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„Übernächster Schritt“: VW-Chef erteilt günstigen E-Autos vorerst eine Absage

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Von: Markus Hofstetter

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Mittelfristig wird es bei VW keine günstigen Elektroautos geben. Bis Mitte des Jahrzehnts sollen nur Modelle in der Preisregion ab 25.000 Euro auf den Markt kommen.

Wolfsburg - Bei Volkswagen läuft es derzeit nicht so richtig rund. Zwar machte das Unternehmen im Jahr 2022 mehr Umsatz und Gewinn, dennoch knirscht es im Getriebe. Offensichtlich wurde das, als VW-Chef Oliver Blume bei Cariad, die Konzernsparte ist für die Entwicklung eigener Auto-Software zuständig, das Führungspersonal austauschte.

VW-Chef erteilt günstigen E-Autos eine Absage: nicht unter 20.000 Euro

Auch beim Absatz von Elektroautos hängt VW hinterher, vor allem im wichtigen chinesischen Markt. Ein Problem dabei ist, dass das Unternehmen in seinem Portfolio keine günstigen E-Auto-Modelle hat, ein Segment, das in China von großer Bedeutung ist. Zwar hat VW im März den elektrischen Kleinwagen ID.2all angekündigt, doch der Zweitürer mit einer Reichweite von bis zu 450 Kilometern soll erst 2025 ausgeliefert werden. Zudem ist er mit rund 25.000 Euro auch nicht besonders günstig.

Volkswagen AG - Hauptversammlung 2023
VW-Chef Oliver Blume will zunächst E-Autos in der Preisregion von 25.000 Euro anbieten © Britta Pedersen/dpa

Schon bei der Vorstellung des ID.2all teilte VW, dass man „trotz aller Herausforderungen“ an einem E-Auto für unter 20.000 Euro arbeite. In einem Interview mit der Bild am Sonntag (14. Mai) bestätigte Blume das Vorhaben, allerdings mit einer kleinen Einschränkung. Es werde ein E-Auto „nicht unter 20.000 Euro, aber in der Preisregion um die 20.000 Euro“ geben. „Ich halte das für eine lohnende Überlegung und ein sinnvolles Ziel für die Marke VW.“ Für Volkswagen wäre dies der „übernächste Schritt“. Zunächst könnten sich Kunden über verschiedene E-Autos aus dem Konzern für rund 25.000 Euro freuen. Mitte des Jahrzehnts sollen sie auf den Markt kommen.

VW in China: Marke hat weiterhin „große Strahlkraft“

Auf dem wichtigen chinesischen Markt soll VW den Worten Blumes zufolge „der stärkste internationale Automobilhersteller“ sein. In China seien im vergangenen Jahr ein Viertel aller verkauften Autos Elektroautos gewesen. VW erwartet, dass dieser Anteil in den nächsten zwei bis drei Jahren auf 50 Prozent ansteigen wird. Zur Frage nach der chinesischen Konkurrenz sagte Blume, die Chinesen hätten in den vergangenen Jahrzehnten viel gelernt und legten ein enormes Innovationstempo vor.

„Sie nutzen E-Autos für Kurzstrecken und in den großen Megacitys“, so der VW-Chef. In ländlichen Gebieten seien die Autos von VW mit Hybridantrieben oder Verbrennermodelle „weiterhin sehr erfolgreich“. Die Marke Volkswagen „hat eine große Strahlkraft“. Blume sagte, VW sei dort Marktführer bei Verbrenner-Modellen. „Unsere Stärken wollen wir auf die E-Fahrzeuge übertragen.“

Günstige Elektroautos europäischer Hersteller: Nur Dacia hat Modell für rund 20.000 Euro

Einen elektrischen Kleinwagen für rund 20.000 Euro bietet in Europa bereits der rumänische Hersteller Dacia an. Der Dacia Spring hat laut Unternehmensangaben eine Reichweite von bis zu 230 Kilometern. Dacia ist eine Tochter von Renault. Renault selbst will 2024 einen elektrischen Kleinwagen in der Preisklasse des ID.2all auf den Markt bringen. Auch der Opel-Mutterkonzern Stellantis hat solche Pläne.

Gerade bei kleinen Autos sind die Gesamtkosten für ein elektrisches Fahrzeug derzeit noch sehr viel höher als für einen klassischen Verbrenner. Allein in der Anschaffung sind die kleinen Wagen aktuell noch fast doppelt so teuer wie die Verbrenner-Variante, wie der ADAC kürzlich erklärte.

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