Verbraucher: Vertrauen in Aufschwung schwindet

Nürnberg - Nach Firmenchefs verlieren nun auch deutsche Verbraucher das Vertrauen in den Aufschwung. Immer weniger vertrauen noch auf den Aufschwung - statt zu sparen geben sie ihr Geld lieber aus.

Immer mehr private Haushalte rechneten inzwischen mit einer Schwächephase der Konjunktur und befürchteten deshalb Einkommenseinbußen, berichtete die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Donnerstag in ihrer neuesten Konsumklimastudie. Trotzdem sitze bei vielen Verbrauchern das Geld weiterhin locker. Für den September rechnet die GfK daher beim Konsumklima-Index nur mit einem “moderaten Rückgang“ um 0,1 auf 5,2 Punkte. Der ifo-Geschäftsklimaindex hatte sich dagegen im August unerwartet drastisch verschlechtert.

Insgesamt hinterlasse die Verschärfung der Schuldenkrise sowie die rasante Talfahrt der Börsen weltweit beim Konsumklima im Moment nur geringe Spuren, stellte die GfK fest. “Die hierzulande überaus positiven Rahmenbedingungen, wie sinkende Arbeitslosigkeit und steigende Einkommen“, wirkten diesen negativen Faktoren entgegen, betonte die GfK. Wer nicht um seinen Job bangen müsse, kalkuliere bei seinen privaten Ausgaben meist etwas großzügiger.

Auch GfK-Marktforscher Rolf Bürkl sieht die Entwicklung des privaten Konsums weiterhin positiv. “Ich sehe derzeit nicht, dass das Konsumklima in Deutschland vor einem Absturz steht. Die harten Fakten sprechen nicht dafür“, sagte er in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler geht davon aus, dass “der Konsum der privaten Haushalte auch im zweiten Halbjahr eine wichtige Stütze des Aufschwungs bleiben wird“, betonte er am Donnerstag. Das Verbrauchervertrauen sei weiter robust.

Keinen Anlass für Konjunkturpessimismus sieht auch der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise. “Wir gehen für den weiteren Jahresverlauf von einer Fortsetzung der moderaten wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung in Deutschland aus“, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme. Wegen des unerwartet guten Jahresauftakts der deutschen Wirtschaft erwartet Heise für das Gesamtjahr 2011 unverändert ein Wachstum von drei Prozent.

Einen Lichtblick für die Verbraucherstimmung sieht GfK-Marktforscher Bürkl in dem nahenden Ende der Libyen-Krise. Sollten sich infolge eines Gaddafi-Sturzes stabile Verhältnisse in Libyen einstellen, “wäre ein Krisenherd weg. Damit könnte sich auch die Ölversorgung verbessern“, gab Bürkl zu bedenken. “Wenn sich die Rohölpreise verringern, ist das sicher ein gutes Zeichen für die Verbraucher“, unterstrich er.

Derzeit reagierten Verbraucher auf die Welle negativer Börsen- und Konjunkturdaten allerdings stark verunsichert, räumte Bürkl ein. Deutlich werde dies vor allem bei der jüngsten Konjunktureinschätzung der deutschen Verbraucher. Der entsprechende Indikator brach im August auf 13,3 Punkte ein; das seien 31,2 Punkte weniger als im Juli. “Die Bundesbürger befürchten, dass auch die deutsche Konjunktur von der weltweiten Schwächephase angesteckt werden kann, wenn sich die Exportaussichten spürbar eintrüben“, berichtet die GfK.

Auch bei der Frage nach ihren Einkommenserwartungen sind viele Verbraucher inzwischen nach GfK-Feststellung längst nicht mehr so zuversichtlich wie noch vor einigen Monaten. Viele Haushalte befürchteten, dass die wegen der Schuldenkrise geschnürten EU-Hilfspakete auch den deutschen Staat zu höheren Steuern zwingen könnten - Geld, das dann für ein neues TV-Gerät, eine Geschirrspülmaschine oder einen Neuwagen fehlen würde. Der entsprechende Indikator ist daher im August um 7 auf 27,6 Punkte gefallen.

Krisenfest zeigte sich im August dagegen die Anschaffungsneigung der Verbraucher - trotz oder gerade wegen der sich eintrübenden Konjunkturaussichten. Denn wegen der Diskussion um die EU-Schuldenkrise fürchten nach GfK-Einschätzung derzeit viele Konsumenten um die Stabilität ihrer Währung. “Sie legen folglich ihr Geld eher in werthaltigen Anschaffungen an, als es auf die hohe Kante zu legen“, stellte die GfK fest. Dies zeige auch die sinkende Sparquote. Die sogenannte Anschaffungsneigung sei daher der einzige der drei Konsumklima-Indikatoren, der im August noch gestiegen sei - und zwar um 2,8 auf 36,9 Punkte. Die GfK befragt dazu monatlich 2000 Verbraucher.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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