gekauft hat“, erklärt Halm. Das geht auch mittels EC-Kartenabrechnung oder durch einen Zeugen.

Kann ich auch reduzierte Ware umtauschen oder reklamieren?

Wenn reduzierte Ware defekt ist, kann sie reklamiert werden. Ausnahme: Sie wurde wegen eines Mangels heruntergesetzt, der beim Kauf schon bekannt war. Will der Kunde allerdings Ware umtauschen, weil sie ihm nicht gefällt, ist er auch hier auf die Kulanz des Verkäufers angewiesen.

Ich bin von einem Möbelkauf zurückgetreten, soll aber trotzdem einen Teil des Kaufpreises zahlen. Ist das rechtens?

Leider ja – in dem Fall hat der Käufer Pech. „Der Betrag ist quasi eine Vertragsstrafe“, erklärt die Juristin. Allerdings muss die Höhe angemessen sein.

Habe ich bei einem Messekauf ein Widerrufsrecht?

Nein! Wer auf der Messe etwas kauft, was ihm dann doch nicht gefällt, hat Pech gehabt: Hier gelten die Vorschriften über das Haustürwiderrufsrecht nicht.

Christina Schmelzer

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