Hier entschuldigt sich der Chef

Die Vorwürfe gegen den ADAC im Überblick

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ADAC-Geschäftsführer Obermair in Bedrängnis.

München - ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair hat sich für Manipulationen bei der Wahl zum Gelben Engel entschuldigt. Doch es gibt noch weitere Vorwürfe. Die tz fasst diese zusammen.

Die Bruchlandung der Gelben Engel: Die ADAC-Zentrale in der Hansastraße ist das steingewordene Selbstverständnis des Automobil-Clubs. Mächtig, die unbestechliche Lobby für 19 Millionen Autofahrer. Doch am Montag muss ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair hier das Büßerhemd anziehen. Er muss sich für die Manipulationen bei der Wahl zum Gelben Engel entschuldigen.

„Dieser Vorgang trifft uns ins Mark“, sagt Obermair bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in der Münchner ADAC-Zentrale. „Dafür, dass so etwas passieren konnte, gibt es keine Rechtfertigung“, so Obermair. Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte die Zahlen jahrelang künstlich in die Höhe getrieben. Der habe die alleinige und vollständige Verantwortung übernommen.

Obermair schildert das dramatische Geständnis Ramstetters. „Am Freitag um 9.56 Uhr hat Michael Ram­stetter in meinem Büro ein vollumfängliches Geständnis abgelegt“, erzählt Obermair. Der war von der Beichte des Kommunikationschefs geschockt. „Er hatte die Zahlen in unfassbar dreister Art und Weise nach oben korrigiert.“ Am Donnerstag hatte Obermair seinen Kommunikationschef noch verteidigt. Ausgerechnet bei der Verleihung des manipulierten Preises hatte er der SZ vorgeworfen, die Berichte der Zeitung über den Skandal seien eine „Schande für den Journalismus“. Jetzt muss Obermair zurückrudern.

„Absolute Transparenz“, verspricht der Club-Chef. Die Vorgänge würden intensivst untersucht – auch externe, unabhängige Prüfer sollen helfen, den Skandal aufzuklären. Ob sie noch weitere Ungereimtheiten finden? Obermair schließt das aus.

„Ich bin überzeugt, dass alle anderen Zahlen zu 100 Prozent richtig sind.“ Doch es prasseln weitere Vorwürfe auf den Club ein. Die tz fasst sie zusammen:

Autotest getürkt?

Die FAZ wirft dem ADAC vor, bereits im Jahr 2005 einen Autotest manipuliert zu haben. Damals hätten die Tester die Reifen eines Dacia Logan ramponiert und ein Ersatzrad aufgezogen. Mit dem so präparierten Fahrzeug sollen sie derart rasante Manöver vollzogen haben, dass das günstige Fahrzeug aus rumänischer Produktion die Bodenhaftung verlieren musste. „Billigflieger aus Rumänien“, spottete der ADAC damals. Die FAZ wies dem ADAC unter der Überschrift Schummelclub ADAC? die Manipulation nach. Der ADAC gab kleinbei.

Mautzahlen gefälscht? 

CSU-Chef Horst Seehofer ist vom ADAC-Skandal „nicht überrascht“, denn er habe sich auch über andere Zahlen in der Vergangenheit gewundert. „Im Zusammenhang mit der Maut hab ich mich immer gefragt, wie man zu solchen Schlussfolgerungen kommen kann“, so Seehofer. Die CSU habe immer andere Zahlen etwa zu voraussichtlichen Einnahmen aus der Maut gehabt. Obermair weist das zurück und sagt, der Club habe bereits eine neue Studie zum Thema Maut in Auftrag gegeben.

Alle Tests falsch? 

Auto-Papst Professor Ferdinand Dudenhöffer befürchtet ein System hinter den Manipulationen. „Wenn sie beim Gelben Engel lügen, könne man das auch für die anderen Bereiche nicht ausschließen.“ Die Pannen- und Tunnelstatistik gehöre ebenfalls auf den Prüfstand. Im System des ADAC laufe grundsätzlich etwas falsch. Er fordert eine Aufspaltung des ADAC – in einen Pannenhilfeverein und ein Wirtschaftsunternehmen.

Mk.

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