Wachstumsprognosen nach unten korrigiert

„Das Vertrauen der Wirtschaft sinkt"

Frankfurt - Die Schuldenkrise im Euroraum bremst die deutsche Konjunktur. Und die Unternehmen verlieren allmählich das Vertrauen. Die Prognose für das Wirtschaftswachstum wurde nach unten korrigiert.

Die Schuldenkrise im Euroraum bremst die deutsche Konjunktur - dank der starken Exporte und des kräftigen Konsums im Inland bleibt die Wirtschaft trotzdem auf Wachstumskurs. Im zweiten Quartal 2012 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent, berichtete das Statistische Bundesamt am Donnerstag und bestätigte damit erste Schätzungen. Zum Jahresbeginn 2012 hatte das BIP um 0,5 Prozent zugelegt.

Im Vergleich zum zweiten Quartal des vergangenen Jahres legte das BIP in Deutschland preisbereinigt um 0,5 Prozent zu. Allerdings gab es in diesem Jahr einen Arbeitstag weniger. Kalenderbereinigt lag der Zuwachs bei 1,0 Prozent.

Positive Impulse kamen im zweiten Quartal von den Exporten sowie den privaten und staatlichen Konsumausgaben. Hingegen gingen die Investitionen in Bauten und vor allem in Ausrüstungen wie Maschinen und Fahrzeuge gegenüber dem Vorquartal erneut zurück. Ausschlaggebend für das dritte Minus bei den Ausrüstungsinvestitionen in Folge dürfte die Unsicherheit der Unternehmer angesichts der weiter ungelösten Euro-Staatsschuldenkrise sein.

„Das Zukunftsvertrauen der deutschen Wirtschaft sinkt"

"Das Zukunftsvertrauen der deutschen Wirtschaft sinkt. Die tiefe Rezession in den Krisenländern der Eurozone wird vor allem über den Außenhandel auch hierzulande zunehmend spürbar. In den Unternehmen wächst die Unsicherheit", sagte der Chefvolkswirt der staatseigenen Bankengruppe KfW, Norbert Irsch. Den Firmen fehle eine klare Lösungsperspektive, die auch für die Investoren am Finanzmarkt überzeugend ist. Die KfW korrigierte deshalb ihre Konjunkturprognose nach unten und rechnet nun für 2012 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent. Im Mai hatte sie noch ein Plus von 1,2 Prozent vorhergesagt. Für 2013 erwartet sie nur noch ein Wachstum von 1,5 Prozent nach zuletzt geschätzten 2,0 Prozent.

Die Rezession in der Eurozone habe sich geradezu lehrbuchmäßig ausgebreitet und verstärkt, weil die notwendige Konsolidierung in vielen Ländern nicht ausreichend von Wachstumsimpulsen flankiert worden sei, betonte Irsch: „Selbst Frankreich schrammt nur knapp an einer Rezession vorbei. Das schlägt auf Deutschland durch.“

Positive Aussichten für 2013 - unter einer Bedinung

Helfen könne etwa eine zeitliche Streckung der Griechenland-Hilfen unter strikten Bedingungen. Das würde den rezessiven Druck abschwächen, sagte Irsch und bezeichnete Vermögenssteuern oder -abgaben in den Krisenländern als sinnvoll und notwendig: „Die Konsolidierungsprogramme belasten Leute in der unteren Hälfte der Einkommensverteilung und die Mittelschicht stärker. Das wird als unfair empfunden, was den Widerstand gegen diese Programme verstärkt.“

2013 erwartetet Irsch die Belebung der Weltkonjunktur. Er sieht deshalb gute Chancen für 1,5 Prozent Wachstum im exportstarken Deutschland: „Unter der Bedingung, dass sich die Eurokrise stabilisiert.“

dpa/dapd

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Auch interessant

Meistgelesen

Neues Bezahlgefühl: Italien schafft diese Münzen ab
Neues Bezahlgefühl: Italien schafft diese Münzen ab
Flughafen BER: Es gibt gute Nachrichten!
Flughafen BER: Es gibt gute Nachrichten!
Rekordumsätze für "Superfood"
Rekordumsätze für "Superfood"
Daimler-Entwicklungschef plant noch Jahre mit dem Diesel
Daimler-Entwicklungschef plant noch Jahre mit dem Diesel

Kommentare