Streik verboten: Öl und Gas fließen weiter

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Die Sleipner Bohrplattform, rund 250 km westlich der Küste Norwegens in der Nordsee gelegen. Die komplette norwegische Gas- und Ölförderung aus der Nordsee ist durch einen Arbeitskampf bedroht.

Oslo/Singapur/Frankfurt - Die Norweger drehen den Gas- und Ölhahn doch nicht zu. Im letzten Augenblick hat die Regierung in Oslo einen Streik und eine geplante Aussperrung auf den Förderplattformen verboten.

Der Ölpreis ging danach herunter.

Norwegens Regierung hat mit einem Streik- und Aussperrungsverbot in letzter Minute den Stopp der Öl- und Gasförderung aus der Nordsee verhindert. Wenige Stunden nach der Entscheidung von Arbeitsministerin Hanne Bjurstrøm für eine Zwangsschlichtung fielen die Ölpreise der Nordseesorte Brent am Dienstagmorgen auf 98,62 US-Dollar. Das waren 1,70 Dollar weniger als am Montag.

Bedroht waren durch eine für Mitternacht angekündigte Aussperrung von 6500 Beschäftigten auf 70 Plattformen auch die norwegischen Gaslieferungen nach Deutschland und in andere europäische Länder. Die Skandinavier decken 27 Prozent des deutschen und 20 Prozent des europäischen Bedarfs. Norwegen gehört außerdem zu den zehn führenden Öl-Exporteuren der Welt.

Bjurström begründete den Zwangstopp nach 16 Tagen Punktstreik und wenige Minuten vor Beginn der geplanten Flächenaussperrung mit der Position ihres Landes auf den internationalen Energiemärkten: “Das hier hätte zu äußerst ernste Konsequenzen für das Vertrauen in Norwegen als zuverlässigem Lieferanten von Öl und Gas führen können.“

Während der Arbeitgeberverband OLF den Zwangseingriff begrüßte, äußerte sich die Gewerkschaft SAFE enttäuscht. Sie hatte mit ihrem Streik mit 700 Beteiligten bessere Regelungen für den Vorruhestand ab 62 Jahren durchsetzen wollen.

Der Energie-Analyst Eugen Weinberg von der Commerzbank sagte zum Nachgeben des Ölpreises nach dem erzwungenen Abbruch des Arbeitskampfes: “Es ist gut zu sehen, dass die Märkte nicht immer nur auf die Euro- und Finanzkrise starren, sondern auch auf Veränderungen auf der Angebotsseite reagieren.“

dpa

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