Ergebnisse bleiben geheim

Foodwatch kritisiert "Aus" für Hygiene-Ampel

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Die Kontrollergebnisse werden nur auf freiwilliger Basis veröffentlicht - was Foodwatch ärgert.

Berlin - Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch wirft den Bundesländern vor, eine verpflichtende öffentliche Kennzeichnung unhygienischer Gaststätten zu verhindern.

Eine Entscheidung gegen die sogenannte Hygiene-Ampel sei “eine Kampfansage an die Verbraucher, die Gammelfleischhändlern und Hygienesündern (...) weiterhin selbst dann ausgeliefert sein werden, wenn die Behörden längst über die Zustände Bescheid wissen“, sagte am Sonntag der stellvertretende Foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt.

Nach monatelangen Bemühungen um eine bundesweite Verständigung auf eine Hygiene-Ampel oder ein Smiley-System hatten Vertreter der Wirtschaftsministerien mehrerer Länder im Mai empfohlen, Kontrollergebnisse nur auf freiwilliger Basis zu veröffentlichen. “Hierbei entscheidet der einzelne Unternehmer, ob er die Kontrollergebnisse bekannt macht“, zitierte der Berliner “Tagesspiegel“ (Samstag) aus dem Protokoll einer Arbeitsgruppe, in die auch die Verbraucherministerien Hamburg, Rheinland-Pfalz und Hessen Vertreter entsandt hatten.

Die Verbraucherschutzminister der Bundesländer hatten bereits im Mai 2011 die bundesweite Einführung eines Kontrollbarometers beschlossen, das die Ergebnisse der drei letzten amtlichen Überprüfungen zusammenfassen sollte. Dagegen hatte sich beim Hotel- und Gaststättenverband sowie in der Lebensmittelwirtschaft erheblicher Widerstand gebildet.

Bei diesen Lebensmitteln wird geschummelt

Pesto Basilico (Buitoni) ohne 100 Prozent Pesto (Pesto alla genovese). Stattdessen Olivenölanteil laut Zutatenliste unter zwei Prozent, minderwertiges Cashewkernpulver statt Pinienkernen (unter zwei Prozent) und kostengünstiger Hartkäse ersetzt zu Dreiviertel den Wert gebenden Pecorino. © Verbraucherzentrale Hamburg
Hähnchenschnitten Wiener Art (Vossko-Tiefkühlkost) - es fehlt Hähnchenschnitzel aus einem Stück gewachsenem Fleisch. Stattdessen: Verschnitt von kleinen Stücken aus Hähnchen- und Putenfleisch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Mucci Vanilleeis (Aldi Nord) ohne echte Vanille und 100 Prozent Milchfett. Stattdessen: überwiegend synthetisches Vanillin und Kokosfett. © Verbraucherzentrale Hamburg
Bio-Vollkorn-Toastbrötchen (Proback); ohne Vollkorntoast-Brötchen mit Vollkornmehl hergestellt. Statt 90 Prozent Vollkornmehl im Mehlanteil wie in den Leitsätzen für Brot gefordert, sind im Produkt nur 60 Prozent enthalten; gestreckt wird mit Weizenmehl, gefärbt mit Gerstenmalzsirup. © Verbraucherzentrale Hamburg
Surimi-Garnele ohne echte Garnele. Stattdessen: Krebsfleischimitat aus Fischmuskeleiweiß geformt. © Verbraucherzentrale Hamburg
Fol Epi Nuss, Fromageries Rambol (mit Bild von Käse auf der Packung). Die sogenannte Schmelzkäsezubereitung besteht nur zu 65 Prozent aus Käse, ist zusätzlich mit Zusatzstoffen wie Schmelzsalzen (E452, E339: Phosphate) und Aromen versetzt. Bei Käse ist dies nicht erlaubt. © Verbraucherzentrale Hamburg
Du darfst Putensalat mit Joghurtdressing (Unilever) ohne Putenfleisch. Enthalten sind zusammengefügte Fleischreste: Das Fleisch im Produkt besteht nur zum Teil aus gewachsenem Putenfleisch, dazu kommt Form-Putenfleisch und das noch billigere Form-Hähnchenfleisch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Combi Weiß in Salzlake 50 Prozent Fett (EfeFirat Feinkost) mit Bild eines Schafskäses auf der Packung. Tatsächlich enthalten sind billiges Pflanzenfett statt Milchfett und Magermilch aus Kuhmilch statt Schafsmilch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Mini Keks Bolde „Schoko“ (Biscuits Delacre) - es fehlt Schkoladenfüllung im Keks. Stattdessen: Kakaocremefüllung mit billigem Schokoladenimitat, das u.a. aus fettarmem Kakaopulver (3,7%), Zucker und gehärtetem Pflanzenfett hergestellt wird. © Verbraucherzentrale Hamburg
Wasabi-Erdnüsse (Lorenz) - es fehlt Wasabi (japanischer Meerrettich). Geschmack: Spirulina-Konzentrat, Aroma, Geschmacksverstärker und Farbstoff, Algenkonzentrat. © Verbraucherzentrale Hamburg
Meeresfrüchte Cocktail mit Krebsfleischimitat (Kaufhof) ohne 100 Prozent Meeresfrüchte wie Muscheln, Garnelen, Tintenfische etc. Produkt ist mit billigem Surimi (Krebsfleischimitat aus Fischmuskeleiweiß) gestreckt. © Verbraucherzentrale Hamburg

Die gemeinsame Arbeitsgruppe sollte Differenzen zwischen Verbraucher- und Wirtschaftsministern der Länder in der Frage der Veröffentlichung von Lebensmittelkontrollen ausräumen. Das ist aus Sicht von Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) gescheitert: “Wir erleben hier, dass die Hotel- und Gaststätten-Lobby nach dem Steuer-Bonus nun von Union und FDP auch noch einen Blankobrief für Schmuddel und Schlendrian erhält“, kritisierte er am Sonntag in Düsseldorf.

Laut Foodwatch wird bundesweit jeder vierte kontrollierte Lebensmittelbetrieb von den Behörden beanstandet, weil er gegen lebensmittelrechtliche Vorgaben verstößt. Bislang bleiben die Ergebnisse der amtlichen Kontrollen geheim. Bei der Hygiene-Ampel sollte ein Aushang vor Ort in jedem Betrieb über die Kontrollergebnisse informieren - je nach Grad der Beanstandung mit Grün, Gelb oder Rot gekennzeichnet. Vorbild ist das dänische Smiley-System, das mit Gesichter-Grafiken statt mit Farben arbeitet.

dpa

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