Wirtschaftsspione in jeder 2. Firma

München - Rund 54 Prozent aller deutschen Firmen wurden bereits Opfer von Hackerangriffen, Konkurrenzausspähung oder Geheimnisverrat illoyaler Mitarbeiter.

Die Hacker gehen dabei immer aggressiver vor. Das ist das Ergebnis einer Studie der Sicherheitsberatungsfirma Corporate Trust, für die 600 Unternehmen befragt wurden. Die wichtigsten Erkenntnisse:

Nimmt Wirtschaftsspionage zu?

Ja. Während bei der Studie 2007 nur 18,9 Prozent der Firmen angaben, durch mindestens einen konkreten Fall von Spionage geschädigt worden zu sein, waren es 2012 insgesamt 21,4 Prozent. Zusammen mit den Verdachtsfällen, bei denen vertrauliche Informationen aus den Unternehmen abgeflossen sind, aber kein konkreter Täter ermittelt werden konnte (2012 bei 33,2 Prozent aller befragten Unternehmen der Fall), mussten sich damit 54,6 Prozent der deutschen Wirtschaftsbetriebe mit Industriespionage beschäftigen.

Wer ist besonders betroffen?

Der Mittelstand. Er verzeichnet mit 23,5 Prozent im Verhältnis die meisten Vorfälle. Es folgen Konzerne mit einer Häufigkeit von 18,8 Prozent und Kleinunternehmen mit 15,6 Prozent. 51,3 Prozent der Angriffe treffen Finanzwirtschaft und Maschinenbau.

Wie hoch ist der Schaden?

„Vorsichtig berechnet beläuft sich die Gesamtsumme des finanziellen Schadens auf 4,2 Milliarden Euro“, sagte Christian Schaaf, Geschäftsführer von Corporate Trust. Im Vergleich zur Studie 2007 (2,8 Milliarden Euro) entspricht dies einem Anstieg um 50 Prozent.

Wer sind die Täter?

Hinter der Spionage stecken laut Untersuchung zu 24,6 Prozent Konkurrenten, zu 14 Prozent ausländische Nachrichtendienste, zu 12,5 Prozent Hacker und zu 5,3 Prozent Banden aus dem Bereich der organisierten Kriminalität. Bei Dienstleistern und Beratern werden in 7,6 Prozent und bei Kunden oder Liefereranten in 21,2 Prozent der Fälle Informationen entwendet. Bei Industriespionage fällt es den Unternehmen aber oft schwer, eindeutig einen Täter zu identifizieren. Die Erfahrung hat gezeigt, so die Autoren der Studie, dass oft externe Täter mit internen Mitarbeitern zusammenarbeiten. Mitarbeiter können aber auch dadurch zu Tätern werden, dass sie Datengeräte wie Laptops, Smartphones oder Tablets verlieren bzw. allzu arglos bei der Weitergabe von Daten verfahren. Sie können aber auch mittelbare Täter sein, indem sie von externen Angreifern „abgeschöpft“ werden. Laut Studie sind deshalb 58 Prozent der Täter Mitarbeiter.

Wo findet die Spionage statt?

Vor allem in den GUS-Staaten, Europa und Nordamerika (siehe Tabelle).

Was ist mit China?

Die geringen Schadenszahlen für Asien könnten laut der Untersuchung zum einen darauf zurückzuführen sein, dass sich mittlerweile die Mehrzahl der Unternehmen des Risikos bewusst sind, bei Geschäften in China einen Informationsabfluss zu erleiden. Folglich werden oft verstärkte Schutzmaßnahmen ergriffen. Zum anderen ist es möglich, dass gerade die gehäuften Hackerangriffe aus dem Reich der Mitte zwar als solche erkannt, jedoch in Deutschland als Angriffe „in Deutschland“ gewertet wurden.

KHD

Die Tricks der Daten-Hacker

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Rubriklistenbild: © dpa

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