1,5 Milliarden Euro Steuern gespart?

Winterkorn verteidigt Porsche-Deal

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Volkswagen-Chef Martin Winterkorn.

Stuttgart - Mit dem nahenden Porsche-Deal kann VW eine milliardenschwere Steuerlast umschiffen. Doch VW-Chef Martin Winterkorn weist Kritik zurück. Je früher die beiden Partner zusammenkämen, desto besser sei das.

Der dank einer Gesetzeslücke früher mögliche Porsche-Kauf ist aus Sicht von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn kein Trick zum Steuersparen. “Das Gegenteil ist richtig. Auch der Staat würde durch die höheren Steuereinnahmen wesentlich profitieren“, sagte Winterkorn am Montag bei der Hauptversammlung der Porsche-Dachgesellschaft Porsche SE (PSE) in Stuttgart. Winterkorn ist in Personalunion Vorstandschef von VW und der PSE, unter deren Dach die Mehrheit der VW-Stammaktien liegt.

Vor wenigen Tagen hatten Recherchen der Nachrichtenagentur dpa und der “Wirtschaftswoche“ ergeben, dass VW die zweite Hälfte am Porsche-Sportwagengeschäft auch vor Ablauf einer Wartezeit bis Mitte 2014 ohne eine milliardenschwere Steuerlast übernehmen kann. Möglich wird das durch einen juristischen Kniff, der den Kauf als eine interne Umstrukturierung ausweist. Es geht nach um bis zu 1,5 Milliarden Euro Ersparnis.

So viel verdienen Merkel, Ackermann & Co. - Spitzengehälter in Politik und Wirtschaft

Gehaltserhöhung für Angela Merkel und ihre Minister: Das Bundeskabinett will seine Bezüge erhöhen - und erntet Kritik. Doch die Kanzlerin ist längst nicht die einzige, die in Deutschland gut verdient. Verantwortungsträger in der Wirtschaft bewegen sich in anderen Dimensionen. Die Spitzengehälter im Überblick: © dapd
Josef Ackermann, der Deutsche-Bank-Chef, schaffte es mit seinem Jahresgehalt sogar in die internationale Top 20 - gemessen am Vergleich der Dax-Unternehmen mit den größten europäischen und US-Aktiengesellschaften. Die Bezüge des Schweizers summierten sich nach Angaben der Frankfurter Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner 2011 auf rund 9,4 Millionen Euro. © dpa
Die parlamentarischen Staatssekretäre, wie hier Christoph Bergner, kommen derzeit auf knapp 10 000 Euro im Monat. Mit der Erhöhung kämen bis August 2013 rund 580 Euro oben drauf. © dpa
Frank Appel, der Vorstandschef der Deutschen Post DHL, kassierte 2011 rund 5,2 Millionen Euro. © dpa
Bundesminister wie Hans-Peter Friedrich und Kristina Schröder verdienen nach Angaben des Innenministeriums rund 13 000 Euro im Monat, nach der geplanten Gehaltsanhebung kämen 750 Euro (im Jahr: 9000 Euro) dazu. © dpa
Jürgen Großmann: Der RWE-Chef kam im vergangenen Jahr auf rund 6,4 Millionen Euro. © dpa
Kasper Rorsted: Bei Waschmittelkonzern Henkel verdiente der Vorstandschef 2011 rund 5,4 Millionen Euro. © dpa
Peter Löscher, der Siemens-Chef, strich im vergangenen Jahr rund 8,7 Millionen Euro ein. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel verdient im Monat 16 152 Euro, hinzu kommt eine sogenannte Dienstaufwandsentschädigung von 1022 Euro. Bis August 2013 sind schrittweise Erhöhungen geplant - das bedeutet ein monatliches Gehaltsplus von 930 Euro (im Jahr 11 160 Euro). © dpa
Norbert Reithofer, der Lenker des Autobauer BMW, kassierte 2011 rund 6,6 Millionen Euro - nicht wenig, aber nur knapp ein Drittel von den Bezügen von VW-Chef Winterkorn. © dpa
Martin Winterkorn ist der Spitzenverdiener unter den deutschen Managern. Der VW-Chef verdiente 2012 mehr als 14,5 Millionen Euro - und das, obwohl er freiwillig auf Gehalt verzichtet hat. © dpa
Wolfgang Reitzle, der Chef des Industriegase-Spezialisten und Anlagenbauers Linde, verdiente 2011 rund 6,7 Millionen Euro. © dpa
Dieter Zetsche, der Daimler-Vorstandschef, kam 2012 auf ein Jahresgehalt von mehr als 8,2 Millionen Euro. © dpa

Winterkorn bestätigte, dass VW und Porsche geprüft hätten, “ob es wirtschaftlich sinnvolle Alternativen gibt, um den integrierten Automobilkonzern zügiger zu schaffen. Dabei geht es natürlich auch um die Klärung steuerrechtlicher Fragen für den Fall einer vorzeitigen Integration“. Der Manager betonte aber, dass die Entscheidung, wie es nun weitergehe, noch ausstehe.

Nach dpa-Informationen ist die Weichenstellung aber bereits erfolgt, es fehlt nur noch das endgültige Okay der Gremien - eine Formalie. Nach Winterkorns Logik würde ein früherer Zusammenschluss zu höheren Erträgen führen, weil VW und Porsche unter einem Dach beim Autobauen besser sparen könnten. Am Ende würde dies seinen Angaben zufolge schließlich auch früher fällig werdende Steuern bedeuten.

Winterkorn sagte: “Porsche und Volkswagen waren, sind und bleiben gute, verlässliche Steuerzahler. Wir stehen zu unserer Verantwortung - für den Standort Deutschland und für das Gemeinwesen. Und zwar in jeder Hinsicht.“

Aus der Politik hatte es heftige Kritik am Plan der beiden Partner VW und PSE gegeben. Einige Bundesländer wollen die Lücke im Steuergesetz rasch schließen lassen. Eine entsprechende Initiative in Berlin ist bereits angelaufen. Nach dpa-Informationen wollen Porsche und VW den Zusammenschluss noch diesen Sommer umsetzen.

dpa

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