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Wieder im Aufwind: Landesbanken schöpfen Hoffnung

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Auch die BayernLB schreibt wieder schwarze Zahlen.

Frankfurt - Nach der Rettung mit Steuermilliarden mühen sich die angeschlagenen Landesbanken allmählich in die Gewinnzone zurück.

Die drei größten Institute, LBBW, BayernLB und WestLB, schreiben nach herben Verlusten 2009 wieder schwarze Zahlen. Doch die Schwierigkeiten sind noch lange nicht vom Tisch. Experten warnen: Altlasten könnten Deutschlands Steuerzahler noch teuer zu stehen kommen. Unter den Landesbanken verschärft sich unterdessen der Wettbewerb um Kunden: Die Starken wildern bei den Schwachen. Fusionen, die Fachleute seit Jahren anmahnen, sind nicht in Sicht.

“Nur weil im operativen Geschäft wieder Gewinne geschrieben werden, sind die Probleme nicht behoben“, sagt Bankenexperte Christoph Kaserer von der TU München. Dass die öffentlich-rechtlichen Instituten beispielsweise im Geschäft mit Mittelstandskunden Boden gutmachen, sei eine Folge der anziehenden Konjunktur.

Genauer betrachtet stammen viele der jetzt ausgewiesenen Gewinne gar nicht aus dem operativen Geschäft: Einen Großteil verdanken die Zentralinstitute der Sparkassen dem Umstand, dass Wertpapiere Verluste aufholen. Bei der BayernLB etwa schnellte das Ergebnis aus der Bewertung von Anlagen (“Fair Value-Bewertung“) im ersten Quartal auf 391 (Vorjahresquartal: 133) Millionen Euro in die Höhe. Die Banken profitieren auch von dem seit Monaten niedrigen Zinsniveau und der Möglichkeit, sich bei der Notenbank günstig mit Geld einzudecken.

“Das zentrale Problem vieler Landesbanken sind die Altlasten, jene strukturierten Wertpapiere, die vor der Krise gekauft wurden“, sagt Kaserer. Die Düsseldorfer WestLB befreite sich mit Bundeshilfe von riskanten Papieren und bilanziellem Ballast von insgesamt rund 77 Milliarden Euro - das dürfte fast ein Drittel ihrer Aktivitäten sein.

Ein zwangsläufiger Schritt, wie Kaserer meint: “Es werden sich keine Investoren für Landesbanken mit derartigen Risiken finden. Da bleibt nur die Auslagerung zum Beispiel in Bad Banks - letztlich trägt dann aber der Steuerzahler das Risiko.“ Kaserer ist überzeugt: “Da wird noch eine gehörige Rechnung auf den Steuerzahler zukommen.“

