Günstiger als Aldi, Lidl und Co.

So will Real die Discounter angreifen

Knallig gelb, sonst ohne Schnick-Schnack: Die Produkte im Laden.

München - Seit vielen Jahren gelten Aldi und Lidl als Herren der Preise. Jetzt will Real die Discounter angreifen. Die tz testete die neuen Billig-Produkte.

Die Discounter setzen die Preisuntergrenze bei Lebensmitteln des täglichen Bedarfs. Jetzt bekommen sie Konkurrenz. Die Warenhauskette Real steigt mit Super-Billig-Produkten deutlich unterhalb der Discounter-Preise ein. Die wichtigsten Fakten:

Was bietet Real an? Bis jetzt 20 haltbare Produkte in einfachster Verpackung, gelben Schachteln und sparsamer Beschriftung. Real wirbt mit dem Slogan „Ohne Schnickschnack. Ohne teuer“. Dazu zählen Spaghetti, Fruchtsäfte, Leberwurst, WC-Papier, Croissants, Glühbirnen und Socken. Im Real an der Machtlfinger Straße sind sie unauffällig in den einzelnen Produktgruppen platziert. „Vor allem Säfte und Nudeln laufen gut“, verrät eine Verkäuferin.

Wird das Angebot ausgeweitet? Unternehmenssprecher Markus Jablonski: „Es soll nicht bei den knapp 20 Produkten bleiben. Das können am Ende 200 Produkte werden oder 2000. Darüber entscheiden letztlich die Kunden. “

Was steckt hinter dem Einstieg in den Discountmarkt?  Jablonski zur tz: „Wir erreichen damit neue Kundenschichten. Der Verkauf läuft in den ersten zwei Wochen bereits hervorragend.“

Wie steht der Handelsverband Bayern dazu? „Das ist eine gute Nachricht für die Verbraucher. Die Deutschen sind Billigheimer. Deshalb hat das Konzept große Erfolgsaussichten“, sagt Sprecher Bernd Ohlmann.

Wer ist die Zielgruppe? Handelsexperte Matthias Queck vom Beratungsunternehmen Planet Retail: „Es gibt Haushalte in Deutschland, für die selbst der Einkauf im Discounter eine finanzielle Herausforderung darstellt. Es gibt eine Klientel, die noch billiger einkaufen muss.“

Wie steht es um die Qualität? Realsprecher Jablonski: „Die ist einwandfrei. Statt drei werden für die Spaghettis nur zwei Eier verwendet, der Saftanteil im Fruchtgetränk ist geringer und das WC-Papier 2- statt 3-lagig. Vor 15 Jahren war das der Discounter-Standard. Die haben die Qualität ihrer Produkte jetzt verbessert, was höhere Preise nach sich zieht.“ Lebensmittelexperte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg meint: „Das ist Qualität am untersten Limit.“

Welche Unternehmen produzieren die „Ohne teuer“-Produkte und wo werden sie hergestellt? Wie die Discounter hält sich auch Real zurück. Sprecher Jablonski: „Dazu machen wir generell keine Angaben.“ Die Leberwurst beispielsweise stammt laut Siegel aus Deutschland. Andere Produkte könnten laut Verbraucherschützer Valet aber billig im Ausland hergestellt werden.

Kann Real einen Preiskrieg mit den Discountern entfachen? Experte Queck: „Das ist möglich.“ Ein Branchen-Insider bezweifelt das gegenüber der tz: „Real ist mit seinen 300 Warenhäusern dafür viel zu klein.“ Aldi Süd und Nord haben zusammen 4300 Filialen.

Produkte im tz-Check

Der Lebensmittelexperte der Verbraucherzentrale Hamburg, Armin Valet, hat fünf der Real-Billigprodukte für die tz unter die Lupe genommen. Valets Fazit: „Qualität am untersten Limit.“

Fix Dessert Schokolade, 2 x 75 Gramm, Preis: 59 Cent. Inhalt: Zucker, modifizierte Stärke (Kartoffeln), elf Prozent fettarmes Kakaopulver, Verdickungsmittel Carrageen, Salz, Aroma. Spuren von Schalenfrüchten, Ei, Milch, Soja.

Bewertung: „Zu beanstanden ist hier nur der Anteil von Carrageen, der Allergien auslösen kann.“

Orangen-Fruchtsaftgetränk mit Süßungsmittel, 1,5 Liter, Preis: 69 Cent. Inhalt: Wasser, 10% Orangensaft aus Konzentrat. Zitronensäure, natürliches Organgenaroma, mit anderen natürlichen Aromen Karottensaftkonzentrat, Natriumcyclamat, Aspartam, Acesulfam, Saccharin-Natrium, Ascorbinsäure.

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Bewertung: „Das ist kein Orangensaft, sondern eigentlich nur Zuckerwasser mit Geschmack“, spottet Valet.

Hausmacher-Leberwurst, 400 Gramm, Preis: 1,99 Euro. Inhalt: 47% Schweinefleisch, 26% Schweineleber, Speck, jodiertes Speisesalz, Zucker, Glukosesirup, Gewürzextrakte mit Senf und Sellerie, Zitronensäureester von Mono- und Dyglyceriden, Natriumascorbat, Natriumnitrit.

Bewertung: „Laut DE-Siegel wurde die Wurst in Deutschland produziert. Sie ist mit Zusatzstoffen deutlich aufgebessert worden. Hier geht es um jeden Cent. Nach Tierhaltung will man lieber nicht nachfragen.“

Spaghetti, 750 Gramm, Preis: 89 Cent. Inhalt: Hartweizengrieß, 0,8% Eipulver, Spuren von Soja.

Bewertung: „Die Nudeln enthalten zum einen sehr wenig Ei, zum anderen konzentriertes Eipulver statt frischen Eiern oder Flüssigei. Gesundheitsschädlich sind die Nudeln aber nicht.“

Croissants, Vierer-Pack, Preis: 99 Cent. Inhalt: Weizenmehl, pflanzliches Fett (Palm-, Kokosnuss), Wasser, Zucker, Rapsöl, Salz, Eipulver, Milchpulver, Natriumacetat.

Bewertung: „In Croissants gehört Butter. Die wird durch billiges Palm- und Kokosfett ersetzt. Auch das Natriumacetat spricht nicht für Qualität.“

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Karl-Heinz Dix

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