Welt-Risiko-Bericht

Experten: Finanzkrise kann wieder zuschlagen

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Ein Mann steht im September 2008 in der Börse in Frankfurt am Main vor der Dax-Kurve. Experten warnen: Die Finanzkrise kann wiederkommen.

London - Die Finanzkrise ist nach Überzeugung führender Wirtschaftsexperten längst nicht überwunden und kann erneut zuschlagen.

Dies sei in den nächsten Jahren die größte Gefahr für die Weltwirtschaft, warnt der Welt-Risiko-Bericht 2014. „Entwickelte Volkswirtschaften sind weiterhin von der Finanzkrise bedroht“, heißt es in der Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF), die am Donnerstag in London vorgestellt wurde. Sie beruht auf der jährlichen Befragung von mehr als 700 Managern und Wirtschaftswissenschaftlern zahlreicher Länder.

Als Gefahren mit potenziell verheerenden Folgen sehen die Befragten auch die hohe Arbeitslosigkeit in vielen Ländern - besonders unter Jugendlichen -, die weiter wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sowie den Klimawandel und den Missbrauch des Internets durch Verbrecher und Spione. Von allen Risikoszenarien sei das weitere Anwachsen des Wohlstandsgefälles als unmittelbare Folge der Finanzkrise jene Gefahr, die am wahrscheinlichsten eintreten werde.

Alle Worte des Jahres seit 1977

Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Seit 1977 wählt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden regelmäßig das Wort des Jahres. 1979 wurde der "Holocaust" zum Wort des Jahres gewählt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Rasterfahndung" ist das Wort des Jahres von 1980. Damit wird ein in den 1970er Jahren infolge der vergeblichen Fahndung nach den RAF-Terroristen entwickeltes Verfahren zur vernetzten Durchsuchung von Datenbeständen beschrieben. © dpa
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1981 -"Nulllösung": Der Begriff wurde Anfang der 1980er-Jahre im Zusammenhang mit der Debatte um die Nachrüstung geprägt. 1981 unterbreitete US-Präsident Ronald Reagan (rechts) der Sowjetunion (hier Staatsoberhaupt Leonid Breschnew) den Vorschlag einer beiderseitigen Nulllösung für landgestützte Mittelstreckenraketen. © dpa
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Die "Ellbogengesellschaft" hat das Rennen im Jahr 1982 gemacht. © dpa
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"Heißer Herbst" wurde im Jahr 1983 zum Wort des Jahres gewählt. © dpa
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Als Protest zu Dreckschleudern wie auf diesem Bild, wurde 1984 das "Umweltauto" zum Wort des Jahres ernannt. © dpa
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"Glykol" wurde nach dem Glykolwein-Skandal zum Wort des Jahres 1985. Aufgrund des süßen Beigeschmacks nutzten verschiedene Weinerzeuger Diethylenglycol, um ihre Weine verbotenerweise zu „veredeln“. Dabei gefährdeten sie die Gesundheit ihrer Konsumenten, denn Diethylenglycol kann Gesundheitsschäden verursachen. © dpa
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"Tschernobyl" wurde nach der Explosion im gleichnamigen Kernreaktor zum Wort des Jahres 1986. © dpa
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AIDS und Kondom: Diese beiden Wörter bestimmten die öffentliche Diskussion im Jahr 1987. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
1988 wurde die "Gesundheitsreform" gewählt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
1989 war für die ehemaligen DDR-Bürger endlich die Ausreise ohne Antrag oder Erlaubnis möglich. Die "Reisefreiheit" wurde damals zum Wort des Jahres. © dpa
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"Die neuen Bundesländer" ernannte man 1990 zum Wort des Jahres. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Das ost- und das westdeutsche (Pfeil) Sandmännchen friedlich nebeneinander: Das Wort des Jahres 1991 beschreibt ein etwas unentspannteres Verhältnis. "Besserwessi" (Besserwisser und Wessi) entstand nach der deutschen Wiedervereinigung in den 1990er Jahren und bezeichnet abschätzig das Verhalten einiger westdeutscher Bürger gegenüber der ostdeutschen Bevölkerung, das als besserwisserisch und arrogant empfunden wurde. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
1992 entschied sich die Jury für "Politikverdrossenheit". © dpa
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Der "Sozialabbau" machte das Rennen im Jahr 1993. © dpa
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Ein "Superwahljahr" gab es 1994. In diesem Jahr wurde es auch das Wort des Jahres. © dpa
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1995 war "Multimedia" der Favorit der Jury. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Das "Sparpaket" hat meistens einen negativen Beigeschmack für die Bevölkerung. 1996 bestimmte es die öffentliche Diskussion. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Das Jahr 1997 stand unter dem Motto "Reformstau". Dieses Schlagwort kritisiert das Unterbleiben gewünschter politischer oder struktureller Reformen und wurde damals zum Wort des Jahres. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
1998 wurde "Rot-Grün" gewählt - auch zum Wort des Jahres. Hier der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und sein Vize Joschka Fischer (Die Grünen). © dpa
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"Millenium" wurde zum Wort des Jahres 1999 gewählt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Die "Schwarzgeldaffäre" wurde das Wort des Jahres im Jahr 2000. Sie bezeichnet die illegale Spendenpraxis der CDU in den 1990er Jahren unter dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl (rechts). (Hier mit dem damaligen CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep) © dpa
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Nach den Terroranschlägen auf das Word Trade Center in New York wurde der "11. September" zum Wort des Jahres 2001. © dpa
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Mit der Einführung des Euro hatten viele das Gefühl, dass die Preise von Produkten und Dienstleistungen schlagartig gestiegen sind. Der Begriff "Teuro" drückte den Unmut der Bevölkerung aus und wurde 2002 zum Wort des Jahres gewählt. © dpa
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"Das alte Europa" ist das Wort des Jahres 2003. Der ehemalige us-amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verwendete diesen Begriff auf einer Pressekonferenz. Viele verstanden den Ausdruck als abwertende Bezeichnung für jene europäischen Länder, die eine Teilnahme am Irak-Krieg von 2003 ablehnten oder sich kritisch dazu äußerten. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Hartz IV" machte 2004 das Rennen. © dpa
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Mit der Wahl von Angela Merkel im Jahr 2005 wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik eine Frau zum Staastsoberhaupt gewählt. "Bundeskanzlerin" wurde daraufhin das Wort des Jahres im Jahr 2005. © dpa
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Nach der Fußball-Euphorie zur WM 2006, wurde der Begriff "Fanmeile" zum Wort des Jahres bestimmt. © dpa
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2007 entschied sich die Jury für die "Klimakatastrophe". © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Seit 2008 sind die Konsequenzen der "Finanzkrise" zu spüren. Seither meldet ein Finanzunternehmen nach dem anderen Insolvenz an. "Finanzkrise" wurde das Wort des Jahres 2008. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
2500 Euro Prämie, wenn ein altes Kraftfahrzeug verschrottet und ein Neuwagen oder Jahreswagen zugelassen wird. Die "Abwrackprämie" war eine Maßnahme zur Ankurbelung der Autobranche und ist 2009 das Wort des Jahres. © dpa
“Wutbürger“ ist das Wort des Jahres 2010. “Wutbürger“ stehe für die Empörung in der Bevölkerung, “dass politische Entscheidungen über ihren Kopf hinweg getroffen werden“. Das wichtigste Beispiel dafür war “Stuttgart 21“, das die Sprachexperten auf Platz zwei wählten. © dpa
“Stresstest“ ist das Wort des Jahres 2011. Das gab die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag in Wiesbaden bekannt. © dpa

