Umbau geht weiter

Yahoo: Befreiungsschlag durch Tumblr?

New York – Der Umbau beim Internet-Pionier Yahoo geht weiter: Wenige Stunden nachdem Yahoo die Übernahme der Blog-Plattform Tumblr angekündigt hat, gab das Unternehmen am Dienstag die Eröffnung eines neuen Büros in New York bekannt.

Die im vergangenen Jahre angetretene Yahoo-Chefin Marissa Mayer will das Internet-Urgestein neu beleben, das unter dem Konkurrenzdruck von Google und Facebook und früheren Managementfehlern leidet. Yahoo betreibt neben Google und Facebook eines der größten Anzeigensysteme im Internet. (Hier hat sich in der Zeitungs-Meldung (Dienstagsausgabe) zur Tumblr-Übernahme ein Fehler eingeschlichen – Yahoo betreibt natürlich nicht Google und Facebook! Wir bitten um Entschuldigung.)

In der Vergangenheit war Yahoo hinter seine Rivalen zurückgefallen. Die Werbeeinnahmen sanken zu Jahresbeginn deutlich. Das soll Mayers Strategie ändern: mehr Inhalte, mehr auf Smartphones und Tablets ausgerichtet, insgesamt jünger. Die Yahoo-Chefin stemmte bereits eine Reihe kleinerer Zukäufe, doch Tumblr soll so etwas wie der Befreiungsschlag werden.

Veränderungen gibt es auch bei der Foto-Plattform Flickr, einem der ältesten und bekanntesten Yahoo-Angebote. Die Nutzer bekommen künftig einen Terabyte Speicherplatz. Für rund 50 Dollar im Jahr kann man den Dienst werbefrei nutzen. Und für rund 500 Dollar jährlich bekommt man doppelten Speicherplatz. Zudem frischte Yahoo das Aussehen von Flickr auf dem Computer auf und brachte eine neue App für das Google-Betriebssystem Android heraus.

Das Hauptquartier von Yahoo liegt in Sunnyvale im Silicon Valley. Der Konzern hat insgesamt rund 11.300 Beschäftigte. Die 500 Yahoo-Mitarbeiter in New York, bisher in mehreren Büros über die Stadt verteilt, ziehen bald in das alte Gebäude der „New York Times“ nahe des Times Square. Das neue Büro könnte nach Mayers Worten 200 weitere Leute aufnehmen – Platz, der vielleicht bald gebraucht wird.

Mit der Übernahme der Blog-Plattform Tumblr bekommt Yahoo auf einen Schlag Abermillionen neue Nutzer – vor allem junge Leute, die sich bisher nur selten zu Yahoo verirrten. Tumblr profitiert auch davon, dass sich mittlerweile viele Erwachsene auf Facebook tummeln. Immer mehr Jugendliche wandern deshalb ab – unter anderem zu Tumblr.

Der Konzern räumt selbst ein, dass er ein Defizit in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen hat. „Tumblr wächst und wir können davon auf unseren eigenen Webseiten profitieren“, sagt Mayer. Sie träumt von einer Milliarde Nutzern jeden Monat, 50 Prozent mehr als bislang. Um die Tumblr-Nutzer nicht zu verschrecken, will Yahoo seiner neuen Tochter eine weitgehende Eigenständigkeit zubilligen. Tumblr-Gründer David Karp bleibt Chef des Unternehmens. Nicht einmal das Yahoo-Logo soll auf den Tumblr-Seiten auftauchen.

Die Übernahme der Blog-Plattform lässt sich Yahoo 1,1 Milliarden Dollar (855 Mio. Euro) kosten. Tumblr machte aber laut US-Medienberichten im vergangenen Jahr nur 13 Millionen Dollar Umsatz. Damit sich der Milliardenzukauf lohnt, muss Mayer das Geschäft ankurbeln. Die beiden Firmen würden gemeinsam „Möglichkeiten für Werbung“ schaffen, kündigte sie an. Im Klartext: Autoren und Leser müssen sich auf mehr Anzeigen einstellen. Mayer sondiere bereits weitere Übernahmemöglichkeiten, hieß es im „Wall Street Journal“. Geld ist vorhanden, seit Yahoo seine Beteiligung am chinesischen Internetkonzern Alibaba teilweise verkauft hat. Der Tumblr-Kaufpreis fließt fast komplett in bar. Der Abschluss der Übernahme ist in der zweiten Jahreshälfte geplant.

Rubriklistenbild: © AP

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