Wirtschaftskrise: Diese Banken hat es am meisten getroffen

Kaupthing Bank
Zahlungsunfähig seit einem Jahr: Die isländische Kaupthing Bank steht seit Oktober 2008 unter staatliche Aufsicht. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot erlassen. Die deutschen Kaupthing-Anleger bangen noch immer um ihre Einlagen. © dpa
Protest nach Lehman-Pleite
Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers am 15. September 2008 war die größte Pleite eines Unternehmens, das die Welt je gesehen hat. In Folge brachen weltweit die Aktienmärkte ein und das globale Finanzsystem befand sich am Rande des Kollapses. Ein Jahr nach der Pleite erheben deutsche Banken Anspruch auf 50 Milliarden Dollar aus der Insolvenzmasse.  © dpa
Hypo Real Estate
Die Hypo Real Estate ist seit 13. Oktober 2009 vollständig in staatlicher Hand. Die Bank war in Schieflage geraten und konnte nur mit staatlichen Hilfen vor der Pleite bewahrt worden. Viele Anleger fühlen sich nun um ihr Erspartes gebracht. © AP
Bayern LB
Die BayernLB hatte allein 5,2 Milliarden Euro mit verbrieften US-Immobilienkrediten verspielt. Weitere 2,6 Milliarden Euro kostete das Engagement bei der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria. Dem Freistaat Bayern gehören inzwischen 94 Prozent der Bank. Doch 2010 erzielte die Bank wieder einen Profit von 635 Millionen Euro. © AP
westLB
Die nordrhein-westfaelische Landesbank WestLB steckt seit 2007 durch Fehlspekulationen und die Auswirkungen der Finanzkrise in Schwierigkeiten. Für 2010 meldete sie ein Minus von 240 Millionen Euro - und das, obwohl sie marode Kredite im Volumen von 77 Milliarden Euro in eine Bad Bank ausgelagert hat. © AP
IKB
Bereits im Sommer 2007 wäre die in Düsseldorf ansässige IKB beinahe pleite gegangen. Als erstes großes Geldinstitut in Deutschland. Zehn Milliarden Euro waren notwendig, um die Mittelstandsbank zu retten, vor allem der Staat musste einspringen. Doch noch immer sind die Ursachen für die Pleite nicht aufgeklärt. © AP
Commerzbank
Die Commerzbank musste vom Staat mit Milliardensummen gestützt werden. Dennoch hat die Bank Anfang Oktober 2009 nach Berichten des Handelsblatts Teile der von der Politik beschlossenen Regeln zum Anlegerschutz heftig attackiert. Bis Juni 2011 will die Bank 14,3 Milliarden Euro Rettungsgelder zurückzahlen. Das sind 88,3 Prozent der Stillen Einlage des staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin von 16,2 Milliarden Euro. © dpa
HSH Nordbank
Die Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein kommt nicht mehr aus den Schlagzeilen. 2008 legte die HSH Nordbank einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro hin. Sie überlebte nur dank Steuermilliarden. 2010 erzielte sie nach harter Restrukturierung einen klitzekleinen Gewinn von 48 Millionen Euro bei einer Bilanzsumme von 151 Milliarden Euro. Die verbliebene Neun-Milliarden-Euro-Bürgschaft des Bankenrettungsfonds SoFFin will sie bis Mitte 2012 abbauen. © dpa
LBBW
Die finanziell schwer angeschlagene Landesbank Baden-Württemberg will bis 2013 ganze 2500 Stellen streichen, um so jährlich rund 700 Millionen Euro einzusparen. Inzwischen ist klar: Im Frühjahr 2009 war die LBBW quasi pleite. Gerettet haben sie Land und Sparkassen und ein Risikoschirm von 12,7 Milliarden Euro. © dpa
Bear Stearns
Die Finanzkrise erreichte mit dem Notverkauf der fünftgrößten US-Investmentbank Bear Stearns im März 2008 einen ersten Höhepunkt vor der Lehman-Pleite. Die Bank wurde mit Unterstützung der US-Notenbank von ihrem früheren Konkurrenten JP Morgan Chase übernommen. © AP
Uni Credit
2006 übernahm die italienische Uni Credit, der Mutterkonzern der Bank Austria, die deutsche Hypo Bank. Unser Archivfoto zeigt den Uni Credit Chef Alessandro Profumo beim Verkünden dieser Nachricht. Die Wirtschaftskrise nötigte die Bank zu einer Kapitalerhöhung bis zu 6,6 Milliarden Dollar und zu einem Expansionsstopp in Osteuropa. © dpa
Goldman Sachs
Bei Goldman Sachs, einer weltgrößte Investmentbank, ist Warren Buffett eingestiegen. Die Finanzbranche fürchtet erneute Rückschläge, die Krise ist längst noch nicht vorbei. Aber Goldman Sachs legte im Juli 2009 Zahlen wie aus Tagen des Turbokapitalismus: Mit einem Gewinn von 2,7 Milliarden Dollar hat das krisengeschüttelte Institut für einen Paukenschlag gesorgt. © AP
Merill Lynch
Die drittgrößte US-Investmentbank Merrill Lynch hat sich inmitten der Wall-Street-Krise in einem Eilverkauf unter das Dach der Bank of America gerettet. Der Kaufpreis lag bei 50 Milliarden Dollar - allerdings nur in Aktien. Damit bewahrte der Merrill-Chef sein Traditionshaus vor dem Schicksal des insolventen Konkurrenten Lehman Brothers. © dpa
Northern Rock
Lange Schlangen gab es vor den Fillialen von Northern Rock, einem Baufinanzierer aus Großbritannien, da die verzweifelten Kunden ihr Ersparnisse retten wollten. Trotz eines Notfall-Kredits durch die Bank von England wurde das Institut im Februar 2008 verstaatlicht. © dpa
Zentrale US-Versicherungsgigant American International Group AIG
Beim taumelnden US-Versicherungsgiganten American International Group AIG hat die US-Regierung kaum vorstellbare 180 Milliarden Dollar Steuergelder zu dessen Rettung investiert. Die Gehälter der Manager der Handelssparte will die US-Regierung drastisch kappen. © dpa
Chrysler-Zentrale Michigan
Nur dank enormer Staatshilfen hat die Autobank Chrysler-Financial des Chrysler-Konzerns die Wirtschaftskrise bislang überstanden. In der Zentrale des Konzerns in Auburn Hills, Michigan, müssen die Manager derweil mit Gehaltseinbußen rechnen. Die US-Regierung will deren Bezüge drastisch kürzen. © dpa
citigroup
Die US-Großbank Citigroup hatte im September 2009 angekündigt, Staatshilfen im Wert von 20 Milliarden Dollar zurückzahlen zu wollen. Doch bislang stimmte die US-Regierung dem nicht zu. Diesen will zunächst offenbar keine weiteren staatlich gestützten Finanzinstitute aus ihrer Kontrolle entlassen. © AP
GM-Zentrale Detroit Michigan
Der Autokonzern General Motors, hier seine Zentrale in Detroit, betreibt auch eine Autobank namens GMAC. Der größte Autofinanzierer des Konzerns musste wegen Milliardenverlusten Staatshilfen in Anspruch nehmen. © dpa

