Junge Leute legen weniger bei Seite

Vermögensbarometer: Die Deutschen verlernen das Sparen

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Sparkassenverbandschef Georg Fahrenschon zeigt in Berlin bei einer Pressekonferenz die Broschüre zu dem Vermögensbarometer der Sparkassen.

München - Deutschland ist das Land der Sparer – so will es das Klischee. Doch die Fassade bröckelt. Laut einer Umfrage verlernen die Deutschen gerade das Sparen. Die tz hat das Vermögensbarometer 2014 für sie ausgewertet:

Deutschland ist das Land der Sparer – so will es das Klischee. Doch die Fassade bröckelt. Laut dem Vermögensbarometer 2014, einer Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, verlernen die Deutschen gerade das Sparen. Schuld daran sind nicht nur die niedrigen Zinsen – jeder sechste Deutsche kann es sich gar nicht mehr leisten, jeden Monat Geld beiseitezulegen! Besonders junge Leute legen kaum noch Wert darauf, Geld auf der hohen Kante zu haben. Die tz hat das Vermögensbarometer 2014 für sie ausgewertet:

  • Deutsche sind zufrieden: Zuerst die gute Nachricht. Der Blick in den Geldbeutel stimmt viele Deutsche so optimistisch wie lange nicht. 58 Prozent bezeichnen ihre Lebensumstände als gut oder sehr gut – der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre, so Verbandspräsident Georg Fahrenschon. Nicht einmal jeder zehnte bewerte seine Verhältnisse negativ.
  • Deutsche sind optimistisch: Nicht nur ihre aktuelle finanzielle Situation sehen viele Deutsche entspannt, sie hoffen auch auf eine Besserung in der Zukunft. 20 Prozent hoffen darauf, dass sich ihre Situation in den kommenden zwei Jahren verbessern wird. Allerdings befürchten auch 13 Prozent, dass sich ihre Situation in diesem Zeitraum verschlechtern wird. Dabei spielt vor allem das Alter eine große Rolle: Die Jugend ist naturgemäß optimistischer als Menschen im besten Alter. Bei den 14- bis 29-Jährigen glauben 37 Prozent an eine Verbesserung – sie stehen meist am Anfang des Berufslebens. Bei den über 60-Jährigen rechnen nur noch sechs Prozent mit einer positven Entwicklung.
  • Die Älteren sind nervös: Die Deutschen sind in Konsumlaune und halten so die schwächelnde Konjunktur am Laufen. Doch während 18 Prozent der 14- bis 29-Jährigen und 15 Prozent der 30- bis 40-Jährigen in Zukunft mehr Geld für Anschaffungen ausgeben wollen, ist es bei den 50- bis 59-Jährigen umgekehrt. Ein Viertel von ihnen will künftig sogar weniger Geld ausgeben – ein klares Zeichen für die finanzielle Nervosität dieser Altersgruppe.
  • Sparen wird Luxus: Noch immer legt die Mehrheit der Deutschen (68 Prozent) regelmäßig Geld zur Seite, vor allem für die eigene Altersvorsorge. Allerdings bedeutet das im Umkehrschluss, dass 30 Prozent nicht vorsorgen. Besonders bedenklich: Jeder Sechste Deutsche kann es sich gar nicht mehr leisten, etwas auf die hohe Kante zu legen. 16 Prozent sehen sich also „finanziell nicht in der Lage“, für das eigene Alter vorzusorgen – vor zwei Jahren waren es noch zwölf Prozent.
  • Junge sparen kaum noch: Während unter den Berufstätigen zwischen 30 und 60 Jahren noch mehr als zwei Drittel sehr aktiv vorsorgen, müsste aus Sparkassen-Sicht vor allem die junge Generation mehr Geld ansparen. Sie habe die Lust dazu verloren, sagt Fahrenschon. „Dort muss man fast von einer Erosion der Sparkultur sprechen.“ Dabei sei gerade für die junge Generation Vorsorge besonders wichtig. „Je früher ich mit dem Sparen anfange, auch auf niedrigem Niveau, desto größer ist der Zins- und Zinseszins-Effekt.“ 
  • Angst vor Altersarmut: Wer in Eigenregie vorsorgt, glaubt meist (69 Prozent) daran, dass er im Alter gut abgesichert ist. Anders sieht es aus, wenn man die Gesamtbevölkerung fragt. Knapp die Hälfte der Deutschen befürchtet, dass ihre Altersversorgung einmal geringer ausfallen wird als erwartet. Besonders ausgeprägt ist diese Sorge bei den 30- bis 60-Jährigen. Und: Kinderlose Haushalte empfinden es als deutlich einfacher, selbst gesteckte Finanzziele zu erreichen, als diejenigen, die sich auch um Nachwuchs kümmern.
  • Niedrigzins: „Das Sparverhalten erodiert“, meint Fahrenschon. Denn 30 Prozent der Sparer hätten ihr Verhalten bereits an die niedrigen Zinsen angepasst. Allerdings reagieren vor allem gut verdienende Haushalte auf das Zinsumfeld – und weichen auf riskantere Anlageklassen wie Aktien aus.

M. Kniepkamp

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