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VW: Machtkampf beendet - Aufsichtsrat macht wichtiges Zugeständnis an Beschäftigte

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Von: Thomas Schmidtutz

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Herbert Diess
Herbert Diess: Der Volkswagen-Chef soll sich künftig vor allem auf den Umbau des Autobauers Richtung E-Mobilität konzentrieren. © Sven Hoppe/dpa

Im Machtkampf um die Zukunft von VW-Chef Herbert Diess ist die Entscheidung gefallen. Diess bleibt an Bord - und die Beschäftigten in Wolfsburg erhalten den Zuschlag für ein zukunftsträchtiges Modell.

Wolfsburg/München – Nach einem erbitterten Machtkampf mit dem Betriebsrat bleibt VW-Konzernchef Herbert Diess weiter im Amt. Allerdings gibt Diess die Verantwortung für wichtige Bereiche ab, wie das Unternehmen nach der Sitzung des Aufsichtsrats am Donnerstag mitteilte.

Den Plänen zufolge soll künftig der Chef der Kernmarke VW, Ralf Brandstätter, in den Vorstand aufrücken und ab Mitte des kommenden Jahres von Diess die Verantwortung für das wichtige, aber zuletzt schwächelnde Geschäft in China übernehmen.
Die Steuerung von VW soll dann an Skoda-Chef Thomas Schäfer gehen, der damit ebenfalls in den Konzernvorstand aufrücken soll.

Außerdem rückt Audi-Vertriebsvorständin Hildegard Wortmann in den Zentral-Vorstand auf und von Diess den gesamten Vertrieb übernehmen. Der 63jährige selbst soll sich dagegen künftig verstärkt um die Konzern-Strategie sowie die neue Software-Sparte Cariad kümmern. Die Gesamt-Verantwortung für die Volumenmarken VW, Skoda, Seat sowie die leichten Nutzfahrzeuge soll der Vorstandsvorsitzende jedoch behalten.

VW: Heftiger Streit zwischen Diess und Betriebsrat

Damit ist der seit Monaten schwelende Machtkampf zwischen Diess und den Arbeitnehmer-Vertretern im Konzern zunächst entschieden. Diess hatte den Betriebsrat im September mit Überlegungen zu einem möglichen Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen im Stammwerk vor den Kopf gestoßen. Betriebsratschefin Daniela Cavallo hatte Diess daraufhin ungewöhnlich heftig angegriffen. Auch das Land Niedersachsen als zweitgrößter Anteilseigner war wegen der Überlegungen zum Arbeitsplatz-Abbau von Diess abgerückt.

Um die Wogen zu glätten und die mächtige Arbeitnehmerseite zum Einlenken zu bewegen, hatte sich Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch wochenlang intensiv um einen Kompromiss zwischen den völlig zerstrittenen Parteien bemüht.
Die liegt nun vor. Danach soll am Stammsitz in Wolfsburg ein völlig neues Werk gebaut werden. Zusätzlich zum für 2026 geplanten Produktionsstart des voll-elektrischen Trinity plant VW nun auch den ID.3 für Wolfsburg ein. Der Stromer im Golf-Format soll zusätzlich zum Werk in Zwickau ab 2023 in Teilen und ab 2024 ebenfalls komplett in Wolfsburg gebaut werden.

VW: Sorge um Stammwerk in Wolfsburg

Damit kommt das Unternehmen den Mitarbeitern in einem zentralen Punkt entgegen. In den vergangenen Jahren hatte die sinkende Auslastung in Wolfsburg wiederholt für Unruhe gesorgt. Zuletzt hatte sich die Lage am Mittellandkanal wegen fehlender Bauteile erneut eingetrübt. Im laufenden Jahr würden in Wolfsburg lediglich knapp 400.000 Autos vom Band laufen, sagte Cavallo am Donnerstag. Dies wäre der tiefste Stand seit den 50er Jahren.

Mit einer raschen Besserung rechnet Cavallo jedoch nicht. „Die kommenden Monate werden hart, vor uns liegt eine echte Durststrecke“, sagte Cavallo am Donnerstag in Wolfsburg. Schließtage und wegfallende Schichten würden das Unternehmen noch eine Zeit lang begleiten, kündigte sie nach der Aufsichtsratssitzung des Konzerns zur Investitionsplanung der kommenden fünf Jahre an. *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA.

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