Nachgemachte Weihnachtsgeschenke im Web

Vorsicht, Fälschung! So fallen Sie nicht auf die Ganoven rein

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iPhone, original und Fälschung.

München - Gefälschte Handtaschen, nachgemachte Sonnenbrillen, gepanschte Parfums – die Gefahr, dass Ihre Weihnachtsgeschenke „echt falsch“ sind, ist größer, als Sie denken!

Das gilt vor allem, wenn Sie im Internet bestellen. Die Markenrechts-Experten NetNames gehen davon aus, dass die Deutschen in diesem Jahr rund 1,2 Milliarden Euro für gefälschte Weihnachtsgeschenke ausgeben.

Wo ist es besonders gefährlich?

Wenn Sie bei bekannten Online-Shops von Apple bis Zalando einkaufen, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Doch schon bei Amazon wird’s problematisch. Denn der Versandriese verkauft auf seinem Marktplatz auch die Artikel vieler externer Händler, die er gar nicht alle kontrollieren kann. Und hier tauchen immer wieder Fälschungen auf, vom angeblichen Designerkleid bis zum nachgemachten Handy-Akku. Noch größer ist das Risiko bei den vielen kleinen Händlern auf Ebay oder bei Schnäppchen-Angeboten, die Sie zum Beispiel mit Preissuchmaschinen finden.

Woran erkenne ich Fälschungen?

Erstes Alarmzeichen ist schlichtweg der Preis. Wenn ein Parfum normalerweise 80 Euro kostet und plötzlich für 20 Euro verschleudert wird, sollten Sie sich fragen: Kann es hier tatsächlich mit rechten Dingen zugehen? Informieren Sie sich bei angeblichen Schnäppchen über den Händler. Googeln Sie nach seinem Namen und lesen Sie die Bewertungen anderer Käufer. Dabei gilt: 30 gute Bewertungen kann eine solche Klitsche leicht selbst einstellen – bei 300 oder 3000 wird es schwieriger. Je mehr Käuferurteile, und je aussagekräftiger die Bewertungen, desto besser. Geben Sie die Adresse des Shops in der Adressdatenbank www.who.is ein. Dann erfahren Sie, wer hinter der Seite steckt und wie lange sie schon existiert. Wenn die Adresse bereits seit Längerem besteht, spricht das für den Anbieter. Eine ganz neue Website wurde vielleicht nur für die schnelle Abzocke im Weihnachtsgeschäft registriert. Und noch ein Tipp: Je weiter entfernt der Anbieter sitzt, desto riskanter wird der Einkauf. Bei einem deutschen Händler können Sie sich rechtlich gut wehren, in der EU geht es auch noch – doch gegen Produktfälscher aus Hongkong haben Sie kaum eine Handhabe.

Was ist an den Fälschungen so schlimm?

Hauptproblem ist die Sicherheit – zum Beispiel bei Sonnenbrillen, die nicht vor UV-Strahlen schützen, oder bei explodierenden Handy-Akkus. Dazu kommt: Sie haben keine Garantie, Kleidungsstücke sind vielleicht schon nach dem ersten Waschen ruiniert, die Nähte von Handtaschen reißen aus. Zudem können Sie bei Bestellungen aus dem Ausland gar nicht sicher sein, ob die Ware bei Ihnen ankommt. Der Zoll prüft genau und zieht Fälschungen konsequent aus dem Verkehr. Der Kauf in kleinen Mengen für den Privatgebrauch ist in Deutschland zwar nicht strafbar. Doch wenn Sie Pech haben, informieren die Behörden den Rechteinhaber der Marke – und Sie bekommen statt eines Weihnachtsgeschenks eine Abmahnung ins Haus. Und das kann, je nach Warenwert, teuer für Sie werden.

Internet-Schnäppchen auch im Laden? So verhandeln Sie richtig

Und noch eine Frage, die sich viele Kunden in der Adventszeit stellen: Kann ich eigentlich im normalen Laden so billig einkaufen wie online? Bekomme ich die Schnäppchenpreise aus dem Netz auch bei mir vor Ort? Antwort: Ihre Chancen stehen bestens – wenn Sie sich gut auf den Einkauf vorbereiten. Wenn ein Fernseher im Elektromarkt 1000 Euro kostet, und Sie sich einfach beim Verkäufer erkundigen, ob’s nicht auch billiger geht, werden Sie in aller Regel wenig Glück haben.

Denn Sie brauchen gute Argumente. Und die finden Sie im Internet. Wenn es den gleichen Fernseher dort für 850 Euro gibt, drucken Sie die entsprechende Seite aus oder zeigen Sie dem Verkäufer den Preis auf dem Smartphone. Wenn es im Laden keinen Empfang gibt, machen Sie zuvor ein Bildschirmfoto (Screenshot). Achten Sie dabei auf das exakte Modell – bei Typenbezeichnungen wie Samsung UE32J5150 muss jede Zahl stimmen. Beim Hinweis auf die Konkurrenz reagieren die Firmen sehr empfindlich. Oft bekommen Sie das Gerät dann tatsächlich zu diesem Preis, und womöglich noch einen kleinen Rabatt obendrauf.

Wenn der Verkäufer hartnäckig bleibt, erkundigen Sie sich nach der „Tiefpreisgarantie“ – in Preisverhandlungen oft ein magisches Wort, und unter Schnäppchenjägern als „TPG“ bekannt. Es bedeutet bei vielen Händlern: Wenn der Kunde ein Produkt anderswo günstiger findet, bekommt er es auch bei uns zu diesem Preis. Teilweise müssen Sie nicht einmal bei der Konkurrenz suchen. Viele Händler wie beispielsweise der Media Markt ändern im Internet ihre Preise so oft, dass die Läden vor Ort gar nicht mehr hinterherkommen. Verlangen Sie im Markt den Online-Preis das klappt meistens.

Mit die besten Argumente liefert Amazon. Dieser Name ist für viele Händler ein rotes Tuch. Deshalb sollten Sie gerade bei Elektrogeräten immer nachsehen, was der Versandriese verlangt – und diesen Preis dann auch im Laden fordern. Häufig gehen die Verkäufer darauf ein. Preissuchmaschinen wie idealo.de liefern die besten Vergleichsangebote. Aber suchen Sie dort nicht den Kampfpreis einer obskuren Klitsche heraus – sondern die Preise, die namhafte Konkurrenten verlangen. Fotomontage: vario/tz

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