VW-Konzern übernimmt

MAN verliert seine Eigenständigkeit

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MAN-Aufsichtsratschef Piëch (r.) und VW-Chef Winterkorn

München - MAN ist kein eigenständiges Unternehmen mehr – fortan muss die Münchner Zentrale des Lastwagen- und Maschinenbauers Anweisungen von VW befolgen.

Gestern wurde ein „Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag“ mit dem Wolfsburger Mehrheitsaktionär geschlossen. „Eine Ära geht zu Ende“: Mit diesen Worten brachte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die Tragweite der Entscheidung der MAN-Hauptversammlung auf den Punkt. Für den Dax-Konzern Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1758 zurückreichen. endet die unternehmerische Selbstständigkeit.

Wie war VW bisher an MAN beteiligt?

Der Wolfsburger Konzern hielt bereits seit 2011 rund 75 Prozent der MAN- Aktien.

Wie viele Mitarbeiter hat MAN?

Insgesamt beschäftigt das Unternehmen, das auch Schiffsdiesel- und Kraftwerksturbinen fertigt, 54 000 Menschen, 30 000 in Deutschland.

Wie macht sich die Schuldenkrise bemerkbar?

Schon am Dienstag war die Prognose für 2013 nach unten geschraubt worden. Man rechnet mit einem deutlichen Gewinneinbruch. Im Januar hatte MAN in München und Salzgitter wegen der schwachen Nachfrage Tausende Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt.

Was bringt der Schritt unters VW-Dach?

MAN-Vorstandschef Georg Pachta-Reyhofen betonte, ohne diesen Schritt sei es kaum möglich, die Vorteile der engen Verflechtung mit Volkswagen zu nutzen. VW will MAN und die zweite Lkw-Tochter Scania enger zusammenführen und so auch Kosten senken.

Wie wird die neue Situation nach außen sichtbar?

Die Eigenständigkeit der Marke MAN solle auf jeden Fall erhalten bleiben. „MAN wird auch weiterhin für das operative Geschäft verantwortlich zeichnen“, sagte Pachta-Reyhofen.

Was sagen Aktionäre, die MAN-Anteile hielten?

Sie sind empört. Vor allem beklagen sie, dass VW nur gut 80 Euro für ausstehende Aktien zahlen will.

Wie waren die letzten Zahlen von MAN?

Schon 2012 zeichnete sich die Krise ab. Bei einem Umsatz von 15,8 Milliarden Euro (minus 4 Prozent) lag das operative Ergebnis mit 964 Millionen um 35 Prozent unter dem Vorjahresniveau, der Gewinn mit 189 Millionen um 23,5 Prozent darunter. 2013 soll die Umsatzrendite noch einmal „ganz erheblich“ unter dem Vorjahreswert liegen.

Wie sind die mittelfristigen Aussichten?

Pachta-Reyhofen ist optimistisch: MAN habe für die globalen Anforderungen die richtigen Produkte, etwa abgasarme Dieselfahrzeuge. Jürgen Dorn, Betriebsratschef des Unternehmens, hat ebenfalls Hoffnung. „Mittel- und langfristig wächst der Transportbedarf in Europa. Damit wird die Nachfrage nach Lastwagen steigen“, sagte er zum Handelsblatt. Er warnt: „Es wäre deshalb falsch, jetzt Produktionskapazitäten bei uns zu reduzieren. Die Durststrecke müssen wir überstehen."

BW

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