Zahl der Erwerbstätigen auf Höchststand

Wiesbaden - Erst hatte der rasche Aufschwung eine Krise am Arbeitsmarkt verhindert, jetzt sorgt er für Rekorde: Im Jahr 2010 hat die Zahl der Jobs in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht. Und: Viele Firmen suchen weiter Mitarbeiter.

Selten ist der deutsche Arbeitsmarkt unter so guten Vorzeichen ins neue Jahr gestartet wie 2011: Denn noch nie hatte es in der Bundesrepublik Deutschland so viele Jobs gegeben. 2010 waren im Durchschnitt rund 40,37 Millionen Menschen mit Wohnort in Deutschland erwerbstätig, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Berechnungen am Montag mitteilte. Dies seien 197 000 oder 0,5 Prozent mehr als 2009. Zugleich wuchs die Nachfrage der Wirtschaft nach Arbeitskräften im Dezember 2010 noch einmal kräftig, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) ergänzend mitteilte.

Die Chancen von Jobsuchern seien damit inzwischen wieder besser als zum Ausbruch der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise im Herbst 2008. Auch Arbeitsmarktexperten rechnen damit, dass sich das Jobwunder im Jahr 2011 fortsetzt. Die Arbeitslosenzahlen für Dezember will die Bundesagentur an diesem Dienstag in Nürnberg bekanntgeben. Etwas an Bedeutung für den Arbeitsmarkt verlor im abgelaufenen Jahr die Industrie, die nur noch 18,9 nach zuvor 19,4 Prozent der Erwerbstätigen beschäftigte.

Immer wichtiger für den Arbeitsmarkt wird hingegen der Dienstleistungsbereich. 29,74 Millionen Menschen hatten 2010 einen Dienstleistungsjob - 1,1 Prozent mehr als 2009. Damit arbeiten fast drei Viertel aller Erwerbstätigen (73,5 Prozent) in diesem Sektor - 1991 waren es noch 59,5 Prozent. In der Land- und Forstwirtschaft waren 2010 wie schon im Vorjahr 2,1 Prozent aller Erwerbstätigen beschäftigt, im Baugewerbe ebenfalls wie im Vorjahr 5,5 Prozent. Im Krisenjahr 2009 war die Beschäftigung erstmals seit 2005 gesunken - die Statistiker werteten den Rückgang um 0,1 Prozent angesichts des kräftigen Einbruchs der Wirtschaftsleistung um 4,7 Prozent aber als moderat.

Unter anderem die massive Ausweitung der Kurzarbeit sowie das Abschmelzen von Guthaben auf Arbeitszeitkonten verhinderten nach Expertenmeinung eine befürchtete Entlassungswelle. Gleichzeitig sank im Schnitt des Jahres 2010 die Zahl der Erwerbslosen um 9,2 Prozent (297 000) auf 2,93 Millionen. Die Erwerbslosenquote, die den Anteil der Erwerbslosen an der Gesamtzahl der Erwerbspersonen misst, sank von 7,4 Prozent im Jahr 2009 auf 6,8 Prozent. Der überraschend robuste deutsche Arbeitsmarkt hatte die Binnennachfrage in der zweiten Jahreshälfte 2010 angekurbelt und die Konjunkturerholung beschleunigt.

Inzwischen drohen nach Erkenntnissen der Bundesagentur in einigen Branchen bereits Personalengpässe. Probleme gebe es vor allem bei Hochqualifizierten, wie die Bundesagentur am Montag bei der Veröffentlichung ihres Beschäftigungsindexes BA-X mitteilte. Der statistische Gradmesser für die Zahl der offenen Stellen in den Unternehmen kletterte im Dezember 2010 um 5 auf 155 Punkte. Diese sind 39 Zähler mehr als vor einem Jahr. Vor allem Zeitarbeitsunternehmen suchten derzeit Mitarbeiter. Gleichzeitig wachse der Anteil der Vollzeitjobs und der Jobs mit Festanstellung.

Im Dezember 2010 war die Arbeitslosenzahl trotz des harten Winters knapp unter der Drei-Millionen-Marke geblieben. Nach Berechnungen von Bankenvolkswirten und Konjunkturforschern waren im Weihnachtsmonat rund 2,99 Millionen Männer und Frauen erwerbslos. Das wären rund 60 000 mehr als im November, aber rund 285 000 weniger als vor einem Jahr. Einige Experten halten allerdings auch einen Anstieg über die Drei-Millionen-Schwelle für möglich, betonten sie in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

dpa

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