Tarifverhandlungen

Verdi: Alle Zeichen auf Streik nach Verhandlungen

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Verdi-Chef Frank Bsirske begrüßt in Potsdam demonstrierende Arbeitnehmer vor Beginn der Tarifverhandlungen.

München . Zum Auftakt der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst geht es gleich hoch her: Die Gewerkschaft Verdi droht mit Streik!

Die tz erklärt, welche Beschäftigten betroffen sind und wie weit Arbeitgeber und Gewerkschaften auseinanderliegen.

Seit wann verhandeln Arbeitgeber und Arbeitnehmer? Gestern haben sie sich in Potsdam zum ersten Mal zusammengesetzt. Gewerkschaften und Arbeitgeber haben für den 20. und 21. März eine zweite Tarifrunde in Potsdam vereinbart. Die dritte Verhandlungsrunde soll ab dem 31. März stattfinden.

Um wie viele Arbeitnehmer geht es? Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verhandelt mit Bund und Kommunen. Dort sind 2,1 Millionen Menschen beschäftigt.

Was fordern die Gewerkschaften? Mehr Geld – und zwar spürbar. Zunächst soll das Gehalt für alle Arbeitnehmer um 100 Euro erhöht werden. Zusätzlich soll das Gehalt dann noch einmal um 3,5 Prozent steigen.

Wem würde die Erhöhung von 100 Euro am meisten nützen?  Denjenigen, die bisher besonders wenig verdienen. Verdi-Chef Frank Bsirske betonte, nur durch diesen Sockelbetrag sei es für die unteren Lohngruppen möglich, den großen Abstand des öffentlichen Dienstes zur allgemeinen Lohnentwicklung ein wenig aufzuholen. Er rechnet vor: „Ein Müllwerker verdient etwa 1800 Euro und ein Busfahrer in Thüringen erhält 1713 Euro Grundgehalt“, sagte er. „Dieser Lohn wird der hohen Verantwortung der Beschäftigten nicht gerecht.“

Was sagen die Arbeitgeber dazu? Sie sind nicht gerade erfreut. Viele Kommunen sind chronisch klamm – und die schwarz-rote Koalition ist gerade noch dabei, den ausgeglichenen Haushalt für das Jahr 2015 gebührend zu feiern. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte ausgerechnet, dass die Realisierung der Gehaltsforderungen beim Bund – wenn sie auch auf die Beamten übertragen würden – Mehrkosten von zwei Milliarden Euro pro Jahr verursachen würden. Das ist wenig gegenüber den Kosten bei den Kommunen, die den Großteil der Angestellten beschäftigen. Bei den Städten und Gemeinden beliefen sich die Mehrkosten gar auf sechs Milliarden Euro. „Diese Spielräume sehe ich nicht“, so der Innenminister.

Wie geht es jetzt weiter? Bei der ersten Verhandlungsrunde gestern legten die Arbeitgeber erwartungsgemäß kein Angebot vor. Verdi-Chef Bsirske hat die Zeichen deshalb auf Streik gestellt. Schon zum Verhandlungsauftakt hatte Bsirske demonstrierende Gewerkschaftsmitglieder mit nach Potsdam gebracht. Ihnen rief der Gewerkschaftsführer zu: „Wenn kein Angebot kommt, wird zu reagieren sein. Dann werden viel mehr Kollegen auf der Straße stehen, als heute hier sind.“ Daher richtet sich auch die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände auf baldige Arbeitsniederlegungen – etwa in Kitas – ein.

Mk

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