Wer wird der deutsche Kleinwagen-König?

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Audi-Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler sieht sich mittlerweile als Gejagter.

München - Zwischen den Autobauern Audi, BMW und Mercedes ist ein neuer Wettstreit ausgebrochen: Die drei Autohersteller kämpfen um die Krone im Kleinwagensegement.

Norbert Reithofer und Rupert Stadler würden sich wahrscheinlich prima verstehen. Doch wenn die beiden stets ruhig und freundlich wirkenden Manager auch manches verbindet, der BMW-Chef und der Mann an der Audi-Spitze liefern sich ein hartes Duell. Es geht um die Krone im Premiumsegment.

Der Kampf der beiden Autobauer BMW und Audi hat in der schweren Branchenkrise an Schärfe zugenommen. Bei Audi sieht man sich schon nicht mehr als “Jäger“, sondern als “Gejagte“. Ein Blick auf die Bilanzen der drei deutschen Premiumhersteller Audi, BMW, und Daimler

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BMW schaltet 2010 einen Gang höher

genügt, um zumindest den Gewinner des vergangenen Jahres auszumachen. Während das Autogeschäft sowohl BMW als auch Daimler Verluste eingebracht hat, glänzt Audi mit einem Milliardengewinn, der die Mutter Volkswagen im Krisenjahr im Plus gehalten hat. Der Vorteil, den VW-Konzern im Rücken zu haben, zeige sich immer deutlicher, sagt Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. “Audi hat seit Anfang der 90er Jahre einen bemerkenswerten Wandel durchgemacht“, sagt Professor Stefan Bratzel, Chef des Center of Automotive der Fachochschule Bergisch Gladbach. “Damit haben sie es geschafft, den vormaligen Platzhirschen sehr nahe zu kommen.“ Audi ist zwar bei den weltweiten Verkäufen noch immer der Kleinste der drei. 2010 wollen die Ingolstädter aber um gut fünf Prozent zulegen und die Bestmarke von mehr als einer Million Fahrzeuge knacken.

Der neue Audi A1

Audi A1
Sportlich mit Siebengang: Der neue Audi A1. Im Sommer 2010 soll das Kraftpaket für cirka 16.000 Euro zu haben sein. Premiere feiert das künftige Einsteigermodell auf dem Genfer Autosalon (4.bis 14. März). © Hersteller
Audi A1
Der A1 hat 2,47 Meter Radstand, ein Kofferraumvolumen von 267 Litern und zunächst nur vier Sitze. © Hersteller
Audi A1
Sicher ist bereits jetzt eine Version mit fünf Türen - ob es dann statt der zwei Einzelsitze im Fond auch eine Dreierbank geben wird, ließ Audi offen. © Hersteller
Audi A1
Der Kleinwagen teilt sich die Technik mit dem VW Polo und wird zunächst als 3,95 Meter langer Dreitürer angeboten. © Hersteller
Audi A1
Beim Antrieb kann zunächst unter vier aufgeladenen Direkteinspritzern ausgewählt werden - zwei Diesel und zwei Benziner. © Hersteller
Audi A1
Bei der Linie Ambition montiert Audi Sportsitze mit Lendenwirbelstütze; hier ist auch der Beifahrersitz serienmäßig höhenverstellbar. © Hersteller
Audi A1
Durch Umklappen der geteilten Fondlehnen – eine schnelle, komfortable Sache – wächst das Volumen auf etwa 920 Liter bei dachhoher Beladung. © Hersteller
Audi A1
Sportlich mit Siebengang: Der neue Audi A1 © Hersteller
Audi A1
Scheinwerfer mit charakteristischer Grafik, auf Wunsch Xenon plus mit LED-Tagfahrlicht... © Hersteller
Audi A1
...dreidimensional gestaltete Heckleuchten. © Hersteller
Audi A1
Der Fernlichtassistent erkennt per Kamera andere Fahrzeuge und Ortschaften und schaltet selbsttätig zwischen Abblend- und Fernlicht um. Er ist mit einem Licht- und Regensensor kombiniert, der auch separat zu haben ist. © Hersteller
Audi A1
Dynamisches Interieurdesign mit Anklängen an den Flugzeugbau. © Hersteller
Audi A1
Bordcomputer mit Effizienzprogramm. © Hersteller
Audi A1
Der jüngste von Audi ist für junge Leute gedacht. © Hersteller
Audi A1
Der neue Audi A1. © Hersteller

Bei BMW gibt man sich deutlich vorsichtiger: Einstelliges Wachstum auf mehr als 1,3 Millionen Autos werde angestrebt, sagt Reithofer. Das wäre im Vergleich zum Vorjahr nur ein minimales Plus von rund einem Prozent, nachdem die Verkaufszahlen 2009 um über zehn Prozent sanken. Trotz erfreulicher Verkaufszahlen im Januar und Februar war dem Manager auch bei der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch wenig mehr zu entlocken: “Wir bleiben vorsichtig optimistisch.“ Den harten Wettbewerb nehme man “sportlich“, sagt Reithofer betont gelassen.

