Weniger Geld ausgeben

So lichten Sie Ihren Versicherungs- Dschungel

Versicherungen gehören regelmäßig auf den Prüfstand. Durch die Kündigung überflüssiger Policen lässt sich richtig Geld sparen. Unser Überblick, welche Versicherungen Sie wirklich brauchen.

Der Start in ein neues Jahr ist gepflastert mit guten Vorsätzen. Die tz will Ihnen mit dieser Serie helfen, einen gewichtigen Vorsatz umzusetzen: endlich mehr Geld in der Tasche – durch mehr Zinsen oder weniger Kosten bei Handy- und Strom-Tarifen. Doch von nichts kommt nichts. Beispiel Versicherungen: Über die Jahre sammeln die meisten Menschen immer mehr Policen an, heften die Unterlagen in Aktenordnern ab und zahlen per Dauerauftrag ihre Beiträge.

Dabei gehören die abgeschlossenen Versicherungen regelmäßig auf den Prüfstand. Denn wie lässt sich leichter Geld sparen als durch die Kündigung einer überflüssigen Versicherung? Bringen Sie also Licht in ihren persönlichen Versicherungsdschungel!

In der tz erklärt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern die wichtigsten Versicherungsarten. Er sagt, was eine bestimmte Versicherung leisten kann und was nicht. Wer im Zweifel ist, sollte übrigens einen Termin bei seiner örtlichen Verbraucherzentrale ausmachen.

Die wichtigsten Versicherungen: Fallbeispiel "Doppelverdiener"

Die Verbraucherschützer bieten Versicherungsberatungen an, bei denen man gemeinsam mit einem Profi über seine Verträge schauen kann. Außerdem erklärt die tz anhand von vier beispielhaften Fällen, welche Versicherungen in welcher Lebenssituation hilfreich sein können und auf welche unsere Beispielverbraucher eher verzichten können.

Die notwendigen Versicherungen

Die Faustregel lautet: Für alle Risiken, die sie mit eigenen Mitteln nicht bewältigen könnten und die zu einer existenziellen Krise führen würden, braucht man eine Versicherung. Da sind zuallererst: Die gesetzliche Rentenversicherung, die Krankenversicherung, die Berufsunfähigkeitsversicherung und die Haftpflichtversicherung.

Haftpflichtversicherung

„Die Haftpflicht leistet, wenn man jemand anderen einen Schaden zugefügt hat“, erklärt Sascha Straub, Experte für Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Bayern. Sie braucht wirklich jeder – schließlich kann man im schlimmsten Fall dazu verpflichtet werden, einem Geschädigten eine lebenslange Rente zu zahlen. Für Familien ist eine Familienhaftpflicht möglich, die auch die Schäden, die der Nachwuchs verursacht hat, mit abdeckt.

„Kinder unter sieben Jahren sind ohnehin deliktunfähig“, so Straub. Das bedeutet: „Auch wenn sie die geweißelte Wand des Nachbarn mit Kirschen bewerfen, bleibt der Nachbar im Zweifel auf dem Schaden sitzen.“ Dieser Fall geht nur dann anders aus, wenn die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Schäden an eigenen Gegenständen sind in einer normalen Haftpflichtversicherung nicht mitversichert.

Hausratversicherung

„Sie leistet bei Verlust oder Schäden am privaten Hausrat, also an den Gegenständen, die sich zu Hause in der Wohnung befinden“, erklärt Straub. „Sie ist sinnvoll für Menschen, die einen normalen bis überdurchschnittlichen Hausratswert ihr Eigen nennen.“ Hier stellt sich die Frage, wie gravierend ein schwerwiegender Schaden wäre. Straub: Wer seinen Hausrat leicht selber ersetzen kann, etwa wenn die Wohnung komplett abbrennt, der braucht nicht unbedingt eine Hausratversicherung.“

„Bei Familien mit Kindern kommen mit der Zeit meist größere Werte zusammen. In diesen Fällen kann eine Hausratversicherung sehr wichtig sein. So lohnt sich meist eine Hausratversicherung, wenn teurer Schmuck oder wertvolle Bilder in der Wohnung lagern. „Viele haben auch eine teure Hifi-Anlage oder Möbel, die sie nicht einfach so ersetzen könnten.“ Die Hausratversicherung zahlt bei Beschädigungen oder Verlust durch Brand, Einbruchdiebstahl, Hagel, Sturm und bei Leitungswasserschäden. „Wenn man selbst eine teure Vase fallen lässt, ist das durch eine Hausratversicherung aber nicht gedeckt“, gibt Straub zu bedenken.

