Fragen und Antworten

Wofür genau kämpft die GDL mit dem Streik?

München - Wofür kämpft die GDL? Was hat das Tarifeinheitsgesetz mit dem Streik zu tun? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Der Arbeitskampf der Bahn (im Personenverkehr von Dienstag, 2 Uhr früh, bis Sonntagmorgen, 9 Uhr) dreht sich um mehr als nur Geld und Dienstzeiten – deshalb ist der Konflikt so festgefahren. Einen Schlichter lehnte GDL-Chef Claus Weselsky (56) gestern erneut ab – eben weil es ihm in erster Linie darum geht, nicht nur für Lokführer, sondern auch für andere Bahnsparten zu verhandeln. Diese Möglichkeit könnte ihm in Zukunft durch das geplante Tarifeinheitsgesetz verbaut werden, das gestern im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales debattiert wurde. Eine Zusammenstellung der wichtigsten Aspekte:

Wofür kämpft die GDL?

Die Gewerkschaft will fünf Prozent mehr Geld für fünf Prozent weniger Arbeitszeit. Die Bahn war hier schon weit entgegengekommen: 4,7 Prozent Plus in zwei Stufen und eine Einmalzahlung von 1000 Euro. Knackpunkt ist aber Weselskys Vorsatz, auch die Zugbegleiter zu vertreten und Rangierzugführern den gleichen Lohn wie den Streckenlokführern zu sichern.

Was hat das Tarifeinheitsgesetz mit dem Streik zu tun?

Mit diesem Gesetz von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) soll festgelegt werden, dass in einem Betrieb nur die jeweils größte Gewerkschaft Tarifverträge abschließen kann. Größer als die GDL mit ihren 34 000 Mitgliedern ist die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG (204 000 Mitglieder). Der GDL-Chef wolle noch in alter Rechtslage die Stellung seiner Gewerkschaft auf weitere Berufsgruppen ausbauen: So interpretiert Arbeitsrechtler Carsten Domke Weselskys harten Kurs.

Wie soll das Gesetz wirken, das im Sommer inkraft tritt?

Es wird nur aktuell, wenn zwei konkurrierende Gewerkschaften unterschiedliche Tarifverträge für eine Berufsgruppe in einem Betrieb durchsetzen wollen. Dann soll die Mehrheitsregel entscheiden. Das Streikrecht wird nicht ausdrücklich begrenzt.

Welche anderen Berufsgewerkschaften wären betroffen? 

Etwa die Pilotengewerkschaft Cockpit und die Ärztevertretung Marburger Bund. Beide wollen vor dem Bundesverfassungsgericht klagen.

Wie sind ihre Aussichten? 

Zwei Ex-Verfassungsrichter haben Gutachten erstellt: Udo di Fabio sieht das Gesetz als unzulässig an, der Ex-Präsident des Gerichts, Hans-Jürgen Papier, hat keine verfassungsrechtlichen Einwände.

BW

Das ist zu lang!

Ich habe mich mit dem Bahnstreik noch nicht sehr beschäftigt. Dass so lange gestreikt wird, finde ich nicht in Ordnung – da der Streik ja viele trifft, die für die Situation nicht verantwortlich sind. Ich bin jedenfalls froh, dass ich meine Heimreise am Mittwoch mit dem Auto mache.

Gabriele Fickert (52), Angestellte, München

Streik muss weh tun

Ich habe vollstes Verständnis für die Streikenden. Die Bahn ist ja bekannt dafür, dass sie ein schlechter Arbeitgeber ist. Klar, dass viele Pendler und Bahnreisende sauer sind, aber ein Streik, der nicht weh tut, bringt nichts. Deshalb muss es halt notfalls auch länger gehen.

Hartmut Mersch (35), Chef des „Wutraums“ in ­Pasing 

Recht wird missbraucht

Ich versteh das alles gar nicht mehr. Hier geht’s doch nur um Macht. Ich finde, die GDL missbraucht das Streikrecht. Ich nutze jeden Tag den Zug und bin genervt. Einen Termin in Münster musste ich absagen, das Auto ist keine Alternative. Nach München rein steht man immer im Stau.

Dipl.-Ing. Marion Jacob, Wirtschaftsberaterin aus Mammendorf

Kein Verständnis

Es ist zwar das gute Recht der Lokführer, zu streiken, aber für diesen Ausstand – es ist ja mittlerweile der achte – habe ich kein Verständnis mehr. Ich war Personalleiter in der Metall-Industrie. Da wird auch gestreikt: knackig, aber kurz.

Peter Steinmann (66), Rentner aus Dortmund und seine Gattin Angelika

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