Der neue BMW Vision EfficientDynamics

Der Vorstandsvorsitzende der BMW AG, Norbert Reithofer, steigt am Stand von BMW auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main aus dem BMW Vision aus. © dpa
Der BMW Vision Efficient Dynamics wird am Stand von BMW auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main von BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Draeger (vorn) enthüllt. © dpa
Der BMW Vision Efficient Dynamics am Stand von BMW auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main. © dpa
Das BMW-Konzept Auto Vision ist der Star unter den BMW-Weltpremieren auf der IAA. © AP
Hinteransicht des BMW Vision Efficient Dynamics. © AP
BMW Vision EfficientDynamics
Die Studie von BMW hat trotz 365 PS von einem Dreizylinder-Turbodiesel und zwei Elektromotoren nur den Verbrauch eines Kleinwagens, nämlich 3,76 Liter auf 100 Kilometer. © bmwgroup
BMW Vision EfficientDynamics
Freude am Fahren: In 4,8 Sekunden auf Tempo 100. © bmwgroup
BMW Vision EfficientDynamics
Im Einklang mit der Natur? Der C02 Ausstoß: 99g/km. Dach und die Außenhaut aus Polycarbonat-Glas © bmwgroup
BMW Vision EfficientDynamics
Der 2+2 Sitzer ist auf alle Fälle ein Hingucker. © bmwgroup
BMW Vision EfficientDynamics
Das Karosseriedesign ist technikbetont.  © bmwgroup
BMW Vision EfficientDynamics
Für das Interieur wurden nur natürliche Materialien verwendet.  © bmwgroup
BMW Vision EfficientDynamics
Aerodynamik mit Know-how aus der Formel 1. © bmwgroup
BMW Vision EfficientDynamics
Der Luftwiederstandsbeiwert wurde bei der Studie auf 0,22 cx optimiert. © bmwgroup
BMW Vision EfficientDynamics
Vorausschauendes Energiemanagement zum Kraftstoff sparen. © bmwgroup
BMW Vision EfficientDynamics
Durchgängiges Design. © bmwgroup
BMW Vision EfficientDynamics
Das neuartige Fahrerlebnis in dem Leichtsportwagen können vier Insassen erleben. © bmwgroup

In der Mitte sortiert sich die Personenwagensparte von Daimler ein. Konzernchef Dieter Zetsche hat Mercedes-Benz Cars ein Wachstum stärker als der Markt verordnet, das er bei drei bis vier Prozent sieht. Im vergangenen Jahr fiel der Absatz der Marken Mercedes-Benz, Smart, AMG und Maybach um gut zehn Prozent auf 1,13 Millionen Wagen. Operativ soll die Daimler-Personenwagensparte in diesem Jahr wieder einen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro einfahren, nach einem Minus von rund 500 Millionen Euro im Jahr 2009. Der Konzern hatte sich sogar einen Verlust von 2,6 Milliarden Euro in die Bücher schreiben müssen.

Der neue Mercedes-Benz SLS AMG

Mercedes-Benz SLS AMG
Mercedes-Benz SLS AMG - Design-Ikonen der Marke Mercedes-Benz. Das goldene Sondermodell G 55 AMG KOMPRESSOR „Edition 79“, eine Reminiszenz an den Verkaufsstart im Jahre 1979. © Hersteller
Mercedes-Benz SLS AMG
Die knapp zwei Meter lange Motorhaube, das flache, weit hinten positionierte Greenhouse und das kurze Heck mit dem ausfahrbaren Heckflügel stehen ebenso für Dynamik wie der lange Radstand, die breite Spur und die großen Räder © Hersteller
Mercedes-Benz SLS AMG
Unter der Motorhaube steckt der 420 kW (571 PS) starke AMG 6,3-Liter-V8-Motor. © Hersteller
Mercedes-Benz SLS AMG
Mercedes-Benz SLS AMG © Hersteller
Mercedes-Benz SLS AMG
Mercedes-Benz SLS AMG © Hersteller
Mercedes-Benz SLS AMG
Mercedes-Benz SLS AMG © Hersteller
Mercedes-Benz SLS AMG
Mercedes-Benz SLS AMG © Hersteller
Mercedes-Benz SLS AMG
Mercedes-Benz SLS AMG © Hersteller
Mercedes-Benz SLS AMG
Mercedes-Benz SLS AMG © Hersteller
Mercedes-Benz SLS AMG
Mercedes-Benz SLS AMG © Hersteller

Grund für die Aufholjagd von Audi ist nach Expertenmeinung vor allem die Strategie des VW-Konzerns, durch möglichst viele gleiche Teile für verschiedene Modelle die Kosten zu senken. “Strategisch gesehen ist das ein Riesenvorteil“, sagt Bratzel. “Im Moment sehe ich nicht, wie die anderen den Abstand wieder nachhaltig vergrößern sollten.“

Eine Chance sieht der Wissenschaftler in einer engeren Zusammenarbeit mit Partnern. “BMW braucht langfristig Partner, und auch Mercedes kommt nicht darum herum, insbesondere um sich in den niedrigeren Segmenten zu verstärken und damit auch Geld zu verdienen“, sagt er.

Autoexperte Peter Bosch von der Managementberatung Oliver Wyman erwartet dabei aber keine Übernahmen oder Zusammenschlüsse. “Wir werden eher Partnerschaften in einzelnen Projekten oder Themen sehen“, sagt Bosch und nennt etwa die Motorenkooperation von BMW mit dem französischen PSA-Konzern. Reithofer bekräftigt: “Wir bleiben ein eigenständiges Unternehmen“.

In diesem Jahr setzt BMW auf die neue Generation der 5er-Reihe. Marktbeobachter trauen BMW ein stärkeres Wachstum zu als vom Management in Aussicht gestellt. Audi will mit dem Kleinwagen A1 im Markt der BMW-Marke Mini wildern. Reithofer sieht das gelassen und betont mit einem Seitenhieb auf die Ingolstädter Konkurrenz: “Der Mini ist keine geschrumpfte Version einer anderen Modellreihe“. Der BMW-Chef kündigt an, dass auch die Marke BMW in das Kleinwagensegment vorstoßen will. Wann und wie lässt er allerdings offen.

dpa

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