Berufsunfähigkeitsversicherung

„Sie ist existenziell notwendig für alle Erwerbstätigen“, sagt Straub. Wer nicht mehr arbeiten kann, gerät schnell in eine existenzbedrohende Notlage, weil er seinen Lebensunterhalt nicht mehr verdienen kann. „Wir reden hier von mehreren 100.000 Euro Schaden“, so Straub weiter. Vom Staat dürfen Erwerbstätige nicht auf große Hilfe hoffen. Wer erwerbsgemindert ist, bekommt nur ca. 36 Prozent vom Bruttolohn. „Das ist häufig nicht mehr als Sozialhilfeniveau“, mahnt Straub. Und: „Um überhaupt staatliche Unterstützung bei Erwerbsminderung zu bekommen, müssen Geschädigte schon sehr beeinträchtigt sein. Sie bekommen nur Geld, wenn sie weniger als drei Stunden pro Tag in irgendeinem Beruf arbeiten können“, so Straub.

Der Vorteil der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung: Man kann den zuletzt ausgeübten Beruf absichern. „Wenn ein Dachdeckerweniger als 50 Prozent in seinem Beruf arbeiten kann, dann gilt dieser für die Versicherung als berufsunfähig und er erhält die vereinbarte Rente.“ Diese sollte so hoch sein, dass der Versicherte seinen Lebensstandard halten kann. Straub rät, eine Berufsunfähigkeitsversicherung so früh wie möglich abzuschließen. „Je jünger und gesünder der Versicherte, desto günstiger die Prämie“, erklärt der Versicherungskenner.

Außerdem müssen die Bedingungen stimmen. Wichtig sind unter anderen folgende Klauseln: Verzicht auf abstrakte Verweisungen (Versicherter muss nicht in ähnlichem anderen Beruf arbeiten), eine Beitrags- und Rentendynamik (Anpassung der Beiträge und Renten), die nicht zu hoch und nicht zu niedrig ist (jährlich zwei bis drei Prozent als Inflationsausgleich).

Nachversicherungsgarantien (Heirat, Geburt des Kindes, Immobilienkauf). Ein wichtiges Kriterium ist der vereinbarte Prognosezeitraum: „Meist tritt eine Berufsunfähigkeit nicht sofort ein, das ist ein längerer Prozess. Eine gute Police schreibt vor, dass der Arzt eine Prognose für die Fortdauer der Berufsunfähigkeit für die kommenden sechs Monate erstellen muss. Es gibt Versicherungen, die fordern, dass der Arzt eine Prognose über drei Jahre abgibt. Das wird in vielen Fällen nicht möglich sein.“

Ein großes Problem beim Abschluss der Versicherung sind Vorerkrankungen. „Die Gesundheitsfragen müssen genau und wahrheitsgemäß beantwortet werden“, mahnt Straub. Wer eine vorhandene Erkrankung verschweigt, riskiert, seine gesamten Ansprüche zu verlieren. Viele Versicherer wollen bei Vorerkrankungen bestimmte Ursachen für eine Berufsunfähigkeit ausschließen. „Das ist eine Beeinträchtigung des Vertrages. In so einem Fall macht es Sinn, vorher noch eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen“, so Straub.

Andere Versicherer schließen zwar nichts aus, verlangen aber einen Risikozuschlag. Das sei die bessere Variante für den Versicherten. Doch grundsätzlich sei auch ein Vertrag mit Ausschluss immer noch besser als gar keiner.