Die Rechnung ist schon jetzt gigantisch: Bund, Länder und Kommunen - und damit in letzter Konsequenz die Steuerzahler - bewahrten etliche Institute mit Bürgschaften und Kapitalspritzen in Milliardenhöhe vor dem Untergang. Für die LBBW (Baden-Württemberg), BayernLB, WestLB und HSH Nordbank (Hamburg/Schleswig-Holstein) summierten sich die Finanzhilfen aus öffentlichen Kassen - ohne Bürgschaften - auf rund 20 Milliarden Euro. Allein die WestLB- Rettung, in die der Bund drei Milliarden Euro steckte, kostete jeden Bundesbürger umgerechnet gut 36 Euro.

Viele der sieben eigenständigen deutschen Landesbanken hätten sich in der Krise verzockt, urteilte jüngst Heinrich Haasis, Präsident des Sparkassenverbandes und damit Sprachrohr der Haupteigentümer vieler Landesbanken: “Reden wir nicht drumherum: Auch aus unserer Gruppe sind einzelne Häuser den Verlockungen schneller Gewinne auf internationalen Finanzmärkten erlegen“, sagte Haasis Anfang Mai. “Sie selbst und die Träger haben dafür bitter bezahlen müssen.“

Die deutlich gestutzte WestLB hält nun wieder verstärkt Ausschau nach einem Partner. Doch die Hürden sind keineswegs kleiner geworden: Bevor sich gesunde Landesbanken wie die Landesbanken von Hessen- Thüringen (Helaba) oder Berlin (LBB) einen Klotz ans Bein binden, gehen sie lieber auf eigene Faust in anderen Regionen auf Kundenfang.

Experten wie Stefan Best von Standard & Poor's geben zudem zu Bedenken: “Institute wie BayernLB und WestLB waren in einer schweren Schieflage, da kommt man nicht innerhalb von ein bis zwei Quartalen wieder raus - vor allem, wenn man kein eigenes nachhaltig stabiles Geschäftsmodell hat.“ Weitere Belastungen erwartet Best bei der Vorsorge für mögliche Kreditausfälle: “Auffällig ist, dass viele der Banken im ersten Quartal wenig Risikovorsorge gebucht haben, zum Beispiel BayernLB oder LBBW. Das wird im Laufe des Jahres vermutlich deutlich mehr werden angesichts des wirtschaftlichen Umfeldes.“

Die Hoffnung, dass die Krise rasch zu größeren Landesbanken führen würde, hat sich längst zerschlagen. Zwar nahm der politische Druck aus Berlin und Brüssel eher zu, zu neuen Strukturen zu kommen. Doch selbst Sparkassen-Präsident Haasis, einer der engagiertesten Vorkämpfer für größere Landesbanken, musste einsehen: Für die Neuordnung ist “ein langer Atem notwendig“.

Von Jörn Bender und Volker Danisch

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