5000 Dollar für jeden US-Kunden

Volkswagen muss blechen: Wir erklären den Deal

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Volkswagen muss in den USA zahlen

600.000 Käufer der mit der Schummelsoftware ausgestatteten VW-Modelle in den USA werden finanziell entschädigt. Wir erklären, was dieser Deal für den VW-Konzern bedeutet.

Zahltag in Wolfsburg! Für Volkswagen lief am Donnerstag die von US-Richter Charles Breyer in San Francisco gesetzte Frist für eine gütliche Einigung mit der US-Umweltbehörde EPA ab – sie gelang förmlich in letzter Minute. Aus Verhandlungskreisen hieß es noch vor der offziellen Verkündung des milliardenschwerden Deals, dass die 600.000 Käufer der mit der Schummelsoftware ausgestatteten VW-Modelle finanziell entschädigt werden sollen. Die tz erklärt, was dieser Deal für den VW-Konzern bedeutet:

Worauf haben sich VW und die US-Umweltbehörde geeinigt? Die von der Manipulation der Abgaswerte betroffenen Autobesitzer erhalten „substanzielle Entschädigungen“. Die Geschädigten haben nach Angaben des Richters die Option, ihren Wagen entweder umrüsten oder von VW zurückkaufen zu lassen. Wer seinen Wagen geleast hat, kann den Vertrag vorzeitig kündigen. Zur Entschädigung kursieren verschiedene Summen. Die Welt hatte gemeldet, jeder Halter eines betroffenen VW-Modells solle 5000 US-Dollar (4400 Euro) Entschädigung erhalten. Von VW gab es zunächst keine Stellungnahme.

Wäre der Konzern damit aus dem Schneider? Längst nicht. Die Kosten für die Umrüstung des jeweiligen Autos müsste VW trotzdem selber bezahlen. Die Wolfsburger haben neben der Entschädigung angeboten, die 580 000 Autos zurückzukaufen – alternativ zur Reparatur oder wenn diese nicht möglich sei. Dabei ist noch unklar, ob VW die zurückgenommenen Autos wieder weiterverkaufen dürfte. So oder so ist der Rückkauf ein Verlustgeschäft: Der Kaufpreis soll sich nämlich nach dem geschätzten Wert im Jahr 2015 – also unmittelbar vor Bekanntwerden der Diesel-Affäre – richten.

Wie reagiert die Börse? Erleichtert. Auto-Papst Ferdinand Dudenhöffer erklärt: „Mit 5000 Dollar pro Fahrzeug hätte man schon mal ein großes Problem weggeräumt: die Sammelklagen der US-Kunden.“ Bisher galten diese Klagen als unkalkulierbares Risiko, jetzt lässt sich der entstandene Schaden genauer einschätzen. Die Aktie stieg in Frankfurt um fünf Prozent und führte den Dax an.

Mit welchen Kosten rechnen sie bei VW? Noch hat der Konzern seine Bilanz für 2015 nicht vorgelegt – vor allem, weil der US-Deal bis gestern noch nicht vorlag. Aus Konzernkreisen hieß es aber, der Diesel-Skandal würde in den Büchern mit einem Minus von etwa zehn Milliarden Euro im vergangenen Jahr zu Buche schlagen.

Wie viel wird der Skandal den Konzern insgesamt kosten? Das ist weiter völlig unklar, denn nach der Einigung mit den US-Kunden ist noch nicht klar, was mit den weltweit elf Millionen Fahrzeugen außerhalb der USA geschieht. Patrick Hummel, Analyst bei der Schweizer Großbank UBS, veranschlagt im Handelsblatt allein für eine Einigung mit den US-Autobesitzern zwölf Milliarden Euro. Straf- und Zivilprozesse stehen weiter aus, sie könnten den Konzern 19 Milliarden Euro kosten – schließlich fordert allein eine Zivilklage des Justizministeriums Bußgelder über 45 Milliarden Dollar (knapp 40 Milliarden Euro). Hinzu kämen weitere 14 Milliarden Euro für die Aufarbeitung der Dieselaffäre im Rest der Welt. Insgesamt stünden dann 45 Milliarden Euro im Feuer. Zum Vergleich: VW erzielt jährlich einen Umsatz von etwa 200 Milliarden Euro!

Könnte der US-Deal zum Vorbild für Deutschland werden? Das hoffen zumindest die Verbraucherschützer. Verbraucherzentralen-Chef Klaus Müller warnt vor einer großzügigeren Entschädigung für US-Kunden als für VW-Fahrer in Deutschland – sie dürften nicht zu Kunden zweiter Klasse werden. „Wenn Volkswagen geschädigten Kunden in den USA 5000 Dollar zahlt, steigt die Ungerechtigkeit gegenüber deutschen Kunden.“ Aus der Kanzlei von US-Anwalt Michael Hausfeld – der deutsche Kunden gegen VW vertritt – war zu hören, die Abmachungen für US-Kunden sollten zum Maßstab für Entschädigungen von deutschen VW-Besitzern gemacht werden.

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