Risikolebensversicherung

„Sie bietet eine finanzielle Absicherung für die Hinterbliebenen, denn sie zahlt, wenn der Versicherte stirbt“, erklärt Straub. Sie ist besonders für Familien mit Alleinverdiener unerlässlich. „Die Risikolebensversicherung sollte eine so hohe Summe versichern, dass sich die Familie wenigstens ein Jahr über Wasser halten und neu organisieren kann. Bei einer Familie mit zwei kleinen Kindern sollte das vierfache Jahresnettoeinkommen versichert sein“, rät Straub. Aber auch der Ehepartner sollte versichert sein: „Dann muss sich jemand um die Kinder kümmern und es entstehen neue finanzielle Belastungen.“

Die wichtigsten Versicherungen: Fallbeispiel "Single"

Straub rät beiden Elternteilen zu separaten Verträgen. „Das ist zwar etwas teurer als eine verbundene Lebensversicherung abzuschließen. In Zeiten, in denen jede dritte Ehe geschieden wird, scheintes aber zeitgemäßer, die Verträge nicht miteinander zu verbinden.“ Die Laufzeit sollte so gewählt werden, dass das jüngste Kind bei Ablauf des Vertrages mindestens 20 Jahre alt ist.

Rentner und Singlehaushalte brauchen die Risikolebensversicherung meist nicht. Ausnahme: Wer eine Immobilie kauft, braucht eine Risikolebensversicherung, um den Kredit ablösen zu können, wenn ein Verdiener stirbt. Das empfiehlt sich allerdings auch nur für Familien und Paare – Singles kann es theoretisch egal sein, was mit der Immobilie nach ihrem Tod passiert.

Kapitallebensversicherung

Sie ist der Klassiker der Altersvorsorge. „Früher haben die Versicherten sechs bis acht Prozent Rendite im Jahr erwirtschaftet. Heute liegt der Garantiezins bei 1,75 Prozent und wenn es nach der Versicherungswirtschaft geht, soll er weiter sinken“, bemängelt Straub. Das liegt unterhalb der Inflationsrate. Straubs Urteil: „Ein Produkt, das nicht sonderlich attraktiv ist. Für die Altersvorsorge ist es nicht mehr geeignet.“

Neben der Variante mit Garantiezins können Versicherte auch die etwas riskantere Variante einer fondsgebundenen Lebensversicherung. Straub ist skeptisch: „Dabei nehmen Versicherte an den Marktrisiken und -chancen teil und können im ungünstigsten Fall sogar ins Minus fallen.“

Rechtsschutzversicherung

Sie trägt die Kosten des Rechtsanwalts, Gerichtskosten und alle Verfahrenskosten. Für Menschen, die häufig Rechtsstreitigkeiten führen müssen oder welche befürchten, kann diese Versicherung sinnvoll sein. „Ohne Rechtsschutzversicherung würden viele Menschen ob des finanziellen Risikos nicht klagen, selbst wenn sie gute Chancen hätten“, weiß Straub.

Viele Menschen haben allerdings schon spezialisierten Rechtsschutz: Gewerkschaftsmitglieder haben einen Arbeitsrechtsschutz, Mietervereinsmitglieder einen Mietrechtsschutz für außergerichtliche Auseinandersetzung. Bei neuen Verträgen müssen Kunden allerdings darauf achten, dass nicht zu viele Leistungen ausgeschlossenwerden. „Das Erbrecht, das Familienrecht und Kapitalanlegerklagen sind regelmäßig ausgeschlossen – dabei wäre ein Rechtsschutz in diesen Bereichen besonders interessant“, so Straub.

Krankenversicherung

Wer weniger als 53 550 Euro im Jahr verdient, ist in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Wer mehr verdient, muss sich überlegen, ob er sich privat krankenversichern will. „Für viele wird das zur Falle, etwa junge Familien“, warnt Straub. Bis zum zweiten Lebensjahr können Kinder teilweise kostenlos mitversichert, danach brauchen sie einen eigenen Vertrag. „Der wird jedes Jahr teurer“, warnt Straub.

Die wichtigsten Versicherungen: Fallbeispiel "Familie"

Bei der Verbraucherzentrale führe er immer häufiger Rückwechselberatungen durch. Der Weg zurück ist steinig und führt nur über ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis und bis zum 55. Lebensjahr. Für Beamte lohnt sich die private Krankenversicherung noch, weil die Beihilfe die Hälfte der Krankheitskosten übernimmt. „Für alle anderen wird es eine Beitragsproblematik.“ Die Verträge werden mit zunehmendem Alter immer teurer.

