Volkswirte: Arbeitsmarkt profitiert von Konjunkturdynamik   

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Volkswirte schauen gelassen auf die Entwicklungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Foto: Frank Rumpenhorst

Nürnberg (dpa) - Die wieder erstarkende Konjunktur wird nach Experteneinschätzung in diesem Jahr für einen unerwartet kräftigen Schub auf dem deutschen Arbeitsmarkt sorgen.

Im Jahresschnitt könnte die Zahl der Erwerbslosen 2015 um 80 000 bis 100 000 sinken, prognostizierten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Ursprünglich waren sie - auch wegen der schwer kalkulierbaren Folgen der neuen Mindestlohnregelung - noch von einem weitaus geringen Rückgang der Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt 2015 ausgegangen.

Das Münchner Ifo-Institut will dagegen erste einmal die Lage beobachten, bevor es seine Arbeitsmarktprognose für 2015 korrigiert. "Ein enormer Rückgang der Arbeitslosenzahlen in diesem Jahr erscheint uns im Moment noch nicht erwartbar", sagte Ifo-Volkswirt Steffen Henzel.

Er räumte zwar ein, dass sich die Konjunktur im letzten Quartal 2014 sehr gut entwickelt hat. "Aber noch liegen uns die offiziellen Zahlen vom Statistischen Bundesamt nicht vor." Und auch dann müssten die Gründe für den kräftigen Anstieg des Bruttoinlandprodukts erst noch genau analysiert werden.

Dagegen rechnet die DZ-Bank mit einer Fortsetzung der guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. "Nach guten Konjunkturdaten am Jahresende haben wir unsere skeptischen Prognosen nach oben korrigiert", berichtet DZ-Bank-Volkswirte Michael Holstein. Aus seiner Sicht spricht vieles dafür, dass die Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt auf 2,8 Millionen sinkt. Das wären knapp 100 000 weniger als im Jahr 2014.

Für Rolf Schneider von der Allianz ist ein Rückgang um 80 000 Erwerbslosen drin. Auch Johannes Mayr von der Bayern-LB geht davon aus, dass sich die "Konjunkturdynamik mit zeitlicher Verzögerung auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen wird".

Das schlägt sich nach Einschätzung der Volkswirte auch in den Februar-Arbeitslosenzahlen nieder. Die dürften mit rund 3,05 Millionen um rund 15 000 höher liegen als im Januar. Im Vergleich zum Vorjahr entspreche dies einem Rückgang zwischen 85 000 und 90 000. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur am kommenden Donnerstag (26. Februar) in Nürnberg bekanntgeben.

Noch kaum spürbar sind nach Beobachtungen der Volkswirte die Auswirkungen des zum Jahresanfang eingeführten Mindestlohns von 8,50 Euro auf den Arbeitsmarkt. Volkswirt Heiko Peters von der Deutschen Bank rechnet damit erst in den kommenden Monaten. Derzeit werde der Effekt sowohl von der guten Konjunktur als auch von dem wachsenden Arbeitskräftemangel als Folge der abschlagsfreien Rente mit 63 ausgeglichen.

Betroffen sind bislang nach Erkenntnissen von Ifo-Experte Henzel hauptsächlich Mini-Jobber. Ihre Zahl habe sich - anscheinend vorausgreifend auf die Mindestlohn-Regelung - schon im November 2014 um 23 000 verringert. Da sich unter den Minijobbern viele Studenten oder Hausfrauen befänden, die sich nach dem Verlust ihres Mini-Jobs nicht arbeitslos meldeten, schlage sich dieser Trend vorerst nicht in der Arbeitsmarktstatistik wieder.

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