Volkswirte: Dynamik auf dem Arbeitsmarkt schwächt sich ab

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Für den August rechnen die Fachleute saisonbedingt mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit. Von der Konjunktur komme derzeit wenig Schub. Foto: Ole Spata

Den großen Schub auf dem deutschen Arbeitsmarkt vermissen Fachleute schon länger - in den kommenden Monaten könnte sich die Dynamik weiter abschwächen, prognostizieren Volkswirte. Viele Unternehmen seien wegen der globalen Krisen verunsichert.

Nürnberg (dpa) - Angesichts der wachsenden Verunsicherung vieler Unternehmen wegen der globalen Krisen, aber auch als Folge des Mindestlohns rechnen Volkswirte für das zweite Halbjahr 2015 mit einer Abschwächung auf dem Arbeitsmarkt.

Vor allem die Zahl der Minijobs sei in den vergangenen Monaten stark gesunken, etliche Betroffene seien jetzt arbeitslos, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Für den August rechnen die Fachleute saisonbedingt mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit. Von der Konjunktur komme derzeit wenig Schub. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur an Dienstag (1.9.) bekanntgeben.

"Wir wollen die Lage nicht dramatisieren. Aber wir sind recht zurückhaltend, was die Arbeitslosenentwicklung in den kommenden Monaten angeht", sagte Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank. Der von ihm im Jahresschnitt 2015 erwartete Rückgang der Arbeitslosigkeit um rund 100 000 auf rund 2,78 Millionen gehe vor allem auf das Konto der vergleichsweise guten Entwicklung in der ersten Jahreshälfte. Auch rechnet er - wie andere Volkswirte auch - für dieses Jahr nur noch mit halb so viel neuen Arbeitsplätzen wie 2014.

Differenziert fällt auch die Prognose von BayernLB-Volkswirt Stephan Kipar aus. Er rechnet bis zum Jahresende bei der Arbeitslosigkeit mit einer "breiten Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau". Unternehmen seien vor allem wegen der ungewissen Exportaussichten verunsichert. Deswegen würden derzeit zwar noch keine Stellen abgebaut. Aber auch bei Neueinstellungen hielten sich die Unternehmen zurück.

Heiko Peters von der Deutschen Bank rechnet zwar weiterhin mit der Schaffung neuer Stellen. Profitieren dürften nach seiner Erwartung davon aber wie schon in der Vergangenheit eher Zuwanderer aus den östlichen und südöstlichen EU-Ländern.

Vergleichsweise gelassen beurteilen die meisten Experten die aktuelle Schwäche der chinesischen Wirtschaft. Trotz der Turbulenzen in China verzeichneten die deutschen Unternehmen kräftige Auftragseingänge aus dem Ausland, betonte Allianz-Volkswirt Rolf Schneider. Der niedrige Euro begünstige deutsche Exporte. Die US-Wirtschaft laufe wieder rund und auch die Exporte in EU-Länder zögen wieder an.

Für den August rechnen die Volkswirte mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um etwa 30 000 auf rund 2,8 Millionen. Der Anstieg habe fast ausschließlich saisonale Gründe. So meldeten sich zum Spätsommer viele junge Leute nach ihrer Lehre arbeitslos, weil sie nicht sofort eine Stelle gefunden hätten. Auch Werksferien in größeren Betrieben führten dazu, dass Neueinstellungen auf die Zeit nach der Sommerpause verschoben würden. Ohne die Saisoneffekte hätte es im August Stillstand auf dem deutschen Arbeitsmarkt gegeben.

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