Zahnzusatzversicherung

Sie kann sinnvoll sein und das aus einem einfachen Grund: „Fast jeder wird irgendwann auf sie zugreifen müssen“, weiß Straub. Die gesetzlichen Krankenversicherer haben bei höherwertigem Zahnersatz besonders gespart – ohne deftige Zuzahlungen kommen Patienten hier nicht aus. „Wer mit einfachem Zahnersatz zurechtkommt, braucht keine Zusatzversicherung. Sie lohnt sich langfristig für die Patienten, die auf höherwertigen Zahnersatz Wert legen.“

Stationäre Kranken-Zusatzversicherung

Zweibettzimmer statt Vierbettzimmer und Chefarztbehandlung – das kann sinnvoll sein und ist letztlich eine Abwägungssache. „Wer da auf der sicheren Seite sein will, kann das durchaus tun."

Pflegetagegeldversicherung

„Wer jetzt erwerbstätig ist, wird später eine Pflegekostenlücke haben“, warnt Straub. Er rechnet vor: „Mit Pflegestufe 3 müssen sie in München mit einem Bedarf von 3000 Euro im Monat rechnen. Die Pflegeversicherung würde 1500 Euro zahlen, also nur die Hälfte.“

Da bietet sich eine private Pflegetagegeldversicherung an. Der Grundsatz gilt: Je früher abgeschlossen, desto niedriger die Beiträge. „Man sollte alle Pflegestufen versichern, nicht nur die dritte“, sagt Straub. Für viele steht diese Versicherung aber nicht an erster Stelle, weil sie zunächst die aktuellen Risiken absichern wollen.

Unfallversicherung

„Sie zahlt, wenn jemand auf Grund eines Unfalls eine dauerhafte Gesundheitsschädigung erleidet“, so Straub. Die Invalidität bemisst sich nach dem Grad der Beeinträchtigung. Wer also zu 25 Prozent eingeschränkt ist, bekäme von seiner Versicherung eine Leistung von 25 Prozent der abgeschlossenen Invaliditätssumme. Deshalb sollte die versicherte Summe bei einer Unfallversicherung so hoch wie möglich sein – 400 000 bis 500 000 oder mehr Euro. „Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung hat, kann sich die Unfallversicherung in der Regel sparen“, sagt Straub. Wer in seiner Freizeit hohen Unfallrisiken ausgesetzt ist, wie etwa Skifahrer, sollte aber über eine Unfallversicherung nachdenken.

Die wichtigsten Versicherungen: Fallbeispiel "Rentner"

Dann könnte man mit dem Geld der Versicherung das Haus im Falle eines Falles behindertengerecht umbauen. Eine Rente ist bei Unfallversicherungen nicht die Regel, sie wird erst ab einem Invaliditätsgrad von 50 Prozent gezahlt. „80 Prozent aller unfallbedingten Invaliditäten liegen bei einem Grad von unter 25 Prozent.“

Kinderinvaliditätsversicherung

Sie ist die Alternative zur Kinderunfallversicherung. Die ist eigentlich überflüssig, schließlich sind Kinder im Kindergarten, in der Schule und auf dem Weg dorthin gesetzlich unfallversichert. Außerdem sind dauerhafte Schäden durch Unfälle, etwa den Sturz vom Klettergerüst, bei kleineren Kindern unwahrscheinlicher als bei Erwachsenen. Der Grund: Kinder fallen besser. Die Kinderinvaliditätsversicherung sichert hingegen nicht nur Unfallrisiken sondern auch bleibende Schäden durch andere Krankheiten ab. Diese sind ein weitaus häufigerer Grund für Schwerbehinderungen bei Kindern als Unfälle. In diesem Fall bekommen die Versicherten direkt eine Rentenzahlung von der Versicherung.

Reisekrankenversicherung

Wer regelmäßig ins Ausland reist, sollte sie haben. „Auch innerhalb der EU! Durch die Sozialversicherungsabkommen haben Patienten immer Lücken. Ein Arzt in Frankreich rechnet einen deutschen Patienten wie einen Privatpatienten ab, die deutsche Krankenkasse zahlt lediglich den deutschen Normalsatz. Der Rest bleibt am Patienten hängen“, so Straub. Die Policen sind zudem mit 15 bis 30 Euro im Jahr relativ günstig.

Reiserücktrittskostenversicherung

Für regelmäßig Reisende kann es sinnvoll sein, einen Jahresvertrag abzuschließen. Dabei kann der Kunde sich die beste Versicherung und die besten Bedingungen aussuchen. „Zusätzlich zum Reiserücktritt sollte auch der Reiseabbruch versichert sein.

Marc Kniepkamp

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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