24 Fonds untersucht

Vermögensanlagen: Info weiter mangelhaft

München - Seit Juni 2012 müssen Anbieter, die Kapitalanlagen vertreiben, ihren Kunden ein Informationsblatt zur Verfügung stellen. Das Ergebnis eines Tests dieser Blätter ist allerdings alarmierend.

Seit Juni 2012 müssen Anbieter, die geschlossene Fonds oder andere Kapitalanlagen wie Genussrechte oder Namensschuldverschreibungen vertreiben, ihren Kunden ein dreiseitiges Informationsblatt zur Verfügung stellen. Es muss in kurzer und verständlicher Form alle wesentlichen Fakten zu dem Anlageprodukt, Chancen, Risiken und Kosten sowie Provisionen für Vermittler enthalten (siehe unten). Eine Untersuchung der Stiftung Warentest und des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv) ergab jetzt: Von 24 geprüften Kurzinformationen entsprach keine einzige den gesetzlichen Anforderungen.

Dorothea Mohn, Finanzexpertin des vzbv: „Es ist alarmierend, dass die gesetzlichen Vorgaben und damit der Verbraucherschutz so wenig ernst genommen werden. Wenn bereits die Kurzinformation mangelhaft ist, wird es um die Qualität der angebotenen Produkte kaum besser stehen.“

Der Untersuchung zufolge werden schon einfachste Vorschriften missachtet: Jedes vierte der 67 Unternehmen, die im März eine Vermögensanlage verkauften, verstieß gegen die Pflicht, die Kurzinfo auf ihrer Webseite zu veröffentlichen. Insgesamt 24 Kurzinformationen wurden daraufhin geprüft, wie sie die Informationspflichten umsetzten. Lediglich ein Blatt beschrieb das Produkt zumindest grundsätzlich. Alle anderen blieben ungenau und gingen nicht auf konkrete Konditionen der Vermögensanlage ein.

Beispiel 1: Der geschlossene Immobilienfonds DFV Seehotel am Kaiserstrand. Wer mitmachen will, muss zwar 20 000 Euro investieren. Aus dem Infoblatt geht aber nicht hervor, wo das Hotel liegt, wie viele Zimmer es hat, wie es ausgestattet und ausgelastet ist.

Beispiel 2: Die Internet Stars GmbH legt einen geschlossenen Fonds auf, der ein Darlehen vergibt, geht aber nicht auf die Konditionen ein.

Beispiel 3: IBC Solar Invest nennt beim geschlossenen Fonds Jura Solarparks weder Standort der Fotovoltaikanlage noch die Strommenge.

„Die Ergebnisse belegen, dass mangelhafte Informationen und Falschberatung bei geschlossenen Fonds und anderen nicht börsennotierten Beteiligungen ein Thema bleiben. Wir brauchen weitergehende Schutzvorschriften“, sagt Mohn. Der vzbv spricht sich sogar dafür aus, den aktiven Vertrieb solcher Anlagen an Privatanleger zu verbieten: Denn normale Verbraucher könnten Wert und Risiken, wie Totalverlust, nicht abschätzen.

T. Edmondson

Der "Beipackzettel" für den Fondskauf

Es gibt geschlossene Fonds, deren Verkaufsprospekte mehrere Hundert Seiten dick sind. Wer da einige Fonds vergleichen möchte, hat viel zu tun. Dafür hat der Gesetzgeber das Vermögensanlagen-Informationsblatt VIB) erfunden. Dieser Beipackzettel darf nicht länger als drei Din-A4-Seiten sein. Neben den geschlossenen Fonds sind auch Genussrechte, Namensschuldverschreibungen und stille Beteiligungen von dieser Vorschrift betroffen, wenn sie seit Juni 2012 auf den Markt gekommen sind.

Das Gesetz fordert, dass Anbieter ihr VIB auch im Internet veröffentlichen müssen. Die Experten der Stiftung Warentest haben im März danach gesucht und bei einigen Anbietern nichts gefunden. Daraufhin haben sie die Anbieter schriftlich oder telefonisch kontaktiert. Und siehe da, die vermissten Blätter sind im Internet aufgetaucht ...

Das Gesetz geht bei den Anforderungen zu dem Informationsblatt ins Detail: „Es muss die wesentlichen Informationen über die Vermögensanlagen in übersichtlicher und leicht verständlicher Weise so enthalten, dass das Publikum insbesondere die Art der Vermögensanlage, die Anlagestrategie, Anlagepolitik und Anlageobjekte, die mit der Vermögensanlage verbundenen Risiken (…) einschätzen und mit den Merkmalen anderer Finanzinstrumente bestmöglich vergleichen kann.“ So weit der Gesetzestext.

Ausgenommen von der Vorschrift sind nur Genossenschaftsanteile mit mindestens 200 000 Euro Einlagesumme sowie Minianlagen mit höchstens 20 Anteilen.

Rubriklistenbild: © dpa

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