Politiker und Wirtschaftsführer müssten den absehbaren Risiken entschlossener und konzertierter entgegenwirken als bisher, forderte WEF-Präsident Klaus Schwab. Der Bericht soll in der kommenden Woche beim Jahrestreffen des WEF in Davos (22. bis 25. Januar) erörtert werden. Daran nehmen mehr 2500 Persönlichkeiten aus fast 100 Ländern teil - unter ihnen mehr als 40 Staats- und Regierungschefs.

„Wenn die Lenker der Welt die erkennbaren Risiken nicht konsequent angehen, werden diese sich weiter verstärken und zu Konsequenzen führen, die wir kaum noch kontrollieren können“, sagte die an der Studie beteiligte WEF-Direktorin Margareta Drzeniek der Nachrichtenagentur dpa. Dabei habe die Privatwirtschaft eine sehr große Verantwortung zu tragen, wozu sie allerdings auch bereit sei.

Besonders schwerwiegend sei das Problem der Jugendarbeitslosigkeit mit mehr als 50 Prozent in Ländern wie Spanien oder Griechenland. „Jugendarbeitslosigkeit in einem solchen Ausmaß ist nicht allein eine Vergeudung menschlichen Kapitals, sondern droht auch, den gesamten wirtschaftlichen Fortschritt zu bremsen“, heißt es in der WEF-Studie.

Verhalten vieler Staaten "Teufelskreis"

Als „Teufelskreis“ bezeichnen die Verfasser den Umgang vieler Staaten mit der Finanzkrise. Nach wie vor würden Regierungen mehr ausgeben, als sie einnehmen. Die Differenz werde durch Staatsanleihen ausgeglichen, also durch das Borgen von immer mehr Geld bei privaten Investoren. „Die Angst, dass ein Land nicht mehr in der Lage ist, seine Schulden zu begleichen, kann rasch in eine fatale Spirale führen.“

Als besonders gefährlich werden Staatsschulden der USA in Höhe von mehr als 100 Prozent des Bruttosozialprodukts sowie Japans mit sogar mehr als 230 Prozent bezeichnet. In der Eurozone seien zwar die Staatsschulden weniger hoch. Die Krisengefahr sei aber trotzdem enorm, weil einzelne Euro-Länder bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten „nicht mehr die Option haben, durch eine Abwertung ihrer Währung die notwendigen fiskalen Anpassungen vorzunehmen“.

dpa

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