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„Weder Empathie noch Gespür für Belegschaft“ - VW-Betriebsrat attackiert Konzernchef Diess heftig

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VW Vorstandschef Herbert Diess
VW-Chef Herbert Diess hat der anstehenden Betriebsversammlung eine Absage erteilt. © Carsten Koall/picture alliance/dpa

VW-Chef Herbert Diess hat die Teilnahme an der Betriebsversammlung abgesagt. Die neue Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo sieht das als beispiellosen Affront und schlägt zurück.

Wolfsburg - Die neue Volkswagen*-Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo hat das geplante Fernbleiben des Konzernchefs Herbert Diess* bei der nächsten Betriebsversammlung Anfang November scharf kritisiert. „Herbert Diess zieht die Investoren an der Wall Street der eigenen Belegschaft vor“, schrieb Cavallo in einem Statement vom Dienstagabend.

Dieses Verhalten sei in der Geschichte des Konzerns beispiellos und zeige, dass Diess selbst in dieser Krise weder Empathie noch Gespür für die Situation der Belegschaft habe. „Diese Provokation zeigt uns, dass Herr Dr. Diess weiterhin keinerlei Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit hat.“ Würde Diess der Dialog am Herzen liegen, hätte er seine Prioritäten anders gesetzt, machte Cavallo in ihrem Statement laut dem Handelsblatt klar.

VW: Betriebsrat wünscht sich Antworten von Diess

Zuvor war bekanntgeworden, dass Diess die Einladung zur nächsten Betriebsversammlung in der Wolfsburger Zentrale am 4. November wegen Terminen in den USA abgesagt hatte. Auf die Kritik an diesem Fehlen war von Unternehmensseite am Mittwoch zunächst keine Reaktion zu erhalten. Die anstehende Versammlung ist die erste seit fast zwei Jahren, da es aufgrund der Coronapandemie länger nicht möglich war, ein Treffen durchzuführen.

Der Betriebsrat in Wolfsburg ist alarmiert, weil das VW-Hauptwerk nicht ausgelastet ist. 2021 könnte hier so wenig produziert werden wie zuletzt Ende der 50er Jahre. Die Belegschaftsvertretung verlangt schon länger ein weiteres Elektromodell* neben dem Projekt „Trinity“, das ab 2026 kommen soll - später als zunächst geplant. Volkswagen kann derzeit jedoch nicht ansatzweise so viel produzieren wie gewollt. Schuld daran ist der Halbleiter-Mangel, der sogar bereits für Produktionsstopps und Kurzarbeit gesorgt hat. Auch die VW- und Audi-Händler bekommen die Folgen inzwischen schmerzhaft zu spüren.

Auch Diess‘ Aussage zu einem Abbau von rund 30.000 Stellen hatte für Wirbel gesorgt. „Die Fragen werden mehr und mehr. Bei der Betriebsversammlung hätten sie offen beantwortet werden können“, so Cavallo.

VW-Chef Diess gibt eigene Informationsveranstaltung

Doch der Konzernchef machte klar, dass er keine Betriebsversammlung benötige, um Fragen zu beantworten. Am Donnerstagabend (28. Oktober) soll es eine Veranstaltung des Vorstandsvorsitzenden zur Belegschaftsinformation geben. Cavallo überzeugte diese Reaktion auf die Kritik an Diess‘ Absage jedoch nicht - im Gegenteil. Diess betreibe eine „persönliche Profilierung auf dem Rücken der Belegschaft“, erklärte die Chefin der Mitarbeiter-Vertretung.

„Stehen Sie der Belegschaft am 4. November gefälligst Rede und Antwort“, forderte Cavallo den VW-Chef auf. Volkswagen hat sich bisher nicht zu den Aussagen der Betriebsratsvorsitzenden geäußert. (dpa/ph) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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